Wolfram Döring
Dozent
Wolfram Döring ist seit 1996 für die Frankfurt School als Dozent und Autor tätig. Seine Schwerpun...
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Blockchain und Bitcoins – die Herausforderung für Kreditinstitute

September 1, 2017
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Blockchain und Bitcoins sind in aller Munde. Schafft die virtuelle Währung Bitcoin bald alle anderen Währungen ab und konfrontiert uns weltweit mit einer neuen Weltwährung? Sicher nicht.

Bitcoin als Produkt

Bitcoins herzustellen bezeichnet man als das sogenannte „Mining“ mithilfe der Blockchaintechnologie, bildlich gesprochen die Produktion in einem Bergwerk, de facto auf vielen Rechnern. Jeder kann also – unter hohem Energie- und Rechneraufwand – diese Währung für sich erschaffen. Wirklich lohnend ist dies aber nur auf dafür spezialisierten Hochleistungsrechnern. Wenn ein Bitcoin 2000 Euro kostet, dann bedeutet dies Strom- und Rechnerkosten in dieser Größenordnung, da andernfalls viele Marktteilnehmer mit dem „Schürfen“ bzw. „Mining“ neu beginnen würden. Die Zahl der Bitcoins ist aufgrund der vorgegebenen Zahlenfolge endlich und wird voraussichtlich in wenigen Jahren abgeschlossen sein.

Sind die im Wert sehr stark schwankenden Bitcoins als Sicherheit oder als internationale Kreditwährung geeignet? Allein in 2017 stieg der Preis innerhalb weniger Monate um mehr als das Doppelte. Wie ist damit umzugehen, wenn die Raten fast unermesslich steigen?

Bei der Übertragung von Bitcoins benötigt man einen privaten (Private Key) und einen öffentlichen Schlüssel, der für jedermann zugänglich ist (Public Key). Was bedeutet die Technologie, das Schürfen von plausiblen Public Keys, für die Kreditwirtschaft und das Kreditgeschäft?

Bedeutung der Blockchain-Technologie

Der Fokus liegt aus Sicht der Kreditwirtschaft zunehmend in der Technologie. Die Blockchain-Technologie ermöglicht den Zugriff in der Cloud oder über eine Plattform. Nur zwei Parteien haben Zugriff auf das Dokument. Hierbei könnte es sich zum Beispiel um ein Vertragsdokument oder mittelfristig auch um andere Dokumente handeln, die zu einem bestimmten Datum elektronisch vorzulegen sind, wie im Außenhandel. Es gibt bereits Überlegungen, Grundbuchumschreibungen mit dieser Technologie durchzuführen. Der Vorteil: Die Umschreibung kann direkt beim Notar bzw. im Termin durchgeführt werden. Interessant, wenn die Zahlung ebenfalls in Sekunden beim Empfänger ist.

Entscheidender Punkt wird also die Datensicherheit sein und das mögliche Vertrauen in diese. Für Kreditinstitute ist das Vertrauen ihrer Kunden entscheidend, für Werte verwahrende IT-Plattformen ebenfalls. Allerdings: Im Unterschied zu Banken sind diese nicht reguliert. Hacker zielen bei Angriffen auf Privatrechner auf die entsprechenden Private Keys, bei Plattformen auf hinterlegte Keys.

Der Zahlungsverkehr ändert sich, insbesondere in der SEPA-Zone, und mit ihm die Geschwindigkeit. Mit SEPA Instant Payment, dessen Einführung 2018 bevorsteht, ist eine Zahlung innerhalb der SEPA-Zone nun binnen vier Sekunden machbar. Dies hat wesentliche Auswirkungen auf Geschäftsmodelle, gerade bei der Darlehensausreichung. Wenn der Kreditprüfungsprozess nur wenige Minuten dauert und die Darlehensauszahlung wenige Sekunden, dann wird Schnelligkeit in diesen Prozessen zum Erfolgsfaktor. Dies betrifft vor allen Dingen die Privatkunden und die banknahe Absatzfinanzierung. Dafür braucht es nicht nur eine gute IT, sondern hinreichend qualifizierte Mitarbeiter und eine Strategie, die dies ausreichend definiert.
Im nächsten Schritt umfasst diese Änderung aber auch zum Beispiel Notarverträge, denn nun kann die Eigentumsumschreibung als auch die Zahlung quasi in Echtzeit erfolgen. Für Standardfälle – wie im Privatkundengeschäft – ein wesentlicher Durchbruch.

Insofern muss die Technologie der Banken samt den Prozessen aufgerüstet werden, um zu vermeiden, dass Geldübertragungen in Kunstwährungen, wie dem Bitcoin, stattfinden. Es wird sich zeigen, ob SEPA Instant-Payment einen Wettbewerb zu Bitcoins darstellt.

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