Petra Haferkorn
Dozentin
Dr. Petra Haferkorn prüft seit 20 Jahren Risikomodelle von Banken und Versicherungen. Sie ist derze...
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Die Systemische Prüfung Teil 3: Auswirkungen auf die Prüfer

December 7, 2017
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Im Vergleich zu einem streng normativen Prüfungsansatz, bei dem zum Beispiel das Prüferteam die Anforderungen an einen Organisationsbereich (Soll-Zustand) anhand einer Checkliste überprüft, schöpft die Systemische Prüfung die kreativen und kommunikativen Fähigkeiten des Prüferteams aus. Schließlich möchten die Prüfer möglichst viele relevante Themen und Problemstellungen des geprüften Organisationsbereichs erfassen. Der Prüfungspartner wird dabei als Experte für das Prüfungsfeld gewürdigt und der Prüfer selbst als Experte für den Prüfungsprozess. Damit begegnen sich Prüfer und Prüfungspartner auf Augenhöhe. Mit einer derartigen Konzeption der Systemischen Prüfung geht die Hoffnung einher, dass sich die Attraktivität und der Wert von Prüfungen für alle Beteiligten steigern lassen. Durch die Einbeziehung des gesamten Prüferteams können verschiedene subjektive Perspektiven unterschiedlicher Experten genutzt und damit die Qualität der Prüfung gesteigert werden.

Der Systemischen Prüfung ist es ein wichtiges Anliegen, das komplexe Prüfungsziel, wie zum Beispiel die Einschätzung der Lebensfähigkeit der geprüften Organisation, eben nicht zu sehr zu vereinfachen. Sie macht diese Herausforderung selbst zum Thema. Dies geschieht in dem Bewusstsein der (direkt und indirekt) Beteiligten, dass niemand in der Lage ist, die Komplexität des geprüften Organisationsbereichs definitiv einzuschätzen und dass es keine optimale Lösung dafür gibt.

Zum Ende haben Prüfer und Prüfungspartner viele bereichernde Sichtweisen über die Funktionsweise des geprüften Bereichs ausgetauscht. Für diesen Lerneffekt reicht es nicht aus, in der Sachdimension eine Prüfungs­fest­­stellung und eine dazu passende Maßnahme zu finden. Denn die Systemische Prüfung legt genauso Wert auf die Perspektive der Sozialdimension: Um überhaupt sich über die Dysfunktion eines geprüften Bereichs verständigen zu können, ist es wichtig und sogar notwendig, dass Prüfer und geprüfter Bereich eine vertrauensvolle Kommunikationsbasis aufgebaut haben.

Die Systemische Prüfung: Vergrößern wir die Wahrscheinlichkeit, ihre Bedeutung und Wirksamkeit zu erhöhen!

Somit wird die Prüfung als Lern- und Entscheidungs­prozess aufgebaut, um eine Verbesserung der Prüfungsergebnisse zu erzielen. Die Geprüften und Berichtsempfänger werden ausdrücklich involviert, so dass auch ihre Bedürfnisse besser als in einem normativen Prüfungsansatz berücksichtigt werden können. Dies hat den positiven Effekt, dass sie das Prüfungsergebnis nicht nur akzeptieren, sondern sogar als hilfreich und sinnvoll empfinden.

Gleichzeitig ermöglicht der Systemische Prüfungsansatz den Prüfern, die Erwartungen der Geprüften und der Berichtsempfänger zu managen. So kann das Prüferteam seine Probleme einfacher zur Sprache zu bringen, wenn zum Beispiel die Prüfer ihre Vorgesetzten um weitere, begründete Ressourcen für eine Vertiefung der Prüfung bitten. Der Systemische Prüfungsansatz erhöht somit die Wahrscheinlichkeit, dass der geprüfte Organisationsbereich die Prüfungsergebnisse anhört und die vereinbarten Maßnahmen zu einer dauerhaften positiven Veränderung der Organisation führen. Denn erst wenn die Organisation diese Veränderung erlernt, umsetzt und verinnerlicht hat, kann von dem Mehrwert einer Prüfung die Rede sein.

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Lesen Sie hierzu auch:

Teil 1: Die Systemische Prufung: Wie können sich Prüfer aus dem blinden Fleck der „sicheren“ Checkliste herausmanövrieren?

Teil 2: Die Systemische Prufung: Anders prüfen – systemisch prüfen!

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