{"id":16580,"date":"2019-01-22T10:47:45","date_gmt":"2019-01-22T09:47:45","guid":{"rendered":"https:\/\/blogstaging.frankfurt-school.de\/?p=16580"},"modified":"2020-04-01T07:46:52","modified_gmt":"2020-04-01T06:46:52","slug":"implications-financial-innovation-capital-markets-household-welfare","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.frankfurt-school.de\/de\/implications-financial-innovation-capital-markets-household-welfare\/","title":{"rendered":"Die Auswirkungen der Finanzinnovation auf die Kapitalm\u00e4rkte und das \u00f6konomische Wohl privater Haushalte"},"content":{"rendered":"<p>Das rasante Tempo der Finanzinnovation bewirkt einen Wandel der Finanzm\u00e4rkte. Damit einher gehen neue Anlageklassen: Private Haushalte k\u00f6nnen nun unter anderem in Hedgefonds, Private Equity, Aktien und Anleihen in Schwellenl\u00e4ndern, Mezzanine-Darlehen und Distressed-Debt, Immobilien, Infrastruktur, Rohstoffe und Kryptow\u00e4hrungen investieren. Dazu kommen Finanzprodukte mit zunehmend komplexen Payoff-Strukturen. Ein Beispiel f\u00fcr ein strukturiertes Produkt, das die Teilhabe privater Haushalte am B\u00f6rsenmarkt durch den Schutz vor Kursverlusten erh\u00f6hen soll, findet sich bei Calvet, Celerier, Sodini und Vallee (2017). Weitere neue Strategien im Angebot umfassen aktiengebundene Einlagenzertifikate, Smart-Beta-Anlagen und alternative Alpha-Produkte f\u00fcr Haushalte, die bisher keinen Zugang dazu hatten. So berichtet Foxman (2018) bei Bloomberg, dass \u201eJPMorgan Chase &amp; Co. plant, einem viel breiteren Kundenkreis anspruchsvolle Investitionen anzubieten. Die Bank senkt drastisch die Anforderungen f\u00fcr den Zugang zu bestimmten alternativen Investitionen, die ihre Asset-Management-Abteilung bisher haupts\u00e4chlich Institutionen oder den Ultrareichen vorbehalten hat\u201c. Gleichzeitig wird privaten Haushalten eine beeindruckende Palette neuer Finanzprodukte verf\u00fcgbar gemacht, was teilweise wohl auf die niedrigen Renditen f\u00fcr die traditionellen Anlageklassen zur\u00fcckzuf\u00fchren ist. Celerier und Vallee (2017) machen beispielsweise folgende Aussage: \u201eSeit Ende der 90er Jahre haben europ\u00e4ische Finanzinstitute komplexe Finanzprodukte im Wert von \u00fcber zwei Billionen Euro entworfen, vermarktet und an Haushalte verkauft.\u201c Dar\u00fcber hinaus wird es durch den \u00dcbergang von leistungsorientierter zu beitragsorientierter Altersvorsorge, wobei Haushalte ihre eigenen finanziellen Entscheidungen treffen m\u00fcssen, zunehmend wichtiger, sich \u00fcber die Auswirkungen der Finanzinnovation im Klaren zu sein.<\/p>\n<h2><strong>Auswirkungen der Finanzinnovation aus traditioneller Sicht <\/strong><\/h2>\n<p>Bei unserer Forschung geht es um die Untersuchung der optimalen Entscheidungen bez\u00fcglich der Portfoliostrukturierung von Investoren, die Zugang zu einer neuen Anlagem\u00f6glichkeit erhalten. Ebenso im Fokus stehen die wirtschaftlichen Mechanismen, durch die diese Entscheidungen die Finanzm\u00e4rkte, das \u00f6konomische Wohl und die Verm\u00f6gensungleichheit beeinflussen. Insbesondere besch\u00e4ftigen wir uns mit folgenden Fragen: Sollten wir von unerfahrenen Investoren \u2013 wie privaten Haushalten, die von der neuen Anlagem\u00f6glichkeit nicht vollst\u00e4ndig \u00fcberzeugt sind, \u2013 erwarten, sie \u00fcberhaupt in ihr Portfolio aufzunehmen? Welche Umgestaltung ihres Portfolios sollten wir im Zeitverlauf von unerfahrenen Anlegern erwarten, wenn sie mit der neuen Anlagem\u00f6glichkeit vertraut werden? Welche Auswirkungen werden die Handelsentscheidungen der Anleger auf die Renditevolatilit\u00e4ten und Risikopr\u00e4mien neuer und traditioneller Anlagen haben \u2013 sowohl nach der Einf\u00fchrung des neuen Assets als auch auf lange Sicht? Welche Folgen wird die Finanzinnovation auf das \u00f6konomische Wohl haben? Wie wird sie sich auf die Verm\u00f6gensungleichheit zwischen unerfahrenen und erfahrenen Investoren auswirken?<\/p>\n<p>Die traditionelle Literatur \u00fcber Finanzinnovationen geht davon aus, dass alle betroffenen Investoren vom Renditeprozess des neuen Verm\u00f6genswerts vollkommen \u00fcberzeugt sind. Demnach sieht sie ab, dass Finanzinnovationen die Risikoteilung zwischen den Anlegern erleichtern und gleichzeitig die Diversifizierung des Portfolios der einzelnen Investoren erh\u00f6hen. So sollte sich die Finanzinnovation ausgleichend auf den Konsum auswirken, was zu einer Senkung der Renditevolatilit\u00e4t und der Risikopr\u00e4mie f\u00fcr den neuen Verm\u00f6genswert f\u00fchrt. Zudem sollte die Finanzinnovation das \u00f6konomische Wohl steigern, da die Verteilung des Verm\u00f6gens auf die Anleger im Zeitverlauf konstant bleibt.<\/p>\n<h2><strong>Was stimmt an der traditionellen Sicht nicht? <\/strong><\/h2>\n<p>Die Annahme, dass alle Investoren gleicherma\u00dfen (und vollst\u00e4ndig) zuversichtlich in Bezug auf den Renditeprozess sind, wird sich jedoch im Zusammenhang mit neuen Assets nicht halten lassen. Versierte institutionelle Anleger d\u00fcrften beispielsweise souver\u00e4ner in neue Verm\u00f6genswerte investieren \u2013 insbesondere, wenn sie bereits \u00fcber einen l\u00e4ngeren Zeitraum in diese Assets investiert haben. Folglich treffen die Erkenntnisse aus der traditionellen Literatur m\u00f6glicherweise nicht zu. Mit unserer Arbeit m\u00f6chten wir diese L\u00fccke in der Fachliteratur schlie\u00dfen. In diesem Sinn entwickeln wir ein dynamisches allgemeines Gleichgewichtsmodell mit zwei Kategorien von Investoren, die dem durch die Finanzinnovation verf\u00fcgbar gemachten Asset ein unterschiedliches Ma\u00df an Vertrauen entgegenbringen: erfahrene Investoren, die \u00fcberzeugt vom neuen Asset sind (und ganz pr\u00e4zise Vorstellungen mitbringen), und unerfahrene Investoren, wie private Haushalte, die bez\u00fcglich des neuen Assets weniger zuversichtlich sind (und weniger genaue Vorstellungen mitbringen), aber mit der Zeit dazulernen. (Man sollte meinen, dass sich unerfahrene Anleger einfach auf Finanzberater verlassen k\u00f6nnten. Wenn es den Betroffenen jedoch an Finanzkompetenz mangelt, erhalten sie auch schwerlich eine gute Finanzberatung.) Es gibt mehrere risikobehaftete Assets \u2013 ein traditionelles Asset in Form von b\u00f6rsennotierten Aktien sowie das neue Asset \u2013 und eine risikolose Anleihe. W\u00e4hrend erfahrene Investoren Zugang zu allen drei verf\u00fcgbaren Finanzanlagen haben, k\u00f6nnen unerfahrene Investoren zun\u00e4chst nur die risikolose Anleihe und das traditionelle risikobehaftete Asset in Anspruch nehmen. Erst nach vollzogener Finanzinnovation haben sie Zugang zum neuen Asset. Die Finanzm\u00e4rkte sind somit l\u00fcckenhaft.<\/p>\n<p>Anhand unseres Modells zeigen wir dann, dass viele der \u201eintuitiven\u201c Erkenntnisse in der traditionellen Literatur ins Gegenteil verkehrt werden, wenn die Investoren ein unterschiedliches Ma\u00df an Vertrauen mitbringen. Dann f\u00fchrt die Finanzinnovation zu einer Erh\u00f6hung der Renditevolatilit\u00e4t und der Risikopr\u00e4mie f\u00fcr den neuen Verm\u00f6genswert. In Bezug auf die Investoren-Portfolios steigt die Volatilit\u00e4t ebenfalls. Trotz h\u00f6herer Volatilit\u00e4ten st\u00e4rkt die Finanzinnovation das \u00f6konomische Wohl aller Anleger. Allerdings sinkt der Wohlstandsanteil unerfahrener Anleger mit der Zeit. Dadurch versch\u00e4rft sich die Verm\u00f6gensungleichheit im Gegensatz zu dem, was man bei gleichem Vertrauensniveau aller Investoren beobachten w\u00fcrde. Im Zeitverlauf lernen unerfahrene Anleger, das Dividendenwachstum genauer einzusch\u00e4tzen, und werden dadurch sicherer. Somit w\u00fcrde die Konzentration der Investoren-Portfolios und die daraus resultierende Erh\u00f6hung der Renditevolatilit\u00e4t und der Risikopr\u00e4mie f\u00fcr das neue Asset \u00fcber mehrere Jahrzehnte nur langsam nachlassen.<\/p>\n<h2><strong>Ist Finanzinnovation eine gute oder schlechte Sache?<\/strong><\/h2>\n<p>Trotz h\u00f6herer Volatilit\u00e4t w\u00fcrde die Finanzinnovation das \u00f6konomische Wohl aller Anleger steigern, denn sie erm\u00f6glicht es beiden Investorengruppen, ihr Portfolio st\u00e4rker zu diversifizieren und die Risikoteilung zu verbessern. Davon w\u00fcrden allerdings nicht alle zu gleichen Teilen profitieren.<\/p>\n<p>Den vollst\u00e4ndigen Beitrag kannst du <a href=\"https:\/\/papers.ssrn.com\/sol3\/papers.cfm?abstract_id=3015208\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">hier<\/a> nachlesen.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das rasante Tempo der Finanzinnovation bewirkt einen Wandel der Finanzm\u00e4rkte. Damit einher gehen neue Anlageklassen: Private Haushalte k\u00f6nnen nun unter anderem in Hedgefonds, Private Equity, Aktien und Anleihen in Schwellenl\u00e4ndern, Mezzanine-Darlehen und Distressed-Debt, Immobilien, Infrastruktur, Rohstoffe und Kryptow\u00e4hrungen investieren. Dazu kommen Finanzprodukte mit zunehmend komplexen Payoff-Strukturen. 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