{"id":19774,"date":"2019-06-12T15:19:14","date_gmt":"2019-06-12T14:19:14","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.frankfurt-school.de\/?p=19774"},"modified":"2020-05-18T20:28:08","modified_gmt":"2020-05-18T19:28:08","slug":"behavioral-economics-at-frankfurt-school","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.frankfurt-school.de\/de\/behavioral-economics-at-frankfurt-school\/","title":{"rendered":"Behavioral Economics at Frankfurt School"},"content":{"rendered":"<p>Das Marketingteam der FS und ich haben ein unterhaltsames Video zum Thema Verhaltens\u00f6konomie \u2013 meinem Forschungsschwerpunkt \u2013 gedreht. Die Verhaltens\u00f6konomie und ihre Teildisziplin Behavioural Finance gehen davon aus, dass sich viele wirtschaftliche Ph\u00e4nomene besser erkl\u00e4ren lassen, wenn man ber\u00fccksichtigt, dass Menschen manchmal nur begrenzt rational handeln. Dazu geh\u00f6ren unter anderem Investitionsverhalten, Jobsuche und Gesundheitsentscheidungen \u2013 schau Dir das Video an!<\/p>\n<h2>Systematische Verhaltensfehler<\/h2>\n<p>Begrenzt rationales Verhalten resultiert aus sogenannten systematischen Verhaltensfehlern (\u201ebehavioral biases\u201c). Es gibt dabei zwei gro\u00dfe Untergruppen: Einsch\u00e4tzungsfehler (\u201ebelief biases\u201c) und Pr\u00e4ferenzfehler (\u201epreference biases\u201c). Als Einsch\u00e4tzungsfehler bezeichnet man Fehler im menschlichen Urteilsverm\u00f6gen sowie unrealistische \u00dcberzeugungen. So glauben zum Beispiel viele Menschen, dass sie etwas besser k\u00f6nnen (zum Beispiel Autofahren) als dies tats\u00e4chlich der Fall ist. Diesen Einsch\u00e4tzungsfehler nennt man Selbst\u00fcbersch\u00e4tzung (\u201eOverconfidence\u201c). Pr\u00e4ferenzfehler hingegen beschreiben inkonsistente Vorlieben und daraus resultierende irrationale Entscheidungen. K\u00e4ufer finden beispielsweise denselben Artikel mehr oder weniger attraktiv, je nachdem ob er im Gesch\u00e4ft neben h\u00f6herwertigen oder geringerwertigen Artikeln platziert ist. Das Wissen um solche Pr\u00e4sentationseffekte (\u201eframing effects\u201c) ist sowohl f\u00fcr die Angebotsseite (die Verk\u00e4ufer) als auch f\u00fcr die Nachfrageseite (die Kunden) wichtig.<\/p>\n<h2>Mein Forschungsgebiet: Pr\u00e4ferenzfehler<\/h2>\n<p>Pr\u00e4ferenzfehler (etwas milder spricht man auch von Pr\u00e4ferenzverzerrungen) lassen sich in vier Kategorien unterteilen, ja nachdem welche Entscheidungen sie betreffen:<\/p>\n<ol>\n<li>Entscheidungen ohne Risiko<\/li>\n<li>Risikobehaftete Entscheidungen<\/li>\n<li>Entscheidungen zu unterschiedlichen Zeitpunkten<\/li>\n<li>Entscheidungen, die nicht nur das eigene Wohl, sondern auch das anderer betreffen.<\/li>\n<\/ol>\n<p>In meiner Forschung widme ich mich in erster Linie den Punkten 2. und 3., also verzerrten Risiko- und Zeitpr\u00e4ferenzen. Das bedeutet, dass ich Fehler untersuche, die Menschen bei Entscheidungen unter Risiko und \u00fcber die Zeit hinweg machen. Ein anschauliches Beispiel daf\u00fcr sind Investitionsentscheidungen. Dabei muss man sowhl Risiken abw\u00e4gen als auch die zeitliche Dimension (etwa die Anlagedauer) im Kopf behalten. Der Gegenwartsfehler (\u201epresent bias\u201c) besagt, dass viele Menschen bei der Entscheidungsfindung eine zu starke Gewichtung auf die Gegenwart zu Lasten der Zukunft legen. Deshalb sparen sie oft zu wenig: Sparen ist im Moment unangenehm, folglich schiebt man es auf die lange Bank und z\u00f6gert es immer wieder hinaus. Die Forschung hat au\u00dferdem gezeigt, dass Menschen beim Investieren kaum Risiken eingehen. Beim Sparen f\u00fcr die Zukunft, etwa f\u00fcr den Ruhestand, ist dies allerdings nicht sinnvoll, denn geringes Risiko bedeutet geringe Rendite.<\/p>\n<h2>Pr\u00e4ferenzen bez\u00fcglich Risiken mit geringer Wahrscheinlichkeit und gro\u00dfer Wirkung<\/h2>\n<p>Mit Hilfe eines Starting Grants des Europ\u00e4ischen Forschungsrats untersuche ich das Risikoverhalten von Menschen zu unterschiedlichen Zeitpunkten und die Fehler, die sie dabei machen. Dabei interessiere ich mich besonders f\u00fcr Risiken, die mit geringer Wahrscheinlichkeit weitreichende Auswirkungen haben (wie schwere Krankheit, Arbeitsplatzverlust oder andere Katastrophen). Der menschliche Umgang mit solchen Risiken erscheint oft irrational. Ein Beispiel: Einerseits haben viele Menschen gro\u00dfe Angst vor einem Flugzeugabsturz. Andererseits gehen sie regelm\u00e4\u00dfig bei roter Ampel \u00fcber die Stra\u00dfe und riskieren allt\u00e4glich und ohne Not ihr Leben, ohne \u00fcberhaupt \u00fcber das Risiko nachzudenken. Warum?<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" title=\"What is Behavioural Economics?\" width=\"500\" height=\"281\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/FHAhaUMmNlU?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share\" referrerpolicy=\"strict-origin-when-cross-origin\" allowfullscreen><\/iframe><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Marketingteam der FS und ich haben ein unterhaltsames Video zum Thema Verhaltens\u00f6konomie \u2013 meinem Forschungsschwerpunkt \u2013 gedreht. Die Verhaltens\u00f6konomie und ihre Teildisziplin Behavioural Finance gehen davon aus, dass sich viele wirtschaftliche Ph\u00e4nomene besser erkl\u00e4ren lassen, wenn man ber\u00fccksichtigt, dass Menschen manchmal nur begrenzt rational handeln. 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