{"id":20095,"date":"2019-08-01T10:37:57","date_gmt":"2019-08-01T09:37:57","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.frankfurt-school.de\/?p=20095"},"modified":"2020-12-08T08:44:08","modified_gmt":"2020-12-08T07:44:08","slug":"aml-richtlinie-kryptowahrungen-als-neue-herausforderung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.frankfurt-school.de\/de\/aml-richtlinie-kryptowahrungen-als-neue-herausforderung\/","title":{"rendered":"AML-Richtlinie: Kryptow\u00e4hrungen als neue Herausforderung"},"content":{"rendered":"<p>Kryptow\u00e4hrungen wie Bitcoin und insbesondere sogenannte \u201eprivacy coins\u201c wie Monero oder Zcash stellen die europ\u00e4ischen Gesetzgeber und Regulierungsbeh\u00f6rden vor kritische, systemische Herausforderungen, wenn es um die Regulierung der Geldw\u00e4schepr\u00e4vention (AML-Richtlinie) geht.<\/p>\n<h2><strong>Kryptow\u00e4hrungen als neue Herausforderung f\u00fcr die Regulierung der Geldw\u00e4sche und das Prinzip Know-Your-Customer (KYC)<\/strong><\/h2>\n<p>Durch Nutzung einer Kryptow\u00e4hrung k\u00f6nnen sich die Nutzer ohne Beteiligung einer Bank oder eines Finanzinstituts direkt gegenseitig einen Verm\u00f6genswert senden, ohne durch hohe Transaktionsgeb\u00fchren oder hohe operationelle Barrieren im internationalen Transfer behindert zu werden, und das innerhalb weniger Minuten. Die M\u00f6glichkeit der schnellen, g\u00fcnstigen und internationalen Transaktion ist dabei nicht nur f\u00fcr ehrliche Nutzer, sondern auch f\u00fcr Nutzer mit kriminellem Hintergrund interessant.<\/p>\n<p>In der vom <a href=\"https:\/\/www.frankfurt-school.de\/home\/research\/centres\/blockchain\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">FS Blockchain Center<\/a> ver\u00f6ffentlichten Studie er\u00f6rtert Lutz Auffenberg den aktuellen Ansatz der europ\u00e4ischen Regulierungsbeh\u00f6rden sowie die anstehende Gesetzgebung und bewertet deren Angemessenheit in Bezug auf Kryptow\u00e4hrungen kritisch. <em>(Die Studie stellen wir Ihnen in englischer Sprache am Ende des Beitrags zur Verf\u00fcgung.)<\/em><\/p>\n<h2><strong>Kritische Stellungnahme zum kryptow\u00e4hrungsbezogenen Teil der f\u00fcnften AML-Richtlinie<\/strong><\/h2>\n<p>Die \u00c4nderungsrichtlinie zur vierten europ\u00e4ischen AML-Richtlinie in ihrer jetzigen Form soll den Katalog der verpflichteten Einheiten um Tauschdienstleister, die virtuelle W\u00e4hrungen in Fiatgeld und umgekehrt tauschen sowie Anbieter von elektronischen Geldb\u00f6rsen erweitern und zus\u00e4tzlich aus Gr\u00fcnden der Rechtssicherheit eine Definition von virtuellen W\u00e4hrungen enthalten. Der allgemeine systematische Ansatz der Verpflichtung von an Transaktionen beteiligten Dienstleistern allerdings bleibt unver\u00e4ndert.<\/p>\n<p>Offensichtlich ist der europ\u00e4ische Gesetzgeber vorerst der Ansicht, dass eine Identifizierung und \u00dcberpr\u00fcfung der Kunden zusammen mit einer \u00dcberwachung der Transaktionen und im Falle von Verdachtsmomenten eine Meldepflicht der beteiligten Dienstleister f\u00fcr eine wirksame und angemessene AML-Regulierung in der Europ\u00e4ischen Union ausreicht.<\/p>\n<p style=\"padding-left: 80px;\"><em>Nach dem Wortlaut der \u00c4nderungsrichtlinie werden virtuelle W\u00e4hrungen definiert als \u201eeine digitale Wertdarstellung, die nicht von einer Zentralbank oder einer Beh\u00f6rde ausgegeben oder garantiert wird, nicht unbedingt an eine gesetzlich festgelegte W\u00e4hrung gebunden ist und keinen Rechtsstatus von W\u00e4hrung oder Geld besitzt, sondern von nat\u00fcrlichen oder juristischen Personen als Tauschmittel akzeptiert wird und elektronisch \u00fcbertragen, gespeichert und gehandelt werden kann.&#8220;<\/em><\/p>\n<h2><strong>Erfordern Blockchain-basierte Zahlungssysteme einen individuelleren Ansatz?<\/strong><\/h2>\n<p>Der technische Aufbau von Blockchain-basierten Zahlungssystemen kann einen individuelleren Ansatz erfordern, da dritte Dienstleister nicht unbedingt an Transaktionen mit Kryptow\u00e4hrungen beteiligt sein m\u00fcssen. Die vielleicht innovativste Errungenschaft der Blockchain-Technologie und Kryptow\u00e4hrungen, ist die Tatsache, dass ein Werttransfer ohne einen Dritten durchgef\u00fchrt werden kann, der die Transaktion verarbeitet.<\/p>\n<p>Diese Dezentralisierung der Kryptow\u00e4hrungsschemata erm\u00f6glicht es den Nutzern, Geldwerteinheiten direkt \u00fcber ein Peer-to-Peer-System an einen Empf\u00e4nger zu \u00fcbertragen. F\u00fcr die AML-Regulierung bedeutet dies, dass Kriminelle, die Gesch\u00e4fte zum Zwecke der Geldw\u00e4sche, der Terrorismusfinanzierung oder anderer krimineller Aktivit\u00e4ten t\u00e4tigen, nicht von einem dritten Dienstleister f\u00fcr die Wert\u00fcbertragung abh\u00e4ngig sind. Das bedeutet: Sobald ein Krimineller eine Person findet, die bereit ist, ohne Einschaltung eines dritten Dienstleisters Kryptow\u00e4hrung direkt von ihm zu kaufen, kann eine Umwandlung von Kryptow\u00e4hrung in Fiat-Geld \u00fcberall auf der Welt in nur wenigen Minuten durchgef\u00fchrt werden.<\/p>\n<h2><strong>Fazit<\/strong><\/h2>\n<p>Wie bereits erw\u00e4hnt, wirft der derzeitige Ansatz des europ\u00e4ischen Gesetzgebers, die Regeln der AML-Richtlinie auch auf Tauschb\u00f6rsen f\u00fcr virtuelle W\u00e4hrungen und Anbieter von elektronischen Geldb\u00f6rsen anzuwenden, mehrere ernsthafte Zweifel an ihrer Geeignetheit und Angemessenheit auf, da Kryptow\u00e4hrungstransaktionen nicht notwendigerweise einen Zahlungsdienstleister oder sonstigen dritten Dienstleister einbeziehen m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Die innovativen Eigenschaften der Blockchain-Technologie und die hohe Innovationskraft in der Industrie erfordern innovative Ans\u00e4tze von den Regulierungsbeh\u00f6rden f\u00fcr eine effektive und angemessene AML-Regulierung mit einem st\u00e4rkeren Fokus auf dem Datenschutz.<\/p>\n<p>Verschiedene Ans\u00e4tze f\u00fcr die AML-Regulierung von Kryptow\u00e4hrungen werden in der Studie betrachtet. Der Autor kommt zu dem Schluss, dass ein erfolgversprechender Regulierungsansatz in Zukunft Gegenstand weiterer Forschung und politischer Diskussionen sein muss.<\/p>\n<p>Die Anwendung der traditionellen AML-Regulierung auf Anbieter von virtuellen W\u00e4hrungsdienstleistungen sollte nicht unbedingt als erster Schritt in die richtige Richtung angesehen werden, da die gew\u00e4hlte Richtung \u2013 d.h. die Anwendung der traditionellen Regeln \u2013 die Falsche sein k\u00f6nnte und ein R\u00fcckschritt folgen muss.<\/p>\n<p><strong>Download:<\/strong> <a href=\"https:\/\/medium.com\/@fsblockchain\/crypto-currencies-as-a-new-challenge-to-anti-money-laundering-regulation-and-the-e6429461c13e\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Crypto Currencies as a New Challenge to Anti-Money Laundering Regulation and the Know-Your-Customer-Principle<\/a><\/p>\n<p>Die Frankfurt School bietet im Bereich der Executive Education ein breites Angebot von Zertifizierungen und Seminaren zu den Themen <a href=\"https:\/\/execed.frankfurt-school.de\/home\/individuals\/compliance-forensics-audit\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Compliance, Forensik und Interne Revision<\/a>.<\/p>\n<p>Das <a href=\"https:\/\/www.frankfurt-school.de\/en\/home\/research\/centres\/blockchain\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Frankfurt School Blockchain Center<\/a> ist ein Think Tank und Forschungszentrum, das die Auswirkungen der Blockchain-Technologie, der Krypto-Assets und der Distributed Ledger-Technologie (DLT) auf Unternehmen und ihre Gesch\u00e4ftsmodelle untersucht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kryptow\u00e4hrungen wie Bitcoin und insbesondere sogenannte \u201eprivacy coins\u201c wie Monero oder Zcash stellen die europ\u00e4ischen Gesetzgeber und Regulierungsbeh\u00f6rden vor kritische, systemische Herausforderungen, wenn es um die Regulierung der Geldw\u00e4schepr\u00e4vention (AML-Richtlinie) geht. 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