{"id":21535,"date":"2020-01-29T08:53:58","date_gmt":"2020-01-29T07:53:58","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.frankfurt-school.de\/?p=21535"},"modified":"2020-06-15T09:54:23","modified_gmt":"2020-06-15T08:54:23","slug":"die-grundrente-soziale-notwendigkeit-oder-soziale-belastung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.frankfurt-school.de\/de\/die-grundrente-soziale-notwendigkeit-oder-soziale-belastung\/","title":{"rendered":"Die Grundrente: Soziale Notwendigkeit oder soziale Belastung?"},"content":{"rendered":"<p>Seit dem Gesetzgebungsverfahren im November 2019 ist es ruhiger um das Thema Grundrente geworden. Fakt ist aber: Die Ergebnisse haben Folgen f\u00fcr die nachfolgenden Generationen. Geplant ist, dass die Grundrente an Versicherte ausgezahlt wird, die 35 Jahre Pflichtbeitr\u00e4ge gezahlt, Kinder erzogen oder Angeh\u00f6rige gepflegt haben und deren Beitragsleistung zwischen 30 und 80 Prozent des Durchschnittsverdienstes lag. Besonders niedrige Verdienste (unter 30 Prozent des Durchschnittseinkommens), wie zum Beispiel aus einem Minijob, werden bei der Berechnung nicht ber\u00fccksichtigt, was meines Erachtens aus sozialen Gr\u00fcnden bedauerlich ist.<\/p>\n<h2><strong>Sinnvolles Sparen und Bewusstsein f\u00fcr Geld und Ausgaben schaffen<\/strong><\/h2>\n<p>Die Fakten: Seit Jahrzehnten werden in Deutschland zu wenige Kinder geboren, die Bev\u00f6lkerung jedoch wird aufgrund verbesserter Lebensstandards und gesundheitlicher Faktoren immer \u00e4lter. Demografischer Wandel bedeutet also: Immer mehr \u00e4ltere Menschen werden im Umlageverfahren der Rentenversicherung durch gegenw\u00e4rtigen Arbeitnehmer finanziert. War es fr\u00fcher in der graphischen Darstellung eher eine Pyramide (viele junge Menschen, weniger \u00e4ltere) wird diese Pyramide nun nach unten hin immer schlanker, die Basis wird kleiner und kehrt sich graphisch faktisch um: Unten schlank, oben breit. Man muss auch kein Finanzmathematiker sein, um zu erkennen, dass ein solches Szenario auf lange Sicht nicht gutgehen kann. Es gibt aber eigentlich nicht viele M\u00f6glichkeiten. M\u00f6chte man die Rentenversicherung auf eine gesunde Basis stellen, k\u00f6nnte man die Renten senken, die Beitragss\u00e4tze erh\u00f6hen oder das Rentenalter nach hinten verlagern. Am besten alles auf einmal. All dies sind Dinge, die die verantwortlichen Politiker nicht gerne anpacken, weil es unpopul\u00e4re Ma\u00dfnahmen sind, die im Ergebnis W\u00e4hlerstimmen kosten. Vor allem die W\u00e4hlerstimmen der \u00e4lteren Mitb\u00fcrgerinnen und Mitb\u00fcrger, die derzeit von der Rentenversicherung profitieren. Machen wir uns aber nichts vor, die prim\u00e4ren Leistungen aus der Rentenversicherung reichen schon seit vielen Jahren nicht mehr aus, um die Kosten zu decken. Vielmehr steigt der <a href=\"https:\/\/www.deutsche-rentenversicherung.de\/SharedDocs\/Downloads\/DE\/Statistiken-und-Berichte\/Rentenatlas\/2019\/rentenatlas_2019_download.pdf?__blob=publicationFile&amp;v=6\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Bundeszuschuss <\/a> seit Jahren kontinuierlich an und betrug im Jahr 2018 75,9 Mrd. Euro (Rentenatlas 2018 der Deutschen Rentenversicherung). Das ist das Geld, was nicht von Beitragszahlern an die Rentnerinnen und Rentner im Umlageverfahren \u00fcbertragen wird, sondern vielmehr Geld aus dem allgemeinen Steuertopf des Bundes, im Wesentlichen Lohn- und Einkommensteuer sowie die Mehrwertsteuer. Das ist sozial gewollt, aber eigentlich eine Katastrophe, weil es im Prinzip etwas verschleiert. Soll es wieder mehr Beitragszahler geben und sich das Verm\u00f6gen der Rentenkasse aus mehr Quellen speisen, sollten auch Selbstst\u00e4ndige und Beamte hier einbezogen werden, selbst wenn sich dadurch die Ausgaben erh\u00f6hen. Vor allem aber m\u00fcssen die heute Anfang 20-J\u00e4hrigen nachdr\u00fccklich daf\u00fcr sensibilisiert werden, dass eine eigenst\u00e4ndige und private Altersvorsorge absolute Pflicht ist. Dazu geh\u00f6rt die Erkenntnis, rechtzeitig mit sinnvollem Sparen zu beginnen und ein Bewusstsein f\u00fcr Geld und Ausgaben herzustellen. <a href=\"https:\/\/execed.frankfurt-school.de\/home\/individuals\/banking-wealth-management\/zertifikatsstudiengang-anlageberater-privat\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Rentierliche Geldanlagen und Produktivverm\u00f6gen<\/a>, einfach gef\u00f6rderte Gelder ohne b\u00fcrokratische Hemmnisse und \u00fcberregulierte Konstruktionen. Die Riester- und R\u00fcruprente sind hier leider nicht immer gute Beispiele.<\/p>\n<h2><strong>Finance for Future statt Grundrente<br \/>\n<\/strong><\/h2>\n<p>Vorbild f\u00fcr eine vern\u00fcnftige Altersvorsorge k\u00f6nnte zum Beispiel das <em>F\u00fcnfte Verm\u00f6gensbildungsgesetz<\/em> (5.VermBG) von 1990 sein, was in diesem Jahr \u2013 bisher leider v\u00f6llig unbeachtet \u2013 30-j\u00e4hriges Jubil\u00e4um feiert. Vor allem f\u00fcr junge Leute ist es interessant, wenn sie j\u00e4hrlich bis zu 470,&#8211; Euro sparen und staatlich gef\u00f6rdert bekommen. Die Tatsache, dass in der letzten Zeit weitere Varianten wie die M\u00fctter- oder die Grundrente dazugekommen sind, hilft der jetzt jungen Generation nicht wirklich weiter, es verschlimmert die Lage eigentlich. Es wird Geld ausgegeben, das erst in der Zukunft erwirtschaftet und dann der Gesellschaft schmerzlich bei anderen <a href=\"https:\/\/execed.frankfurt-school.de\/home\/individuals\/banking-wealth-management\/estate-planner\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">wichtigen und sinnvollen Belangen<\/a> fehlen wird. Das Engagement f\u00fcr Fridays for Future ist notwendig und ehrenwert, aber Finance for Future w\u00e4re es auch.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seit dem Gesetzgebungsverfahren im November 2019 ist es ruhiger um das Thema Grundrente geworden. Fakt ist aber: Die Ergebnisse haben Folgen f\u00fcr die nachfolgenden Generationen. 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