{"id":22129,"date":"2020-03-18T14:30:56","date_gmt":"2020-03-18T13:30:56","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.frankfurt-school.de\/?p=22129"},"modified":"2022-12-13T14:20:57","modified_gmt":"2022-12-13T13:20:57","slug":"covid-19-how-can-risk-management-handle-the-challenge","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.frankfurt-school.de\/de\/covid-19-how-can-risk-management-handle-the-challenge\/","title":{"rendered":"Herausforderung COVID-19: Wie kann das Risikomanagement darauf reagieren?"},"content":{"rendered":"<p>Jede Firma unterliegt immer auch einem gewissen Risiko, deshalb f\u00fchren gr\u00f6\u00dfere Unternehmen einmal j\u00e4hrlich eine Risikoinventur durch. Die Risikoinventur beantwortet dabei eine Frage: Was kann im Unternehmen schieflaufen? F\u00fcr Nicht-Finanzunternehmen steht hier vor allem das Gesch\u00e4ftsrisiko im Vordergrund, dass sich das Produkt\/die Dienstleistung nicht so oft und\/oder nicht zum geplanten Preis verkaufen l\u00e4sst. Finanzunternehmen wie Banken und Investmentfonds besch\u00e4ftigen sich eher mit Finanzrisiken im Bestandsgesch\u00e4ft beispielsweise Kredit- und Marktpreisrisiken. Die Corona-Epidemie hat die Unternehmen unerwartet getroffen. Jetzt zeigt sich, ob das Risikomanagement vorbereitet war.<\/p>\n<h2>Was jetzt z\u00e4hlt<\/h2>\n<p>Banken sind von der Viren-Epidemie kurzfristig vor allem durch Marktturbulenzen, Liquidit\u00e4tsabfl\u00fcsse und h\u00f6here Kreditnachfrage betroffen. Mittelfristig stehen erh\u00f6hte Ausf\u00e4lle der Kreditnehmer auf dem Plan. Die gute Nachricht: Trotz dieser drastischen Herausforderung sind die Banken weitestgehend gewappnet \u2013 ohne sich explizit auf das Virenszenario vorbereitet zu haben. Generell gilt: Banken sind auf Szenarien, wie sie 2018 durch die EBA (European Banking Authority) europaweit getestet wurden, vorbereitet. Ein Szenario, wie es gerade durch die Ausbreitung von COVID-19 stattfindet, kann somit durch in die Risikoinventur einbezogene Szenarien kompensiert werden. Voraussetzung hierf\u00fcr ist, dass die kurzfristigen Marktturbulenzen und die mittel- bis langfristige Rezession nicht viel schlimmer ausfallen, als die getesteten Einzelszenarien.<\/p>\n<p>An welcher Stelle die Epidemiewirklichkeit schlimmer sein kann, als die EBA Rezession (2018) liegt in der Kurzfristigkeit: Ein sechsw\u00f6chiger, erzwungener Stopp einiger Wirtschaftszweige (Transport, Einzelhandel, \u2026) wirkt beispielsweise wie eine Rezession im Zeitraffer. In einer normal verlaufenden Rezession gehen Abs\u00e4tze \u00fcber Monate zur\u00fcck. Aktuell gehen Abs\u00e4tze innerhalb von Tagen nicht nur zur\u00fcck, sondern fallen ersatzlos f\u00fcr einige Wochen weg. Das kann zu Liquidit\u00e4tsengp\u00e4ssen f\u00fchren, weil gro\u00dfe Unternehmen, Mittelst\u00e4ndler und Selbst\u00e4ndige ihre Ersparnisse abziehen m\u00fcssen, um trotz Umsatzwegfall laufende Kosten zahlen zu k\u00f6nnen. Banken sind auf 50% Einlagenabzug bei Unternehmen, aber nur ca. 10% bei Mittelst\u00e4ndlern und Selbst\u00e4ndigen vorbereitet. Besonders die Sparkassen k\u00f6nnten hier Abz\u00fcge erleben, die \u00fcber die getesteten hinausgehen. Wenn die Unternehmen ihre Liquidit\u00e4tsreserven abgezogen und aufgebraucht haben, wird sich die Inanspruchnahme von Betriebsmittel-\/ Dispositionskrediten erh\u00f6hen. F\u00fcr die Ausfallwahrscheinlichkeit und BIP Entwicklung h\u00e4ngt hier viel davon ab, ob die Banken diese Nachfrage trotz Kapitalknappheit bedienen k\u00f6nnen und wollen. Hier ist durchaus denkbar, dass der Staat Kredite zur Verf\u00fcgung stellt, welche die Banken einfach durchleiten, deren Risiken sie aber nicht tragen, und die damit auch ihre Kapitalquoten nicht belasten.<\/p>\n<h2>Lessons Learned: Krisenszenario Corona<\/h2>\n<p>Unternehmen bereiten sich in ihrem <a href=\"https:\/\/execed.frankfurt-school.de\/home\/individuals\/risk-management\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Risikomanagement<\/a> auf die operativen Einschr\u00e4nkungen, Verluste und Liquidit\u00e4tsengp\u00e4sse von m\u00f6glichen Krisen durch Gesch\u00e4ftsfortf\u00fchrungspl\u00e4ne sowie Kapital- und Liquidit\u00e4tspuffer vor. Damit sollten Unternehmen f\u00fcr Rezessionen und Marktturbulenzen gewappnet sein. Dass Unternehmen das Szenario \u201eViren-Epidemie\u201c bisher nicht getestet haben, bedeutet nicht, dass sie auf die Konsequenzen nicht vorbereitet sind. Nur wenn das Szenario \u201eViren-Epidemie\u201c sehr viel schwerwiegender und zeitlich ganz anders gelagert ist, als die von Unternehmen getesteten Standardszenarien \u201eRezession\u201c und \u201eMarktturbulenzen\u201c, sind Unternehmen auf die finanziellen Konsequenzen der Viren-Epidemie schlecht vorbereitet. Ereignisse wie dieses treffen jedes Unternehmen mehr oder weniger stark. Ein Unternehmen und seine Aktion\u00e4re k\u00f6nnen nicht alle Risiken absichern. Insbesondere wenn die Umsatzausf\u00e4lle durch staatlich verordnete Dekrete zu Gunsten der Allgemeinheit erzwungen werden, sollten die Kosten daf\u00fcr nicht privatisiert, sondern ebenfalls sozialisiert werden Zuk\u00fcnftig ist zu erwarten, dass Epidemieszenarien weniger drastisch ausfallen, weil die Politik und Unternehmen besser vorbereitet sind und mit der bei CoVID-2019 gesammelten Erfahrung gezielter reagieren k\u00f6nnen. In jedem Falle sollte ein Viren-Epidemieszenario als \u201eAbsatz-Flashszenario\u201c von jedem Unternehmen zuk\u00fcnftig zumindest in Betracht gezogen werden.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jede Firma unterliegt immer auch einem gewissen Risiko, deshalb f\u00fchren gr\u00f6\u00dfere Unternehmen einmal j\u00e4hrlich eine Risikoinventur durch. Die Risikoinventur beantwortet dabei eine Frage: Was kann im Unternehmen schieflaufen? F\u00fcr Nicht-Finanzunternehmen steht hier vor allem das Gesch\u00e4ftsrisiko im Vordergrund, dass sich das Produkt\/die Dienstleistung nicht so oft und\/oder nicht zum geplanten Preis verkaufen l\u00e4sst. 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