{"id":22151,"date":"2020-03-20T17:41:40","date_gmt":"2020-03-20T16:41:40","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.frankfurt-school.de\/?p=22151"},"modified":"2020-03-20T17:41:40","modified_gmt":"2020-03-20T16:41:40","slug":"coronavirus-stellt-die-bildung-auf-den-kopf-wie-wir-jetzt-das-potenzial-nutzen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.frankfurt-school.de\/de\/coronavirus-stellt-die-bildung-auf-den-kopf-wie-wir-jetzt-das-potenzial-nutzen\/","title":{"rendered":"Coronavirus stellt die Bildung auf den Kopf: Wie wir jetzt das Potenzial nutzen"},"content":{"rendered":"<p>Bildung ist Zukunft. Dar\u00fcber ist man sich weltweit einig. Jeden Tag gehen mehr als eine Milliarde Kinder zur Schule. Schule bringt nachweislich Gewinne f\u00fcr eine gl\u00fcckliche Kindheit \u2013 das Schlie\u00dfen von Freundschaften, die Unterst\u00fctzung durch Lehrerinnen und Lehrern, Stabilit\u00e4t. Eine t\u00e4gliche Routine ist essentiell, besonders f\u00fcr Kinder, die aus einem unsicheren und gef\u00e4hrlichen Umfeld kommen. Trotzdem gehen circa 124 Millionen Kinder weltweit nicht in die Schule \u2013 ihnen wird ein wesentlicher Teil einer gesunden Entwicklung vorenthalten. Und dagegen k\u00e4mpfen Initiativen wie UNICEF schon jahrelang.<\/p>\n<p>Mit dem Coronavirus steht jetzt unser eigenes Bildungssystem vor einer Herausforderung: Die Menschen sollen zuhause bleiben, um die Verbreitung des Virus zu verlangsamen. Eine der ersten Ma\u00dfnahmen, um dies zu realisieren, war die Schlie\u00dfung der Schulen. In Deutschland gehen demnach alle Kinder bis nach den Osterferien nicht zum Unterricht, trotzdem soll diese Zeit nicht als Verl\u00e4ngerung der Ferien angesehen werden.<\/p>\n<h2>Neue Wege finden<\/h2>\n<p>Die Einen geben den Eltern ihrer Sch\u00fcler Aufgaben in Papierform mit nachhause, damit diese in der unterrichtsfreien Zeit bearbeitet werden. Die Anderen setzen auf digitale Medien: Fortschrittliche Schulen bieten bereits Online-Lernplattformen an. Digitale Klassenzimmer erm\u00f6glichen Home-Schooling und damit eine Erhaltung der f\u00fcr die Kinder so wichtigen t\u00e4glichen Routine. Doch oft sind die in der Vergangenheit wenig genutzten Systeme \u00fcberlastet \u2013 ein Stresstest mit derart vielen, gleichzeitig aktiven Nutzern ist zuvor nicht durchgef\u00fchrt worden. F\u00fcr die Zukunft lassen sich daraus wertvolle Erkenntnisse ableiten. Wenn jetzt die Entwicklung und vermehrt auch die Nutzung digitaler Ans\u00e4tze im Bildungssektor unterst\u00fctzt wird, ergeben sich langfristige Chancen, von denen die junge Generation profitiert.<\/p>\n<p>Dabei ist nicht die Rede vom Ersetzen, sondern eher vom Erg\u00e4nzen: Kinder und Studierende sollen weiterhin zur Schule und zur Universit\u00e4t gehen, das f\u00f6rdert vor allem die Sozialkompetenzen. Digitale Medien k\u00f6nnen aber dann einen deutlichen Mehrwert schaffen, wenn sie erg\u00e4nzend eingesetzt werden.<\/p>\n<h2>Vorbild: Estland<\/h2>\n<p>Estland gilt, wenn es um den digitalen Fortschritt in Schulen geht, bereits als Vorbild. Hier lernen die Kinder sehr fr\u00fch, selbst zu Programmieren und eignen sich so zukunftsrelevantes Wissen an. Das Land hat auf die <a href=\"https:\/\/blog.frankfurt-school.de\/digitalisierung-uber-den-bildschirmrand-hinausdenken\/?lang=de\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Digitalisierung<\/a> gesetzt und hilft den Kindern dabei, die digitale Welt zu durchschauen. Das minimiert auch Risiken: Wer fr\u00fch den Umgang mit dem World Wide Web erlernt, wei\u00df dies auch f\u00fcr sich zu nutzen. Etwa f\u00fcr Recherche oder die Erstellung interaktiver Pr\u00e4sentationen. Grafik-Design und Videografie werden gef\u00f6rdert. Auch die Erkennung von Fake-News f\u00e4llt Kindern leichter, wenn sie das Internet besser verstehen. Die Kinder werden darauf vorbereitet, wie ihre Lebensrealit\u00e4t nach dem Verlassen der Schule aussehen wird. Estland hat die Chancen erkannt, w\u00e4hrend Deutschland sich noch zu sehr mit den Risiken besch\u00e4ftigt. Vor allem der Datenschutz, der indiskutabel wichtig ist, scheint uns h\u00e4ufig im Wege zu stehen.<\/p>\n<p>Vielleicht erweckt der Ausbruch von COVID-19 jetzt das Verst\u00e4ndnis daf\u00fcr, wie wichtig digitale Medien heute sind. Wenn wir diese nicht nur als Konsumger\u00e4t, sondern als Werkzeug verstehen, k\u00f6nnen wir Laptop, Tablet und Co durchaus auch in den Bildungseinrichtungen einsetzen.<\/p>\n<h2>Studium und Weiterbildung<\/h2>\n<p>Die Gr\u00fcndung erster Online-Universit\u00e4ten hat aufgezeigt, dass nicht nur Schulkinder von der Digitalisierung profitieren, sondern vor allem auch Studierende und jene, die sich im Beruf weiterbilden m\u00f6chten. <a href=\"https:\/\/blog.frankfurt-school.de\/blended-learning-das-beste-aus-zwei-welten\/?lang=de\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Blended-Learning<\/a> Konzepte und E-Learnings werden bereits angeboten, k\u00f6nnten aber durchaus weiter ausgebaut werden.<\/p>\n<p>Lehrkr\u00e4fte sehen sich h\u00e4ufig in einer Schleife: Sie erz\u00e4hlen immer wieder dasselbe. Grundlagenwissen ist in jedem Studium und jeder Weiterbildung entscheidend und oft wenig abwechslungsreich f\u00fcr denjenigen, der es vermittelt. Genau hier k\u00f6nnte man mit digitalen Medien einen Mehrwert schaffen. In Zukunft k\u00f6nnen die Basics online zur Verf\u00fcgung gestellt werden, wodurch der Lernende sie sich interaktiv selbst beibringt \u2013 zeitlich flexibel, in seinem pers\u00f6nlichen Tempo. Der Kreativit\u00e4t ist dabei freien Lauf gesetzt: Das Spektrum reicht von Skripten \u00fcber bildliche Darstellungen bis hin zu Erkl\u00e4rvideos und Aufzeichnungen vorheriger Vorlesungen. Das entlastet nicht nur die Lehrkr\u00e4fte, sondern f\u00f6rdert auch die Selbstst\u00e4ndigkeit der Lernenden. Die Lehrkraft kann wieder in die Rolle des Coaches schl\u00fcpfen und die Pr\u00e4senzzeiten f\u00fcr echte Interaktionen mit den Teilnehmern als Individuum nutzen. Fragen und Antworten zu kl\u00e4ren oder spezifische Situationen zu besprechen schafft Abwechslung und motiviert. Pers\u00f6nliches Feedback und die Beratungsfunktion des Dozenten r\u00fccken in den Mittelpunkt und k\u00f6nnen zu einem deutlicheren Lernerfolg f\u00fchren. Den Studierenden und Teilnehmern an Weiterbildungen einen gewissen Freiraum daf\u00fcr zu schaffen, Lernziele eigenst\u00e4ndig zu erreichen &#8211; zeitlich sowie r\u00e4umlich flexibel &#8211; und diesen Fortschritt nachempfinden zu k\u00f6nnen, nimmt ihnen den Lernzwang und f\u00fchrt vielleicht sogar dazu, dass ihnen das Lernen mehr Spa\u00df macht.<\/p>\n<p>Erkennen wir jetzt deutschlandweit die Chancen, die digitale Medien er\u00f6ffnen, k\u00f6nnen wir in Zukunft besser mit Extremsituationen wie einer Epidemie umgehen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bildung ist Zukunft. Dar\u00fcber ist man sich weltweit einig. Jeden Tag gehen mehr als eine Milliarde Kinder zur Schule. 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