{"id":22160,"date":"2020-03-24T09:27:01","date_gmt":"2020-03-24T08:27:01","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.frankfurt-school.de\/?p=22160"},"modified":"2022-12-13T14:20:48","modified_gmt":"2022-12-13T13:20:48","slug":"epidemie-risiko-szenario","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.frankfurt-school.de\/de\/epidemie-risiko-szenario\/","title":{"rendered":"Epidemie-Szenario ins Risikomanagement aufnehmen?"},"content":{"rendered":"<p><\/p>\n<h2>Ist der Tourismussektor ausreichend auf das Epidemie-Szenario vorbereitet?<\/h2>\n<p>Nachdem wir in einem <a href=\"https:\/\/blog.frankfurt-school.de\/covid-19-how-can-risk-management-handle-the-challenge\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">ersten Beitrag<\/a> das Risikomanagement von Kreditinstituten in Bezug auf eine Situation wie der jetzigen Pandemie CoVID-2019 er\u00f6rtert haben, betrachten wir jetzt die Sparte Tourismus am Beispiel einer Fluggesellschaft.<\/p>\n<p>Unternehmen bereiten sich in ihrem <a href=\"https:\/\/execed.frankfurt-school.de\/home\/individuals\/risk-management\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Risikomanagement<\/a> auf die operativen Einschr\u00e4nkungen, Verluste und Liquidit\u00e4tsengp\u00e4sse von m\u00f6glichen Krisen durch Gesch\u00e4ftsfortf\u00fchrungspl\u00e4ne sowie Kapital- und Liquidit\u00e4tspuffer vor. Damit sollen Unternehmen f\u00fcr Rezessionen und Marktturbulenzen gewappnet sein.<\/p>\n<h2>Epidemie-Szenario \u201eViren-Epidemie\u201c<\/h2>\n<p>Die Beschreibung f\u00fcr das Szenario \u201eViren-Epidemie\u201c sieht so aus: Der Absatz f\u00e4llt pl\u00f6tzlich weg, die Fixkosten laufen weiter. Die Finanzm\u00e4rkte brechen ein, weil Wachstums- und Dividendenerwartungen korrigiert werden. Auf diesen kurzfristigen Schock folgt mittelfristig eine \u201enormale\u201c Rezession.<\/p>\n<p>Das Beispiel einer gro\u00dfen Fluggesellschaft, welche zwei Tage nach dem Verk\u00fcnden des Einreisestopps f\u00fcr Europ\u00e4er in die USA Staatshilfe beantragt hat, l\u00e4sst vermuten, dass f\u00fcr einige Unternehmen die Epidemie in Schwere und Zeitprofil \u00fcber die getesteten Szenarien hinausgeht und sie damit die Epidemie nicht aus eigener Kraft \u00fcberleben k\u00f6nnen.<\/p>\n<h2>Das Beispiel Fluggesellschaft<\/h2>\n<p>Starten wir ein Exempel: Eine Fluggesellschaft weist f\u00fcr das Jahr 2019 einen Jahresumsatz von ca. 36 Milliarden Euro (3 Mrd. pro Monat) aus und berichtet einen Gewinn von ca. 1,2 Mrd. EUR. Wenn in 2020 alle Flugzeuge f\u00fcr 12 Kalendertage am Boden blieben und wir alle Kosten als Fix annehmen, w\u00fcrde die Fluggesellschaft das Gesch\u00e4ftsjahr mit einer schwarzen Null beenden.<\/p>\n<p>Die Fluggesellschaft hat 10.2 Milliarden EUR Eigenkapital. Wenn die Flugzeuge 64 Kalendertage am Boden blieben, w\u00e4re nicht nur der geplante Jahresgewinn sondern auch noch die H\u00e4lfte des Eigenkapitals weg. Nach 115 Kalendertagen ohne Flugbetrieb und Einnahmen w\u00e4re die Fluggesellschaft schlie\u00dflich insolvent.<\/p>\n<h2>Aktuelle Situation<\/h2>\n<p>Szenario am 19.3.2020 bei der Lufthansa:\u00a0 Ab Montag 23.3.2020 Kurzarbeit f\u00fcr 31.000 Mitarbeiter, nur noch drei Langstreckenfl\u00fcge pro Tag und diese nur noch ab Frankfurt, insgesamt wird der Flugplan auf 5% von Normal heruntergefahren und die Nord-West-Landebahn am Flughafen Frankfurt wird gesperrt, so Lufthansa Vorstandschef Carsten Spohr bei der Bilanzpressekonferenz.<\/p>\n<h2>Nach Ende der Epidemie<\/h2>\n<p>Es ist sehr wahrscheinlich, dass es 50 Tage und mehr braucht, bis sich die Wirtschaftsabl\u00e4ufe nach der Epidemie wieder normalisieren. Dass der Umsatzausfall wieder komplett aufgeholt wird, ist unwahrscheinlich. Gesch\u00e4ftsreisen werden nicht nachgeholt werden. Viele Haushalte werden aufgrund von Einkommenseinbu\u00dfen auf Urlaubsreisen verzichten m\u00fcssen. Dazu kommt, dass nicht alle ihre Kosten f\u00fcr ausgefallene Reisen komplett erstattet bekommen werden. Auch die Stornierung der Urlaubstage in den Unternehmen wird problematisch werden. Demzufolge ist es wahrscheinlich, dass die Risikoszenarien und -modelle einer Fluggesellschaft wie auch aller anderen Reiseveranstalter das finanzielle Ausma\u00df einer solchen Viren-Epidemie nicht antizipiert haben und demzufolge darauf nicht vorbereitet sind.<\/p>\n<h2>Epidemie-Szenario in Risikokatalog aufnehmen?<\/h2>\n<p>Epidemie-Szenarien (Kurzfristig: 0 Absatz, Kosten laufen weiter, mittelfristig: \u201enormale\u201c Rezession) treffen jedes Unternehmen mehr oder weniger stark. Es kann Unternehmen geben, welche beim Testen dieser Szenarien feststellen, dass die finanziellen Absicherungskosten f\u00fcr ein solch seltenes Epidemie-Szenario zu hoch sind. Dieses trifft auf Fluggesellschaften zu. Diese Unternehmen w\u00fcrden dann diese Szenarien rechnen, aber gar nicht erst versuchen, diese abzusichern, sondern auf das Eingreifen des Staates hoffen.<\/p>\n<p>Wenn sich das Szenario f\u00fcr das Unternehmen von typischen Rezessionsszenarien in Schwere und Zeitablauf wesentlich unterscheidet, sollte es in den zuk\u00fcnftigen Szenario-Katalog mit aufgenommen werden. In jedem Falle sollte ein Viren-Epidemie-Szenario als \u201eAbsatz-Flashszenario\u201c von jedem Unternehmen zuk\u00fcnftig zumindest gerechnet werden.<\/p>\n<p>Es ist zu erwarten, dass zuk\u00fcnftige Epidemie-Szenarien weniger drastisch ausfallen, weil die Politik und Unternehmen besser vorbereitet sind und mit der bei CoVID-2019 gesammelten Erfahrung gezielter reagieren k\u00f6nnen.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ist der Tourismussektor ausreichend auf das Epidemie-Szenario vorbereitet? Nachdem wir in einem ersten Beitrag das Risikomanagement von Kreditinstituten in Bezug auf eine Situation wie der jetzigen Pandemie CoVID-2019 er\u00f6rtert haben, betrachten wir jetzt die Sparte Tourismus am Beispiel einer Fluggesellschaft. 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