{"id":22284,"date":"2020-03-25T17:10:03","date_gmt":"2020-03-25T16:10:03","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.frankfurt-school.de\/?p=22284"},"modified":"2020-04-02T09:26:56","modified_gmt":"2020-04-02T08:26:56","slug":"how-the-corona-crisis-will-affect-blockchain-ecosystems","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.frankfurt-school.de\/de\/how-the-corona-crisis-will-affect-blockchain-ecosystems\/","title":{"rendered":"Die Auswirkungen der Coronakrise auf Blockchain-\u00d6kosysteme"},"content":{"rendered":"<p>Die Coronavirus-Krise macht auch vor dem Kryptomarkt nicht halt. Im vorliegenden kurzen Beitrag soll es um Gedanken \u00fcber die Auswirkungen des Coronavirus auf den Blockchain-Sektor \u2013 einschlie\u00dflich Start-ups, Unternehmen und Bitcoin \u2013 gehen. Der nachstehend umrissene Kerngedanke ist, dass etablierte Start-ups \u2013 also diejenigen, die eine gewisse Sichtbarkeit und B2B-Kontakte zu verzeichnen haben \u2013 jetzt auf diesen Kontakten aufbauen k\u00f6nnen, weil nach ersten Treffen oder Workshops ein anf\u00e4ngliches Vertrauen vorhanden ist. Die soziale Distanzierung wird nun dazu f\u00fchren, dass neu gegr\u00fcndete Start-ups oder ausl\u00e4ndische Start-ups kaum noch eine Chance haben, sich den lokalen Markt zu erschlie\u00dfen. Da sich Menschen nicht mehr physisch treffen k\u00f6nnen (keine Meetings, keine Workshops, keine Meetups, keine Konferenzen), kann dieses anf\u00e4ngliche Vertrauen untereinander nicht geschaffen werden. Somit haben etablierte Start-ups die Chance, auf bestehenden Beziehungen aufzubauen und m\u00f6glicherweise zu wachsen \u2013 vorausgesetzt, sie kommen ein paar Monate ohne Finanzierung \u00fcber die Runden. Bereits aufgebaute pers\u00f6nliche Beziehungen zwischen Gesch\u00e4ftspartnern fungieren nun als \u201eVertrauensh\u00fcrde\u201c, die Neueinsteiger nicht \u00fcberwinden k\u00f6nnen.<\/p>\n<h2><strong>Blockchain Start-ups: Coronakrise bringt Gefahren mit sich<\/strong><\/h2>\n<p>Blockchain Start-ups stehen in der derzeitigen Situation allgemein vor Herausforderungen. Finanzierungsrunden gestalten sich schwierig oder werden gar unm\u00f6glich. Das Budget gr\u00f6\u00dferer Unternehmen wird zunehmend eingefroren. Insbesondere Start-ups im B2B-Bereich werden sich mit Vertriebsaktivit\u00e4ten schwer tun. Die f\u00fcr Start-ups entscheidenden Veranstaltungen und Konferenzen werden auf Monate hinaus ausfallen. Konferenzen spielen f\u00fcr Start-ups eine wesentliche Rolle \u2013 dort k\u00f6nnen sie ihre Arbeit pr\u00e4sentieren und wichtige Kontakte kn\u00fcpfen. Diese M\u00f6glichkeit haben sie in dieser Form derzeit nicht. Allerdings sind die Aussichten von Fall zu Fall unterschiedlich: F\u00fcr Start-ups im Bereich der Kryptow\u00e4hrungen wird es wahrscheinlich leichter sein, Gesch\u00e4fte zu machen als f\u00fcr diejenigen im Bereich der Unternehmens-DLT.<\/p>\n<p>Ein Blockchain Start-up wird es momentan schwer haben, einen Prototyp an einen gro\u00dfen Konzern zu verkaufen. Gr\u00f6\u00dfere Unternehmen (d.h. Kooperationspartner, Kunden und PoC-Partner) werden ihr Pulver f\u00fcrs Erste trocken halten und ihre Priorit\u00e4ten rigoros \u00e4ndern. Sie stellen alles zur\u00fcck, was nicht unbedingt getan werden muss. Innovations- und Orchideenprojekte wie Prototypentwicklung k\u00f6nnten gestoppt oder auf die lange Bank geschoben werden. Vor diesem Hintergrund ist es also kein Wunder, dass Start-ups schwierigen Zeiten entgegensehen. Doch muss unbedingt angemerkt werden, dass es nicht alle Start-ups schwer haben werden \u2013 daher sind die Blockchain Start-ups im Folgenden in zwei Segmente aufgeteilt.<\/p>\n<h2><strong>Sehr junge Start-ups: Harte Zeiten in der Krise <\/strong><\/h2>\n<p>Hierbei handelt es sich um Neugr\u00fcndungen, die erst ein paar Monate alt oder noch nicht etabliert sind. Auch Start-ups, die bisher keine nennenswerte Sichtbarkeit erreicht oder keine Investoren gewonnen haben, geh\u00f6ren zu diesem Segment. Meines Erachtens steht der Gro\u00dfteil dieser Start-ups in der Fr\u00fchphase vor un\u00fcberwindbaren H\u00fcrden. In den n\u00e4chsten Monaten werden sie wirklich einen aussichtlosen Kampf gegen Windm\u00fchlen f\u00fchren.<\/p>\n<h2><strong>Etablierte Start-ups: Es tun sich sogar Chancen auf<\/strong><\/h2>\n<p>Diese Start-ups bestehen schon seit einiger Zeit und haben sich stellenweise einen Namen gemacht. Sie haben auf Konferenzen oder in diversen Workshops Kontakte gekn\u00fcpft und konnten in ersten pers\u00f6nlichen Gespr\u00e4chen Vertrauen aufbauen. Derartige Start-ups werden es viel leichter haben, vielleicht werden sie auch von der Krise profitieren \u2013 vorausgesetzt, dass sie einige Monate ohne neue Finanzierung \u00fcber die Runden kommen. Mehr noch: F\u00fcr etablierte Start-ups k\u00f6nnten sich sogar einzigartige Chancen auftun.<\/p>\n<p>Der Kerngedanke: Aufgrund der Coronakrise ist weltweit soziale Distanzierung gefordert. Sie wurde innerhalb weniger Tage umgesetzt und f\u00fchrt nun dazu, dass Start-ups, die in ihrem Heimatland noch keine Pr\u00e4senz haben (z.B. ausl\u00e4ndische konkurrierende Start-ups oder neue Wettbewerber), keine M\u00f6glichkeit mehr haben, im eigenen Land Fu\u00df zu fassen. Etablierte Start-ups hingegen k\u00f6nnen ihre bereits vorhandenen Kontakte trotz der r\u00e4umlichen Distanzierung beispielsweise mittels Video- oder Telefonkonferenzen intensivieren. Es gibt nach wie vor Unternehmen, die Blockchain-Projekte vorantreiben wollen (z.B. kleine profitable Banken, eventuell agile mittelst\u00e4ndische Unternehmen). Sie werden mit den ihnen bereits bekannten Start-ups zusammenarbeiten. In diesem Szenario haben neue Start-ups (z.B. Start-ups, die gerade gegr\u00fcndet wurden oder aus dem Ausland auf den lokalen Markt kommen) keine Chance. Insofern kann das Coronavirus f\u00fcr etablierte Start-ups zwar einen erheblichen Stolperstein darstellen, entsprechend kann es f\u00fcr neu eintretende Wettbewerber aber erst recht ein gro\u00dfes Hindernis sein.<\/p>\n<h2><strong>Die Auswirkungen der Coronakrise auf Bitcoin und den Kryptomarkt <\/strong><\/h2>\n<p>Es steht bereits fest, dass Bitcoin unbegrenzt und ohne Ausf\u00e4lle \u00fcbermittelt werden kann. Selbst w\u00e4hrend der schrecklichen letzten Tage hat das Bitcoin-Netzwerk zuverl\u00e4ssig alle zehn bis elf Minuten einen neuen Block produziert. Es ist robust. Ich glaube, das wird immer mehr Menschen klar. Vielen geht jetzt ein Licht auf: Das widerstandsf\u00e4hige Bitcoin-Netzwerk ist nicht zu stoppen, weder von Menschen noch von Institutionen und auch nicht von einem Virus. Dasselbe gilt f\u00fcr andere Kryptow\u00e4hrungen wie Ether. Offensichtlich kam es zur Netzwerk\u00fcberlastung, und M\u00e4ngel bei der Skalierbarkeit bleiben. Dennoch haben sich dezentrale Netzwerke wie Bitcoin und Ethereum inzwischen als belastbar erwiesen.<\/p>\n<p>Zudem wird Bitcoin auch als \u201edigitales Gold\u201c bezeichnet. Der Preisr\u00fcckgang der vergangenen Woche geht auf einen Angebotsschock zur\u00fcck, der wiederum durch den Abbau der Verschuldung und nat\u00fcrlich durch \u00c4ngste (insbesondere Liquidit\u00e4ts\u00e4ngste) ausgel\u00f6st wurde. Es liegt der Schluss nahe, dass der Preis von Bitcoin nach dem derzeitigen Preisr\u00fcckgang steigen k\u00f6nnte. Sollte es zu einer Wirtschaftskrise kommen, k\u00f6nnte Bitcoin sich als vorteilhaft erweisen. Dazu m\u00fcssten sich Investoren allerdings besser mit Bitcoin auskennen. Es wird eine Zeitlang dauern, entsprechende Kenntnisse auf breiter Basis zu vermitteln \u2013 momentan stehen alle noch unter Schock. Auf breiter Ebene ist man Bitcoin gegen\u00fcber nach wie vor skeptisch. Aber diese Skepsis l\u00e4sst sich nur \u00fcberwinden, wenn man sich eingehend mit Bitcoin besch\u00e4ftigt und dazulernt. Meiner Meinung nach ist dieses Unwissen der Grund daf\u00fcr, dass der Preis f\u00fcr Bitcoin wie fast jeder andere Verm\u00f6genswert gesunken und (noch nicht) gestiegen ist.<\/p>\n<h2><strong>Etablierte Unternehmen und Konzerne<\/strong><\/h2>\n<p>Es zeichnet sich bereits ab, dass Unternehmen ihre Priorit\u00e4ten rigoros \u00e4ndern. Schon wenige Tage nach dem Ausbruch des Coronavirus in Deutschland sind die Budgets eingefroren. Au\u00dferdem m\u00fcssen die Besch\u00e4ftigten von Unternehmen erst einmal lernen, digital zu arbeiten. Wenn Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Homeoffice arbeiten oder ganz ausfallen, m\u00fcssen Entscheidungs- und Governanceabl\u00e4ufe umstrukturiert werden. Corporate Germany wird nun zu 100 Prozent digital \u2013 und muss Lehrgeld zahlen, denn das wird nat\u00fcrlich einige Zeit in Anspruch nehmen und Ressourcen lahmlegen.<\/p>\n<p>Selbstverst\u00e4ndlich muss jeder Fall einzeln betrachtet werden, aber im Durchschnitt kann man sagen, dass gr\u00f6\u00dfere, traditionell ausgerichtete Unternehmen enorme Probleme haben werden, sich umzustellen. Das geht auf Kosten neuer Projekte, die nicht von zentraler Bedeutung sind. Wer flink und agil ist (z.B. kleine Banken, fokussierte Finanzdienstleister und agile Mittelst\u00e4ndler) kann die Situation zum Vorteil nutzen. Unternehmen und Organisationen hingegen, die gro\u00df und beh\u00e4big sind, sowie solche, die \u00e4u\u00dferst formalistisch agieren (man denke hier nur an vorgelegte Mappen mit ausgedruckten Dokumenten zur Unterschrift), werden sich unter Umst\u00e4nden nur sehr langsam oder auch \u00fcberhaupt nicht auf die neue Situation einstellen k\u00f6nnen, mit der wir jetzt ein bis zwei Jahre werden leben m\u00fcssen.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Coronavirus-Krise macht auch vor dem Kryptomarkt nicht halt. Im vorliegenden kurzen Beitrag soll es um Gedanken \u00fcber die Auswirkungen des Coronavirus auf den Blockchain-Sektor \u2013 einschlie\u00dflich Start-ups, Unternehmen und Bitcoin \u2013 gehen. 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