{"id":22326,"date":"2020-03-26T15:28:49","date_gmt":"2020-03-26T14:28:49","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.frankfurt-school.de\/?p=22326"},"modified":"2020-03-31T15:19:21","modified_gmt":"2020-03-31T14:19:21","slug":"will-we-learn-from-this-experience","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.frankfurt-school.de\/de\/will-we-learn-from-this-experience\/","title":{"rendered":"Werden wir aus dieser Erfahrung lernen?"},"content":{"rendered":"<p>Seit einigen Wochen arbeiten viele von uns im Homeoffice. Statt an Sitzungen nehmen wir an Videokonferenzen teil, das Pendeln entf\u00e4llt, und unsere Fl\u00fcge werden alle storniert. Die Autobahnen sind wie leer gefegt, die Stra\u00dfen fast menschenleer.<\/p>\n<p>Die Medien verbreiten alarmierende Coronavirus-Statistiken und be\u00e4ngstigende Informationen \u00fcber die Auswirkungen der Pandemie auf das Alltagsleben. Es gibt allerdings auch Stimmen, die der Gesundheitskrise einen globalen \u201epositiven Nebeneffekt\u201c bescheinigen: Es gibt weniger Umweltverschmutzung, Wasser und Luft sind sauberer. Laut <a href=\"https:\/\/www.who.int\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Weltgesundheitsorganisation<\/a> f\u00fchrt die Luftverschmutzung jedes Jahr zu rund vier Millionen vorzeitigen Todesf\u00e4llen.<\/p>\n<h2><strong>Eklatante Verringerung der Luftverschmutzung <\/strong><\/h2>\n<ul>\n<li>In China zeigen von der NASA und der Europ\u00e4ischen Weltraumorganisation ver\u00f6ffentlichte Satellitenbilder eine drastische Reduzierung der Stickstoffdioxid-Emissionen (NO<sub>2<\/sub>), die haupts\u00e4chlich durch Verkehr und Fabriken verursacht werden (<a href=\"https:\/\/earthobservatory.nasa.gov\/images\/146362\/airborne-nitrogen-dioxide-plummets-over-china\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">10 bis 30\u00a0% weniger<\/a> als der f\u00fcr diese Jahreszeit \u00fcbliche Wert). Wie das chinesische Ministerium f\u00fcr \u00d6kologie und Umwelt mitteilte, stieg die durchschnittliche Anzahl der Tage ohne Luftverschmutzung im Februar um <a href=\"https:\/\/edition.cnn.com\/2020\/03\/16\/asia\/china-pollution-coronavirus-hnk-intl\/index.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">21,5\u00a0%<\/a> im Vergleich zum gleichen Zeitraum des Vorjahres.<\/li>\n<li>Auch aus Norditalien, einer Region mit normalerweise hoher Umweltverschmutzung, ist eine einschneidende Verbesserung der Luftqualit\u00e4t zu melden, n\u00e4mlich eine Reduzierung der NO<sub>2<\/sub>-Belastung <a href=\"https:\/\/www.theguardian.com\/environment\/2020\/mar\/23\/coronavirus-pandemic-leading-to-huge-drop-in-air-pollution\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">um 40\u00a0%<\/a> (Datenquelle: Erdbeobachtungssatellit Sentinel-5P).<\/li>\n<li>In Madrid und Barcelona war die Luftverschmutzung drei Tage nach Beginn der Ausgangssperre ebenfalls deutlich geringer \u2013 um <a href=\"http:\/\/www.telemadrid.es\/coronavirus-covid-19\/polucion-cae-Madrid-limitaciones-coronavirus-0-2213478639--20200315020520.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">bis zu 35\u00a0% bzw. 50\u00a0%<\/a>.<\/li>\n<li>In New York ist das Verkehrsaufkommen im Vergleich zum Vorjahr um sch\u00e4tzungsweise 35\u00a0% zur\u00fcckgegangen, die Kohlenmonoxid-Emissionen sind um etwa 50\u00a0% gesunken, und der Aussto\u00df von CO<sub>2<\/sub> hat um <a href=\"https:\/\/www.bbc.com\/news\/science-environment-51944780\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">5-10\u00a0% abgenommen<\/a>.<\/li>\n<\/ul>\n<h2><strong>Das Coronavirus und der Klimawandel<\/strong><\/h2>\n<p>Das Risiko der Ausbreitung von Infektionskrankheiten wurde bereits als ein relativ unwahrscheinliches Vorkommnis identifiziert, allerdings auch als eines mit potenziell weitreichenden negativen Auswirkungen (Risikobericht des <a href=\"http:\/\/www3.weforum.org\/docs\/WEF_Global_Risk_Report_2020.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Weltwirtschaftsforums<\/a>). Demgegen\u00fcber gilt der Klimawandel als die gr\u00f6\u00dfte Einzelbedrohung \u2013 das wahrscheinlichste und gef\u00e4hrlichste Risiko weltweit. Der Klimawandel betrifft uns alle, genau wie das Coronavirus, wenn auch in st\u00e4rkerem Ausma\u00df Menschen in L\u00e4ndern mit schwacher Gesundheitsinfrastruktur. Der Klimawandel ist besonders sch\u00e4dlich f\u00fcr gef\u00e4hrdete Bev\u00f6lkerungsgruppen sowie Kinder, die den gesundheitlichen Folgen l\u00e4nger ausgesetzt sein werden (Weltgesundheitsorganisation \u2013 <a href=\"https:\/\/www.who.int\/news-room\/fact-sheets\/detail\/climate-change-and-health\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">WHO<\/a>). Der Klimawandel wirkt sich bereits jetzt auf die Gesundheit von Millionen von Menschen aus, denn er beeintr\u00e4chtigt die Luft, die wir atmen, das Wasser, das wir trinken, die Lebensmittel, die wir essen, usw. Naturkatastrophen treiben j\u00e4hrlich nahezu 30 Millionen Menschen in die Armut (IPCC, 2018). Die Auswirkungen des Klimawandels sind geografisch unterschiedlich, unvorhersehbar und entwickeln sich exponentiell. Je nach Wirksamkeit der Klimaschutzma\u00dfnahmen werden sie sich voraussichtlich verschlimmern (IPCC, 2018).<\/p>\n<p>Um dieser Herausforderung zu begegnen, sind viele L\u00e4nder 2015 dem Klimaschutzabkommen von Paris beigetreten. Uns bleibt noch etwa ein Jahrzehnt, um weltweite Emissionen drastisch zu reduzieren und damit die Zahl der Menschen, die sowohl von klimabedingten Risiken als auch von Armutsgef\u00e4hrdung bedroht sind, bis 2050 um bis zu mehrere hundert Millionen zu verringern (IPCC, 2018). Die Wende muss schnell erfolgen. Erforderlich sind daf\u00fcr kollektive Ma\u00dfnahmen und politische F\u00fchrung, um die Energieeffizienz zu verbessern, den Einsatz von Technologien f\u00fcr erneuerbare Energie zu erh\u00f6hen und den Kohleausstieg voranzutreiben. Au\u00dferdem m\u00fcssen mehr Finanzmittel mobilisiert und bereitgestellt, politische Reformen unterst\u00fctzt und Kapazit\u00e4ten aufgebaut werden (<a href=\"https:\/\/www.oecd.org\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">OECD<\/a>, 2019).<\/p>\n<p>Bedingt durch die Coronakrise waren wir in den vergangenen Wochen in der Lage, unsere Lebensweise radikal zu ver\u00e4ndern. Wir haben bewiesen, dass eine schnelle, globale Verhaltens\u00e4nderung m\u00f6glich ist. Seit vielen Jahren beobachten wir, dass Regierungen und die Gesellschaft es insgesamt vers\u00e4umen, die notwendigen Ma\u00dfnahmen zu ergreifen, um die schlimmsten Auswirkungen des Klimawandels zu verhindern. Zweifellos haben viele von uns dar\u00fcber nachgedacht und sich gefragt, ob wir aus der Krise n\u00fctzliche Lehren f\u00fcr die Zukunft ziehen k\u00f6nnen. M\u00fcssen wir wirklich erst stark vom Klimawandel beeintr\u00e4chtigt werden, bevor wir reagieren?<\/p>\n<p>Wird das Leben nach dem Corona-Ausbruch wieder zur Normalit\u00e4t zur\u00fcckkehren? Aus Studien geht hervor, dass der Klimawandel auch die Ausbreitung von Infektionskrankheiten beg\u00fcnstigt (Weltwirtschaftsforum \u2013 <a href=\"http:\/\/www3.weforum.org\/docs\/WEF_Global_Risk_Report_2020.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">WEF<\/a>). Durch die extreme globale Erw\u00e4rmung k\u00f6nnten bis 2080 Milliarden von Menschen in bisher nicht betroffenen Regionen wie Europa und Ostafrika Krankheiten ausgesetzt werden, die durch Moskitos \u00fcbertragen werden (<a href=\"https:\/\/www.who.int\/news-room\/fact-sheets\/detail\/climate-change-and-health\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">WHO<\/a>).<\/p>\n<p>Vielleicht wird uns diese Erfahrung ja lehren, dass wir den Klimawandel ebenfalls ernst nehmen sollten.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seit einigen Wochen arbeiten viele von uns im Homeoffice. Statt an Sitzungen nehmen wir an Videokonferenzen teil, das Pendeln entf\u00e4llt, und unsere Fl\u00fcge werden alle storniert. Die Autobahnen sind wie leer gefegt, die Stra\u00dfen fast menschenleer. Die Medien verbreiten alarmierende Coronavirus-Statistiken und be\u00e4ngstigende Informationen \u00fcber die Auswirkungen der Pandemie auf das Alltagsleben. 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