{"id":22337,"date":"2020-03-27T10:13:34","date_gmt":"2020-03-27T09:13:34","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.frankfurt-school.de\/?p=22337"},"modified":"2020-04-07T12:12:54","modified_gmt":"2020-04-07T11:12:54","slug":"covid-2019-zwei-welten-in-einem-krisenmanagement","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.frankfurt-school.de\/de\/covid-2019-zwei-welten-in-einem-krisenmanagement\/","title":{"rendered":"COVID-19: Zwei Welten in einem Krisenmanagement"},"content":{"rendered":"<p>Ich bin Kaufmann. Und ich bin Reserveoffizier der Bundeswehr. Das sind zwei sehr unterschiedliche Welten. Aus kaufm\u00e4nnischer Sicht konnte ich mir nach der Lehman Pleite 2008 und der Finanzkrise nahezu jedes Szenario vorstellen. Und nach dem Anschlag von Charlie Hebdo im Jahr 2015 konnte ich mir im Rahmen von Katastrophen, Ungl\u00fccksf\u00e4llen oder Attentaten viel vorstellen. Das beinhaltet meine Aufgabe als Verbindungsoffizier beim \u201eBund\u201c, bei der ich im Rahmen des Katastrophenschutzes die Verbindung halte zwischen zivilen Beh\u00f6rden, Blaulichteinheiten (Polizei, Feuerwehr, THW, DRK etc.) und Bundeswehr. In den letzten Jahren gab es \u00dcbungen zu Hochwasser, Waldbrand, Stromausfall. Pandemie war immer mal ein Thema, aber eigentlich nur am Rand. Aber das, was wir jetzt haben? So schnell und so umfassend? Mit einem fast totalen wirtschaftlichen Shutdown. Das hatte in der Art eigentlich kaum jemand auf dem Schirm. Umso wichtiger ist es, sich jetzt mit einem Krisenmanagement zu besch\u00e4ftigen.<\/p>\n<h2><strong>Wirtschaftliche Folgen sind riesig<\/strong><\/h2>\n<p>Das BIP in Deutschland betrug im Jahr 2018 rund 3,5 Billionen Euro. Pro Tag also im Schnitt 9,5 Milliarden Euro. Ein Gro\u00dfteil davon wird derzeit nicht erwirtschaftet, es ist gleich null. Wenn nichts mehr konsumiert, nichts mehr produziert werden kann, dann reduziert sich die wirtschaftliche Leistung auf ein Minimum. Viele Unternehmen verdienen zwar weiterhin Geld und Arbeitnehmer bekommen \u2013 vorerst \u2013 ihr Gehalt. Aber es liegt auf der Hand, dass das BIP in diesen Tagen sehr viel kleiner ausfallen d\u00fcrfte. Das ist der wirtschaftliche Preis, den wir jetzt schon zu zahlen haben, wenn auch in unterschiedlicher Intensit\u00e4t: Einzelselbstst\u00e4ndige sofort und unmittelbar, Beamte deutlich weniger. Ob sich die weitgehende Stilllegung des wirtschaftlichen und \u00f6ffentlichen Lebens lohnt, zeigt sich fr\u00fchestens Ende April.<\/p>\n<h2><strong>Krisenmanagement par excellence <\/strong><\/h2>\n<p>Aber Krisenmanagement ist nun wirklich alternativlos. In Italien und Spanien waren die Ma\u00dfnahmen zu Beginn vielleicht etwas z\u00f6gerlich und nun muss hier beides akzeptiert werden. Wirtschaftlicher Stillstand in nahezu allen Bereichen und furchtbare Bilder aus Krankenh\u00e4usern und Kolonnen von Milit\u00e4rfahrzeugen mit S\u00e4rgen. Hier verbinden sich meine beiden Welten in trauriger Art und Weise in einer Schnittstelle.<\/p>\n<p>Krisenmanagement bedeutet in einer solchen Situation eine klare F\u00fchrung und Entschlusskraft unter Zeitdruck. In unserer Demokratie bedeutet das in normalen Zeiten auch R\u00fccksichtnahme auf Partikularinteressen mit langen Diskussionen und Diskurs und Kompromissbereitschaft bei Abw\u00e4gung diverser M\u00f6glichkeiten. F\u00fcr all das ben\u00f6tigt man Zeit, die man in einer Krise nicht hat.<\/p>\n<p>In der Bundeswehrwelt, die gemeinhin als autorit\u00e4r und wenig demokratisch gilt, werden gegebene Befehle befolgt, so lange sie dienstlich erforderlich sind und keine Gesetze verletzen. So undemokratisch ist das nicht, denn ein Befehl muss genau diese Bedingungen erf\u00fcllen. In meiner zivilen Welt muss ich zurzeit als B\u00fcrger zur Kenntnis nehmen, dass es Anordnungen gibt, die sehr weit \u00fcber Befehle in der Bundeswehr hinausgehen. Es werden Grundrechte verletzt und Rechte Einzelner eingeschr\u00e4nkt. Und wir m\u00fcssen aufpassen, dass das nicht dauerhaft so bleibt.<\/p>\n<h2><strong>Krisenmanagement: Entscheidungsprozess ohne Anspruch auf Richtigkeit<br \/>\n<\/strong><\/h2>\n<p><a href=\"https:\/\/execed.frankfurt-school.de\/home\/individuals\/leadership-communication\/krisenmanagement\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Krisenmanagement<\/a> setzt dabei bestimmte Dinge voraus: Zun\u00e4chst eine klare, m\u00f6glichst umfassende Analyse der Lage in Bezug auf interne und externe Faktoren. Darauf beruht die Ausarbeitung der zur Verf\u00fcgung stehenden Handlungsalternativen, die dann unter Abw\u00e4gung der Vor- und Nachteile zu entscheiden und umzusetzen sind. Die als Ergebnis dieses Prozesses umgesetzte Entscheidung erhebt auch keinen Anspruch auf Richtigkeit. Es kann durchaus sein, dass man r\u00fcckwirkend unter Abw\u00e4gung der Folgen und Ereignisse eine andere Entscheidung getroffen h\u00e4tte. Aber die Zeit, die man aus \u201ehistorischer Sicht\u201c f\u00fcr die Beurteilung und Abw\u00e4gung hat, steht eben in der Krise nicht zur Verf\u00fcgung. Auch setzt Krisenmanagement einen k\u00fchlen, analytischen und vorbildhaften Kopf voraus. Im besten Fall findet ein Krisenmanager den richtigen Handlungsmodus, um ein Team, eine Organisation, einen Staat zu f\u00fchren. Vor allen Dingen f\u00fchrt der Krisenmanager aber zun\u00e4chst sich selbst und mit Fortune hat er am Ende Erfolg.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich bin Kaufmann. Und ich bin Reserveoffizier der Bundeswehr. Das sind zwei sehr unterschiedliche Welten. Aus kaufm\u00e4nnischer Sicht konnte ich mir nach der Lehman Pleite 2008 und der Finanzkrise nahezu jedes Szenario vorstellen. Und nach dem Anschlag von Charlie Hebdo im Jahr 2015 konnte ich mir im Rahmen von Katastrophen, Ungl\u00fccksf\u00e4llen oder Attentaten viel vorstellen. [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":580,"featured_media":22356,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[51],"tags":[1556,1555,1617,640,1619,417,1615,1618,1616,74,1594],"class_list":["post-22337","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-executive-education","tag-corona","tag-coronavirus","tag-fuhren-in-der-krise","tag-fuehrung","tag-fuhrungskompetenz","tag-kommunikation","tag-krise","tag-krisenkommunikation","tag-krisenmanagement","tag-leadership","tag-virus"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blog.frankfurt-school.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/22337","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blog.frankfurt-school.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blog.frankfurt-school.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.frankfurt-school.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/580"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.frankfurt-school.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=22337"}],"version-history":[{"count":11,"href":"https:\/\/blog.frankfurt-school.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/22337\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":22531,"href":"https:\/\/blog.frankfurt-school.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/22337\/revisions\/22531"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.frankfurt-school.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/22356"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blog.frankfurt-school.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=22337"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.frankfurt-school.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=22337"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.frankfurt-school.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=22337"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}