{"id":22602,"date":"2020-04-16T07:26:59","date_gmt":"2020-04-16T06:26:59","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.frankfurt-school.de\/?p=22602"},"modified":"2022-12-13T14:34:45","modified_gmt":"2022-12-13T13:34:45","slug":"bond-bitte-nicht-corona-bond-warum-corona-bonds-falsch-waren","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.frankfurt-school.de\/de\/bond-bitte-nicht-corona-bond-warum-corona-bonds-falsch-waren\/","title":{"rendered":"Bond? Bitte nicht Corona Bond! Warum Corona-Bonds falsch w\u00e4ren"},"content":{"rendered":"<p>Der Corona Virus und all seine nachhaltigen Folgen f\u00fcr die Menschen und die Weltwirtschaft sind neu. Aber als Pandemie des 21. Jahrhunderts ist der \u201eGegner\u201c immerhin bekannt, anders als bei der spanischen und asiatischen Grippe oder der Pest im Mittelalter. Und wir verf\u00fcgen \u00fcber medizinisches und gesellschaftliches Wissen, um dagegen anzugehen. Bekannt sind auch die Mittel, die zur monet\u00e4ren Linderung auf der wirtschaftlichen Seite eingesetzt werden k\u00f6nnten. Allerdings werden dazu Rezepte aus der finanzpolitischen Mottenkiste aus Zeiten der Finanzkrise geholt. Die Rede ist von Anleihen, die von allen Staaten der EU gemeinsam aufgelegt werden, um sich am Kapitalmarkt Geld zu beschaffen. Ob man diese dann Euro- oder Corona-Bonds nennt, ist nur eine andere Beschriftung auf demselben Etikett.<\/p>\n<h2><strong>Wer tilgt den Kredit?<\/strong><\/h2>\n<p>Schon zu Zeiten der Eurokrise waren Euro-Bonds angeblich ein probates Mittel, um manche Staaten der EU mit den dringend ben\u00f6tigten finanziellen Mitteln zu versorgen. Die gemeinsame Emission solcher Titel ist dabei der Schl\u00fcssel der Thematik. Da L\u00e4nder wie die Niederlande oder Deutschland bonit\u00e4tsm\u00e4\u00dfig gut bewertet werden, k\u00f6nnen sie sich g\u00fcnstig zu niedrigen Zinsen Geld besorgen. Andere Staaten werden vom Markt weniger gut bewertet und m\u00fcssen f\u00fcr dieselben Betr\u00e4ge zum Teil h\u00f6here Zinsen bezahlen. Ginge man gemeinsam an den Markt, wird quasi eine Mischkalkulation vorgenommen und ein einheitlicher Zinssatz gebildet, der dann f\u00fcr manche L\u00e4nder niedriger, f\u00fcr andere L\u00e4nder jedoch entsprechend h\u00f6her ausf\u00e4llt. Die Zinsseite ist aber nur eine Seite der Medaille. Die Haftung \u2013 auf der anderen Seite \u2013 ist spannender. Sollte ein Land seinen Zahlungsverpflichtungen in Bezug auf Zinsen oder R\u00fcckzahlung nicht nachkommen, m\u00fcssen die anderen L\u00e4nder daf\u00fcr haften. In Deutschland nennt man das eine gesamtschuldnerische Haftung, also eine \u201eVergemeinschaftung der Schulden\u201c.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend bisher der Bundestag bei der Schuldenaufnahme des Staates ein deutliches Mitspracherecht hat, ist bei dieser L\u00f6sung der Einfluss geringer. Trotzdem haftet ein Land f\u00fcr die Schulden anderer L\u00e4nder und muss die \u201eEventualverbindlichkeit\u201c mit einrechnen.<\/p>\n<p>Mit dem Euro-Rettungsschirm steht eine erprobte Alternative aus Zeiten der Finanzkrise zur Verf\u00fcgung. Von den Bef\u00fcrwortern der Corona-Bonds wird dies vehement abgelehnt, da es sich um eine Kreditaufnahme handeln w\u00fcrde. Dabei wird der Eindruck erweckt, die Bondl\u00f6sung sei keine kreditorische L\u00f6sung. Diese Feststellung ist so naiv wie objektiv falsch. Beide Formen sind Darlehen, die in wirtschaftlich besseren Zeiten mit Zinsen zur\u00fcckzuzahlen sind. Die entscheidenden Unterschiede liegen in anderen Feststellungen:<\/p>\n<ol>\n<li>Wer nimmt den Kredit auf: Alle Staaten gemeinsam oder ein Staat allein?<\/li>\n<li>Welche Zinsen werden f\u00fcr den Kredit f\u00e4llig im Rahmen eines risikoadjustierten Pricings?<\/li>\n<li>Wer haftet f\u00fcr den Kredit \u2013 und in welcher H\u00f6he?<\/li>\n<\/ol>\n<p>Am Ende der Laufzeit wird es auf einen Punkt hinauslaufen: Wer tilgt den Kredit? Treffender formuliert: Wenn jemand anders den eigenen negativen Kontostand ausgleichen muss, f\u00e4llt eine \u00dcberziehung deutlich leichter. Diese finanziellen Fakten gilt es unbedingt zu bedenken.<\/p>\n<h2><strong>Corona-Bonds sind nicht die L\u00f6sung<\/strong><\/h2>\n<p>Emotional gesehen ist es nat\u00fcrlich eine europ\u00e4ische Aufgabe, die Folgen der Pandemie gemeinsam zu stemmen. Dabei steht es au\u00dfer Frage, auch die finanzielle Last gemeinsam zu tragen. Die Ursachen fu\u00dfen allerdings auf bekannten Tatsachen: Wenn allein Nordrhein-Westfalen nahezu doppelt so viele Krankenhausbetten auf 100.000 Einwohner hat wie Italien, sollten uns die Fernsehbilder nicht verwundern. Jetzt r\u00e4cht es sich, dass die bekannten Probleme nach der Finanzkrise nicht konsequent angepackt und gel\u00f6st wurden. Die \u2013 vermeintlich \u2013 einfache L\u00f6sung zu w\u00e4hlen und mit Corona Bonds einem \u201eweiter so\u201c T\u00fcr und Tor zu \u00f6ffnen, w\u00e4re ein fatales Signal. <a href=\"https:\/\/execed.frankfurt-school.de\/home\/individuals\/banking-wealth-management\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Richtige Entscheidungen<\/a> zu Lasten von Emotionen zu opfern w\u00e4re ein Pyrrhussieg der Bef\u00fcrworter und h\u00e4tte bei der n\u00e4chsten Krise noch fatalere Folgen. Wie auch die politische L\u00f6sung der Hilfe aussehen wird, die mit den vor\u00f6sterlichen Beschl\u00fcssen in die richtige Richtung geht: Corona-Bonds sind es auf keinen Fall.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Corona Virus und all seine nachhaltigen Folgen f\u00fcr die Menschen und die Weltwirtschaft sind neu. Aber als Pandemie des 21. Jahrhunderts ist der \u201eGegner\u201c immerhin bekannt, anders als bei der spanischen und asiatischen Grippe oder der Pest im Mittelalter. Und wir verf\u00fcgen \u00fcber medizinisches und gesellschaftliches Wissen, um dagegen anzugehen. 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