{"id":22640,"date":"2020-04-20T21:13:57","date_gmt":"2020-04-20T20:13:57","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.frankfurt-school.de\/?p=22640"},"modified":"2020-07-07T12:24:19","modified_gmt":"2020-07-07T11:24:19","slug":"low-carbon-investment-and-credit-rationing","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.frankfurt-school.de\/de\/low-carbon-investment-and-credit-rationing\/","title":{"rendered":"Klimafreundliche Investitionen und Kreditrationierung"},"content":{"rendered":"<p><\/p>\n<h2>Der \u00dcbergang zu einer klimafreundlichen Wirtschaft und die Rolle der Finanzierung<\/h2>\n<p>Der Klimawandel ist eine der gr\u00f6\u00dften Herausforderungen des 21. Jahrhunderts. Die Begrenzung der Erderw\u00e4rmung auf deutlich unter 2 \u00b0C, wie sie im Pariser Klimaschutzabkommen vereinbart wurde, setzt voraus, dass in erheblichem Umfang in kohlenstoffarme Technologien investiert wird. Allerdings werden Investitionen des Privatsektors in klimafreundliche Technologien durch Marktfriktionen wie externe Effekte von Emissionen und Spillover-Effekte von klimafreundlichen Innovationen behindert. In j\u00fcngster Zeit wird in der wissenschaftlichen Literatur zunehmend die Rolle funktionsf\u00e4higer Finanzm\u00e4rkte als Voraussetzung f\u00fcr klimafreundliche Investitionen hervorgehoben. In einer <a href=\"https:\/\/papers.ssrn.com\/sol3\/papers.cfm?abstract_id=3521332\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">neuen Ver\u00f6ffentlichung<\/a> stellen mein Co-Autor Christian Haas und ich eine theoretische Analyse von Investitionen in klimafreundliche Technologien sowie die Rolle der Finanzm\u00e4rkte bei diesen Investitionen vor. In unserem Beitrag wird (i) ein erster theoretischer Mechanismus skizziert, der erkl\u00e4rt, wie Informationsasymmetrien zwischen Kreditgebern und Kreditnehmern zu einer Kreditrationierung und damit zu einem f\u00fcr die Gesellschaft unerw\u00fcnscht niedrigen Niveau klimafreundlicher Investitionen f\u00fchren k\u00f6nnen, und (ii) analysiert, wie verschiedene politische Interventionen dieses Problem l\u00f6sen k\u00f6nnten.<\/p>\n<h2>Analyse von Unternehmensinvestitionen und Bankkrediten<\/h2>\n<p>In unserem Modell analysieren wir die Entscheidungen von drei Typen von Akteuren: die Unternehmen (Kreditnehmer), die Banken (Kreditgeber) und der Staat. Die Unternehmen haben die Wahl zwischen der weiteren Verwendung einer umweltsch\u00e4dlichen Technologie und einer sauberen\/klimafreundlichen Technologie, die eine risikoreiche Anfangsinvestition, wie etwa Ausgaben f\u00fcr Forschung und Entwicklung, erfordert. Die Unternehmen sind zudem heterogen in Bezug auf (i) ihre umweltbelastende Technologie, d.h. es gibt Unternehmen mit hohen und Unternehmen mit niedrigen Emissionen, und (ii) die Wahrscheinlichkeit, dass sie erfolgreich in eine neue klimafreundliche Technologie investieren. F\u00fcr diese Investitionen ist eine externe Finanzierung erforderlich, d.h. ein Bankkredit. Infolge der asymmetrischen Information kann die Bank nicht zwischen verschiedenen Unternehmenstypen unterscheiden.<\/p>\n<h2>Zusammenfassung der Ergebnisse<\/h2>\n<p>Ohne ein Eingreifen der Politik fallen die Investitionen in kohlenstoffarme Technologien aus gesellschaftlicher Sicht deutlich zu niedrig aus. Der Staat kann hier Abhilfe schaffen, indem er eine ad\u00e4quate Emissionssteuer einf\u00fchrt. Eine solche Steuer bietet Anreize, insbesondere f\u00fcr Unternehmen mit hohen Emissionen, auf klimafreundliche Technologien umzusteigen. Bedingt durch die asymmetrische Information kann die Bank jedoch nicht zwischen Unternehmen und ihren Erfolgswahrscheinlichkeiten unterscheiden. Die Banken bieten Kreditkonditionen an, die nur von Unternehmen mit geringen Risiken akzeptiert werden k\u00f6nnen. Unternehmen mit h\u00f6heren Risiken erhalten keine Finanzierung f\u00fcr ihre klimafreundlichen Investitionen, obwohl diese gesellschaftlich w\u00fcnschenswert w\u00e4ren. Dieses Problem der Kreditrationierung kann durch zus\u00e4tzliche staatliche Interventionen gel\u00f6st werden. Eine staatliche Zinssubvention oder eine staatliche Kreditgarantie k\u00f6nnen die Kreditrationierung eliminieren und zum optimalen Ergebnis f\u00fchren.<\/p>\n<p>Dar\u00fcber hinaus analysieren wir die Dynamik dieser politischen Interventionen. Wenn es Lerneffekte gibt, wird auch ohne politische Interventionen auf dem Kreditmarkt die Kreditrationierung aufgrund des abnehmenden Risikos klimafreundlicher Investitionen abgeschafft. Somit ist jede politische Intervention auf dem Kreditmarkt zeitlich begrenzt. Auf der anderen Seite fallen Verz\u00f6gerungskosten an, wenn der Staat keine Ma\u00dfnahmen gegen die Kreditrationierung ergreift.<\/p>\n<h2>Wann ist mit Kreditrationierung zu rechnen und was sollte die Politik tun?<\/h2>\n<p>Unsere Analyse zeigt, dass eine Kreditrationierung wahrscheinlicher ist, wenn kohlenstoffarme Technologien noch unausgereift und risikoreich sind. Die Wahrscheinlichkeit steigt weiter, wenn die Finanzinstitute nicht in der Lage sind, diese Risiken zu pr\u00fcfen und zu bewerten. In L\u00e4ndern mit einem schwach entwickelten Finanzsektor stellt die Kreditrationierung daher ein potenzielles Problem dar. Die Politik kann mit Hilfe von Finanzierungsinstrumenten Friktionen an den Kreditm\u00e4rkten entgegenwirken. Kreditgarantien und Zinssubventionen k\u00f6nnen das Problem der Kreditrationierung l\u00f6sen. Es ist eher unwahrscheinlich, dass die Kreditrationierung f\u00fcr Unternehmen, die in bew\u00e4hrte saubere Technologien in Industriel\u00e4ndern wie den USA oder der EU investieren, zu einem ernsthaften Problem wird.<\/p>\n<h2>Ein CO<sub>2<\/sub>-Preis ist von zentraler Bedeutung<\/h2>\n<p>Unabh\u00e4ngig von der Problematik einer m\u00f6glichen Kreditrationierung ist ein CO<sub>2<\/sub>-Preis die beste Option, um Unternehmen zum Umstieg auf kohlenstoffarme Technologien zu bewegen, da die Unternehmen die sozialen Kosten der Emissionen internalisieren und Unternehmen mit hohen Emissionen sich daf\u00fcr entscheiden, ihre umweltsch\u00e4dliche Produktionstechnologie durch eine saubere Alternative zu ersetzen. In einer Zusatzanalyse betrachten wir die Situation, in der eine Emissionssteuer (politisch) nicht umsetzbar ist. Wir zeigen, dass die Subventionierung kohlenstoffarmer Investitionen mittels Zinssubvention als Alternative zur F\u00f6rderung dieser Investitionen eingesetzt werden kann. Damit einher gehen jedoch eine geringere Sozialleistung und h\u00f6here \u00f6ffentliche Ausgaben.<\/p>\n<h2>Potenziell negative Anreize f\u00fcr politische Entscheidungstr\u00e4ger<\/h2>\n<p>Unsere dynamische Analyse zeigt potenziell negative Anreize f\u00fcr politische Entscheidungstr\u00e4ger auf. Insgesamt nimmt der positive Wohlfahrtseffekt staatlicher Interventionen, die eine Kreditrationierung verhindern, mit dem Risiko sauberer Technologien zu: Je unausgereifter und risikoreicher eine klimafreundliche Technologie ist, desto n\u00fctzlicher ist eine politische Intervention. Der Nutzen tritt jedoch nicht sofort ein, sondern erst nach einem l\u00e4ngeren Zeitraum, der von dem Ausma\u00df der Lerneffekte abh\u00e4ngt. Bei eher ausgereiften und weniger risikoreichen sauberen Technologien ist der gesellschaftliche Nutzen der staatlichen Unterst\u00fctzung insgesamt geringer, tritt aber relativ schnell ein. Je kurzsichtiger die politischen Entscheidungstr\u00e4ger also sind, desto wahrscheinlicher wird es, dass diese ausgereifteren sauberen Technologien von der Politik unterst\u00fctzt werden. Eine staatliche Unterst\u00fctzung f\u00fcr risikoreichere klimafreundliche Technologien ist in weniger entwickelten Volkswirtschaften jedoch gesellschaftlich gesehen von gr\u00f6\u00dferem Nutzen.<\/p>\n<h2>Folgerungen f\u00fcr die Politik<\/h2>\n<p>Zusammenfassend lassen sich aus unserer Analyse folgende Schlussfolgerungen ableiten:<\/p>\n<ul>\n<li>Ein (globaler) CO<sub>2<\/sub>-Preis ist der entscheidende Faktor f\u00fcr einen effektiven und kosteneffizienten \u00dcbergang zu einer klimafreundlichen Wirtschaft.<\/li>\n<li>Der Einsatz \u00f6ffentlicher Mittel zur Bek\u00e4mpfung der externen Effekte von Emissionen ist nicht nur kostspieliger, sondern h\u00f6chstwahrscheinlich auch weniger wirksam und sollte daher nie die erste Wahl sein.<\/li>\n<li>Stattdessen sollten die Unzul\u00e4nglichkeiten der Finanzm\u00e4rkte, die klimafreundliche Investitionen behindern, durch die \u00f6ffentliche Hand abgefedert werden.<\/li>\n<li>Gerade bei unausgereiften und risikoreichen klimafreundlichen Technologien und\/oder weniger entwickelten Finanzm\u00e4rkten f\u00fchren staatliche F\u00f6rderma\u00dfnahmen zu einem hohen gesellschaftlichen Nutzen. F\u00fcr politische Entscheidungstr\u00e4ger, die auf kurzfristige Effekte abzielen, kann dagegen die F\u00f6rderung ausgereifter und weniger risikoreicher Technologien zweckm\u00e4\u00dfiger erscheinen.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Die aktuelle Version der vollst\u00e4ndigen Publikation kann <a href=\"https:\/\/papers.ssrn.com\/sol3\/papers.cfm?abstract_id=3521332\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">hier<\/a> heruntergeladen werden. Weitere Ver\u00f6ffentlichungen der Forschungsgruppe des FS-UNEP Centre finden Sie auf unserer <a href=\"https:\/\/www.fs-unep-centre.org\/research\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Website<\/a>.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der \u00dcbergang zu einer klimafreundlichen Wirtschaft und die Rolle der Finanzierung Der Klimawandel ist eine der gr\u00f6\u00dften Herausforderungen des 21. Jahrhunderts. 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