{"id":23275,"date":"2020-07-13T16:00:11","date_gmt":"2020-07-13T15:00:11","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.frankfurt-school.de\/?p=23275"},"modified":"2021-02-15T21:02:13","modified_gmt":"2021-02-15T20:02:13","slug":"remain-in-nicaragua-wie-funktioniert-corona-home-office-in-einem-entwicklungsland","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.frankfurt-school.de\/de\/remain-in-nicaragua-wie-funktioniert-corona-home-office-in-einem-entwicklungsland\/","title":{"rendered":"Remain in Nicaragua: Wie funktioniert Corona-Home-Office in einem Entwicklungsland?"},"content":{"rendered":"<p>In St\u00e4dten wie Managua oder Granada kauft man einen Laptop, sucht sich ein Hotelzimmer mit gutem W-Lan und los geht\u2019s\u2026 Wie funktioniert das, wenn weltweit eine Pandemie ausgebrochen ist und alle umliegenden Grenzen dicht sind? Und was tun, wenn man sich als \u201eCoworking-Space\u201c die menschenleere Provinz Nicaraguas ausgesucht hat, um dort freiwillig in Selbstquarant\u00e4ne zu gehen?<\/p>\n<h2>No way out<\/h2>\n<p>Nachdem der internationale Flugverkehr vollst\u00e4ndig eingestellt, mein R\u00fcckflug gecancelt wurde und alle Grenzen geschlossen sind, gibt es f\u00fcr mich keine M\u00f6glichkeit mehr, das Land zu verlassen. Ich werde mich darauf einstellen, die n\u00e4chsten Wochen hier zu bleiben und abzuwarten bis es eine M\u00f6glichkeit gibt, zur\u00fcck zu fliegen. Bis dahin suche ich mir eine passende Unterkunft.<\/p>\n<p>Da der Tourismus vollst\u00e4ndig zum Erliegen gekommen ist, haben die meisten Hotels und Restaurants bereits geschlossen. Das spielt f\u00fcr mich keine Rolle, da es mein Ziel ist, mich m\u00f6glichst z\u00fcgig und autark in Selbstquarant\u00e4ne zu begeben, ohne anderen Menschen zu nahe zu kommen. Auch die Notwendigkeit gr\u00f6\u00dfere St\u00e4dte anfahren zu m\u00fcssen, will ich vermeiden. Die Menschen in Nicaragua gehen sehr unterschiedlich mit der Pandemie um. Mitarbeiter von Apotheken und Lebensmittelgesch\u00e4ften tragen mittlerweile einen Mundschutz. Bei Superm\u00e4rkten wird Fieber gemessen und der Einkaufswagen desinfiziert.\u00a0 Andere wiederum sind einfach nicht informiert oder ignorieren die Ernsthaftigkeit der Lage. Die Inhaber von Air-BnBs nehmen nur noch Gestrandete auf, die sich in den letzten Wochen nicht in gr\u00f6\u00dferen Ballungsgebieten aufgehalten haben.<\/p>\n<h2>Das Paradies in der Pandemie<\/h2>\n<p>Mit etwas Gl\u00fcck werde ich auf meiner Suche f\u00fcndig. In einer verschlafenen Siedlung an der pazifischen K\u00fcste haben Shay und seine Familie eine Oase geschaffen, die an den Ans\u00e4tzen der Permakultur orientiert ist und sich in vielen Bereichen selbst versorgt. Der Strom wird \u00fcber Solarzellen erzeugt, das Wasser selbst gefiltert und im Garten h\u00e4ngen die B\u00e4ume voll mit Fr\u00fcchten.<\/p>\n<p>Im Haus eingezogen, beginne ich damit mir alles zu organisieren, um in ein paar Tagen arbeitsf\u00e4hig zu sein und mein Home-Office einzurichten. Die Organisation der wichtigsten &#8222;Werkzeuge&#8220; hierf\u00fcr &#8211; Internet, Laptop und ein ruhiger Arbeitsplatz &#8211; stellen mich dabei vor die ein oder andere Herausforderung.<\/p>\n<h2>Home-Office neben der Dusche<\/h2>\n<ol>\n<li>Internet: unsere Nachbarn haben sich vor ein paar Tagen f\u00fcr ihre eigene Internetverbindung eine Antenne auf das Dach installieren lassen. Die Verbindung kann ich ebenfalls nutzen. Das Internet ist aber schnell \u00fcberlastet oder der Strom f\u00e4llt ganz aus, so dass ich hier einen Plan B entwickeln muss. Mein Joker ist das W-Lan eines Hotels nebenan, das zwar geschlossen ist, aber seinen Router mit High-Speed-Internet weiterhin anhat, inklusive dem Strom-Aggregator. Um das st\u00e4rkste Signal zu erhalten, ziehe ich samt Tisch und Stuhl an dem Ort ein, wo der Empfang am besten ist: das Badezimmer.<\/li>\n<li>Laptop: In den l\u00e4ndlichen Gegenden Nicaraguas gibt es weder L\u00e4den, die mit Laptops handeln, noch kann man sich ein Paket zusenden lassen. Hier gibt es einfach keine Post. Wenn etwas von einem Ort zum n\u00e4chsten transportiert werden soll, nutzt man den Chicken-Bus als DHL-Boten. F\u00fcr wertvolle Fracht ist mir diese Alternative zu unsicher. Bei einem Spaziergang am Strand treffe ich einen Fotografen, der mir f\u00fcr 120 $ seinen alten Laptop \u00fcberl\u00e4sst.<\/li>\n<li>Coworking-Space: Auch hier in Nicaragua sind die Schulen geschlossen und die Kinder zu Hause. Das betrifft ebenso unsere Gastgeber, so dass die ruhigen Pl\u00e4tze in unserer Community zu einer Rarit\u00e4t werden. Es wird Zeit, mir einen ruhigen Arbeitsplatz zu suchen und ich habe Gl\u00fcck: ich organisiere mir den Kontakt der Managerin meines Nachbarhotels und \u00fcberzeuge sie von dem Konzept eines Coworking-Space. Jetzt kann ich ein Zimmer, in dem geschlossenen Hotel, als Arbeitsplatz nutzen.<\/li>\n<\/ol>\n<p>Mittlerweile ist auch in meinem Home-Office der Arbeitsalltag eingekehrt. Den alten Laptop habe ich durch ein neuwertigeres Modell ersetzen k\u00f6nnen und meine Technik hat beim ersten Intro-Online-Seminar wunderbar funktioniert. An der Frankfurt School haben alle angepackt &#8211; egal wo sie in der Welt verstreut waren &#8211; und konnte so das Angebot kurzfristig <a href=\"https:\/\/www.frankfurt-school.de\/home\/newsroom\/news\/2020\/Juni\/fs-wallet-azubimanagement\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">auf Online umstellen<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In St\u00e4dten wie Managua oder Granada kauft man einen Laptop, sucht sich ein Hotelzimmer mit gutem W-Lan und los geht\u2019s\u2026 Wie funktioniert das, wenn weltweit eine Pandemie ausgebrochen ist und alle umliegenden Grenzen dicht sind? 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