{"id":23505,"date":"2020-07-08T08:13:08","date_gmt":"2020-07-08T07:13:08","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.frankfurt-school.de\/?p=23505"},"modified":"2020-10-19T09:28:45","modified_gmt":"2020-10-19T08:28:45","slug":"der-shutdown-und-unser-handeln-fordern-opfer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.frankfurt-school.de\/de\/der-shutdown-und-unser-handeln-fordern-opfer\/","title":{"rendered":"Der Shutdown und unser Handeln fordern Opfer!"},"content":{"rendered":"<p>Wir erleben seit Mitte M\u00e4rz eine gigantische Ver\u00e4nderung unserer Lebensgewohnheiten. Zu Beginn des Jahres wurden die Fernsehberichte \u00fcber die Abriegelung der Millionenstadt Wuhan noch mit einem Schulterzucken und dem Kommentar versehen, dass dies in China m\u00f6glich ist, aber nicht in Deutschland. Diese Stimmen sind allerdings verstummt, denn seit sp\u00e4testens Mitte M\u00e4rz kam das wirtschaftliche und soziale Leben auch in Deutschland mit dem Lockdown und dem Shutdown fast zum Stillstand. Die einzelnen Wirtschaftszweige sind allerdings sehr unterschiedlich betroffen. Die Luftfahrt und die Gastronomie drastisch, der Lebensmitteleinzelhandel und die Baum\u00e4rkte (zumindest in manchen Bundesl\u00e4ndern) boomen.<\/p>\n<p>Es war sicherlich richtig, die Ma\u00dfnahmen so zu entscheiden und durchzusetzen, wie sie getroffen wurden. R\u00fcckwirkend und in Ruhe betrachtet, wird man allerdings Lehren ziehen m\u00fcssen. Es n\u00fctzt nichts, wenn Intensivbetten f\u00fcr COVID-19 Patienten k\u00fcnstlich freigehalten werden, um die Triage zu vermeiden, daf\u00fcr aber lebensrettende Operationen bei anderen Krankheiten verschoben werden m\u00fcssen. Dass viele Patienten aus Angst vor einer Infektion nicht mehr zum Arzt gegangen sind und der ein oder andere Schlaganfall oder Herzinfarkt deswegen unentdeckt geblieben ist, darf man auch ruhig konstatieren.<\/p>\n<h2>Unser Shutdown hat Folgen f\u00fcr andere<\/h2>\n<p>Dabei d\u00fcrfen wir andere Lebensbereiche nicht vergessen und m\u00fcssen endlich die Chance nutzen, um mehr als nur einen Blick \u00fcber die bundesrepublikanische Grenze hinaus in die Welt werfen. Weit weg von einem sozialen Netz und einer arbeitnehmerfreundlichen Institution wie dem Kurzarbeitergeld sieht es in anderen L\u00e4ndern v\u00f6llig anders aus. Wenn wir \u2013 als Beispiel \u2013 in den angeblich entwickelten L\u00e4ndern die schnelllebige Modeware nicht abnehmen, haben die N\u00e4herinnen in Bangladesch, Indien, Pakistan oder anderen Regionen von einem Tag auf den anderen keine Arbeit mehr. Auftr\u00e4ge wurden ohne R\u00fccksicht auf Verluste einfach storniert. Zudem sind Transportkapazit\u00e4ten \u00fcber Wasser f\u00fcr Monate ausgefallen und Lieferketten insgesamt zusammengebrochen, denn nicht alles kann auf dem Luftweg transportiert werden. Das ist Vulg\u00e4rkapitalismus in reinster Form und schl\u00e4gt unmittelbar und sofort durch. Keine Arbeit bedeutet kein Einkommen, kein Einkommen bedeutet kein Essen f\u00fcr die Familie. R\u00fccklagen haben Menschen in diesen Lebenssituationen nicht, zumeist ist es ein Leben von der Hand in den Mund. Tagel\u00f6hner in Indien, Haushaltshilfen in Brasilien oder den USA: Es ist \u00fcberall das gleiche Bild. Eine Hire and Fire-Mentalit\u00e4t, die die ohnehin mehr als armen Menschen gleich mehrfach mit aller Wucht trifft. Kein Einkommen, keine oder nur eine sehr partielle \u00e4rztliche Versorgung, keine Kranken- oder Sozialversicherung. Dazu in vielen F\u00e4llen auch nur eine partielle Versorgung mit frischem und sauberem Trinkwasser und einer h\u00e4ufig auch nicht funktionierenden Abwasserorganisation. Es besteht nicht im Ansatz eine Chance Hygienestandards oder Abstandsregeln einzuhalten.<\/p>\n<p>Zwischen westlichen Standards und vielen anderen Regionen der Erde liegen Welten. Und wie immer leiden am h\u00e4ufigsten genug die Kinder. Sowieso schon in Bezug auf den Ern\u00e4hrungs- und Gesundheitszustand unterentwickelt, leiden sie jetzt extrem. Dazu kommt, dass aufgrund der Pandemie viele Hilfs- und Unterst\u00fctzungsprogramme ruhen oder stocken wegen des eingeschr\u00e4nkten Flugverkehrs. Flankiert wird dies von Stagnationen der Impfaktionen gegen Malaria oder die Kinderl\u00e4hmung. Auch dies kostet Menschenleben.<\/p>\n<p>Wir m\u00fcssen uns also einfach dar\u00fcber im Klaren sein oder endlich werden, dass unser Handeln Folgen hat. In vielerlei Hinsicht, unmittelbar und f\u00fcr viele Menschen sehr drastisch.<\/p>\n<p>F\u00fcr Fragen zu <a href=\"https:\/\/execed.frankfurt-school.de\/home\/individuals\/banking-wealth-management\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Weiterbildungen<\/a> rund um <a href=\"https:\/\/execed.frankfurt-school.de\/home\/individuals\/sustainable-development\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Nachhaltigkeit<\/a> und <a href=\"https:\/\/www.frankfurt-school-verlag.de\/verlag\/konferenz\/nachhaltige_geldanlagen2020.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">nachhaltiges Investieren<\/a> stehen wir Ihnen gerne beratend zur Seite!<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wir erleben seit Mitte M\u00e4rz eine gigantische Ver\u00e4nderung unserer Lebensgewohnheiten. 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