{"id":24892,"date":"2020-12-13T14:12:31","date_gmt":"2020-12-13T13:12:31","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.frankfurt-school.de\/?p=24892"},"modified":"2022-12-13T14:35:49","modified_gmt":"2022-12-13T13:35:49","slug":"neues-regelwerk-fur-wertpapierinstitute","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.frankfurt-school.de\/de\/neues-regelwerk-fur-wertpapierinstitute\/","title":{"rendered":"Neues Regelwerk f\u00fcr Wertpapierinstitute"},"content":{"rendered":"<p>Ende Juni 2021 tritt f\u00fcr Wertpapierinstitute ein neues Aufsichtsregime in Kraft. Damit steht Finanzdienstleistern eine regulatorische Herausforderung bevor. Finanzdienstleistungsinstitute, die als Wertpapierinstitute gelten, werden zuk\u00fcnftig dem neuen Wertpapierinstitutsgesetz (WpIG) und der Wertpapierfirmenverordnung (IFR \u2013 (EU) 2019\/2033)) unterworfen. Bisher fallen sie in den des Kreditwesengesetzes und der CRR.<\/p>\n<h2>Definition Wertpapierinstitut<\/h2>\n<p>Als Wertpapierinstitut gilt jedes Unternehmen, das gewerbsm\u00e4\u00dfig oder in einem Umfang, der einen in kaufm\u00e4nnischer Weise eingerichteten Gesch\u00e4ftsbetrieb erfordert, Wertpapierdienstleistungen alleine oder zusammen mit Wertpapiernebendienstleistungen oder Nebengesch\u00e4ften erbringt.<\/p>\n<p>Als Wertpapierdienstleistung gelten dabei entsprechend der Vorgaben der MiFID u.a. das Finanzkommissionsgesch\u00e4ft, die Finanzportfolioverwaltung, die Abschlussvermittlung als auch die Anlageberatung.<\/p>\n<h2>Auf Wertpapierinstitute zugeschnittenes Regelwerk<\/h2>\n<p><strong>Ausgangspunkt der Neuregelungen sind zwei europ\u00e4ische Rechtsakte.<\/strong><\/p>\n<p>Die neue EU-Verordnung \u201eInvestment Firm Regulation\u201c (IFR \u2013 (EU) 2019\/2033)) und die neue Richtlinie \u201eInvestment Firm Directive\u201c (IFD \u2013 (EU) 2019\/2034) schaffen erstmals einen dedizierten Regulierungsrahmen f\u00fcr alle Unternehmen, die Wertpapierdienstleistungen i.S.d. MiFID erbringen. Ziel ist die Schaffung eines eigenen risikoad\u00e4quaten Aufsichtsregimes f\u00fcr Wertpapierinstitute.<\/p>\n<p>Insbesondere f\u00fcr kleine und mittlere Wertpapierinstitute soll eine einfachere, verst\u00e4ndlichere und \u00fcbersichtlichere Gesetzessystematik umgesetzt werden.<\/p>\n<h1>Einteilung in drei Klassen<\/h1>\n<p>IFR und WpIG unterscheiden drei Klassen von Wertpapierinstituten:<\/p>\n<p><strong>Kleine Wertpapierinstitute<\/strong><\/p>\n<p>Das sind kleine und nicht verflochtene Wertpapierinstitute, die insbesondere eine Bilanzsumme von weniger als 100 Mio. Euro haben. Zus\u00e4tzlich erf\u00fcllen sie weitere Voraussetzungen der IFR, die sich z.B. auf das Volumen der in der Anlageberatung betreuten Verm\u00f6genswerte von Kunden (assets under management) oder gehaltene Kundengelder (client money held) beziehen.<\/p>\n<p><strong>Gro\u00dfes Wertpapierinstitut<\/strong><\/p>\n<p>Als gro\u00dfe Wertpapierinstitute gelten Wertpapierinstitute mit einer konsolidierten Bilanzsumme von 15 Mrd. \u20ac oder mehr, die Eigenhandel und \/ oder das Emissionsgesch\u00e4ft betreiben. \u00dcbersteigt die Bilanzsumme 30 Mrd. \u20ac ist das Unternehmen sogar direkt als Kreditinstitut i.S.d. CRR einzustufen.<\/p>\n<p>Auf gro\u00dfe Wertpapierinstitute finden die Regelungen der IFR und des WpIG weitestgehend keine Anwendung. Wegen der mit ihrer Gr\u00f6\u00dfe verbundenen Risiken werden sie vom europ\u00e4ischen Gesetzgeber wie Kreditinstitute behandelt und werden weiterhin der Regulierung der CRR und des KWG unterworfen.<\/p>\n<p><strong>Mittlere Wertpapierinstitute<\/strong><\/p>\n<p>Mittlere Wertpapierinstitute sind solche, die weder als kleine noch als gro\u00dfe Wertpapierinstitute klassifizieren.<\/p>\n<h2>Wesentliche Inhalte des WpIG<\/h2>\n<p><strong>Proportional zur Gr\u00f6\u00dfe und Bedeutung der Wertpapierinstitute f\u00fcr die Finanzstabilit\u00e4t enth\u00e4lt das WpIG im Wesentlichen:<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li>Anforderungen an das Anfangskapital,<\/li>\n<li>Anforderungen an die Gesch\u00e4ftsorganisation und bestimmte Anzeigepflichten,<\/li>\n<li>Aufsichtsbefugnisse der zust\u00e4ndigen Aufsichtsbeh\u00f6rden, insbesondere im Hinblick auf die Solvenz der Wertpapierinstitute sowie die Eigenkapital und Liquidit\u00e4tsanforderungen,<\/li>\n<li>Ma\u00dfst\u00e4be zur Beurteilung der Angemessenheit der internen Kapitalanforderungen,<\/li>\n<li>Anforderung an den Vorstand und die Aufsichtsgremien der Wertpapierinstitute im Hinblick auf die interne Unternehmensf\u00fchrung,<\/li>\n<li>Regelungen zur Verg\u00fctungspolitik gegen\u00fcber bestimmten Kategorien von Mitarbeitern der Wertpapierinstitute.<\/li>\n<\/ul>\n<h2>Wesentliche Inhalte der IFR<\/h2>\n<p>Die bereits am 27. November 2019 verabschiedete IFR sieht eine komplette Neuregelung der Anforderungen in folgenden Bereichen vor:<\/p>\n<ul>\n<li>Berechnung der Mindestkapitalanforderungen<\/li>\n<li>Berechnung der Mindestliquidit\u00e4tsanforderungen<\/li>\n<li>Anforderungen an die Begrenzung von Konzentrationsrisiken<\/li>\n<li>Ausgestaltung des Meldewesens<\/li>\n<li>Offenlegungspflichten<\/li>\n<\/ul>\n<p>Die Neuregelungen weichen dabei signifikant von den bisherigen Regelungen des KWG und der CRR ab.<\/p>\n<p>Insbesondere die f\u00fcr mittlere Wertpapierinstitute ma\u00dfgeblichen Vorgaben zur Berechnung der Mindestkapitalanforderungen anhand sogenannter K-Faktoren stellen dabei eine Neuerung dar:<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-25575 size-large\" src=\"https:\/\/blog.frankfurt-school.de\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/K-Faktoren_DE-1024x436.png\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"436\" srcset=\"https:\/\/blog.frankfurt-school.de\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/K-Faktoren_DE-1024x436.png 1024w, https:\/\/blog.frankfurt-school.de\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/K-Faktoren_DE-300x128.png 300w, https:\/\/blog.frankfurt-school.de\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/K-Faktoren_DE-768x327.png 768w, https:\/\/blog.frankfurt-school.de\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/K-Faktoren_DE-1536x654.png 1536w, https:\/\/blog.frankfurt-school.de\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/K-Faktoren_DE-2048x872.png 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/p>\n<p>F\u00fcr jeden einzelnen K-Faktor werden in der IFR eigene Berechnungsvorgaben getroffen, die seitens des Wertpapierinstitutes umzusetzen sind. Das neu gestaltete Meldewesen f\u00fcr Wertpapierinstitute umfasst dabei mehr als 20 Meldeb\u00f6gen, wovon der Gro\u00dfteil auf die Meldung von K-Faktoren und Konzentrationsrisiken entf\u00e4llt. Die Anwendung des neuen Regelwerks erfolgt ab dem 26. Juni 2021, der erste Meldestichtag ist der 30. Juni 2021. Hinsichtlich des neuen Regelwerkes gilt es f\u00fcr Wertpapierinstitute nun, sich in eine der drei Klassen einzuordnen und das verbleibende Zeitfenster zu nutzen, um die neuen Anforderungen rechtzeitig bis Juni 2021 umzusetzen. An der Frankfurt School k\u00f6nnen Sie sich mit der Qualifizierung <a href=\"https:\/\/execed.frankfurt-school.de\/home\/individuals\/risk-management\/zertifikatsstudiengang-meldewesen-wpf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Meldewesenspezialist f\u00fcr Wertpapierinstitute<\/a> das notwendige Wissen aneignen, um die neuen Meldeb\u00f6gen regelkonform ausf\u00fcllen zu k\u00f6nnen.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ende Juni 2021 tritt f\u00fcr Wertpapierfirmen ein neues Aufsichtsregime in Kraft. 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