{"id":27611,"date":"2021-09-21T09:49:26","date_gmt":"2021-09-21T08:49:26","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.frankfurt-school.de\/?p=27611"},"modified":"2021-11-18T09:02:24","modified_gmt":"2021-11-18T08:02:24","slug":"spacs-die-turbomaschine-fur-borsengange","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.frankfurt-school.de\/de\/spacs-die-turbomaschine-fur-borsengange\/","title":{"rendered":"SPACs: die Turbomaschine f\u00fcr B\u00f6rseng\u00e4nge"},"content":{"rendered":"<p>Mit SPACs (Special Purpose Acquisition Companies) hat eine Art des B\u00f6rsenganges den deutschen Aktienmarkt betreten, die man gerade in Zeiten einer Pandemie nicht vermutet h\u00e4tte. SPACs\u2013 leere H\u00fcllen bzw. Mantelgesellschaften oder Firmen ohne eigenes operatives Gesch\u00e4ft \u2013 sind hierzulande noch nicht mit Vollgas unterwegs. Mit gerade mal vier B\u00f6rseng\u00e4ngen in 2021 best\u00e4tigt es sich, dass Deutschland nicht sehr aktien- oder risikoaffin ist. Es fehlt auch an Routine im Umgang mit Investments dieser Art. Im Gegensatz hierzu sind SPACs in den USA mit circa 50 Prozent aller B\u00f6rseng\u00e4nge in 2020 im dortigen Aktienmarkt fest verankert, auch wenn die Anzahl im 2. Quartal r\u00fcckl\u00e4ufig war und kritische Stimmen vor einer S\u00e4ttigung des SPAC-Marktes warnen.<\/p>\n<h2>Wichtig sind Informationen \u00fcber die Gr\u00fcnder<\/h2>\n<p>Zwar finden europ\u00e4ische Investoren SPACs attraktiv, jedoch haben sich das Konzept und die Vorgehensweise noch nicht durchsetzen k\u00f6nnen. W\u00e4hrend bei klassischen B\u00f6rseng\u00e4ngen \u201ewirkliche\u201c Unternehmen gehandelt werden, sind SPACs zun\u00e4chst Kapitalsammelstellen. Dahinter verbirgt sich oft ein bekannter Investor, der in einer bestimmten Branche oder einem bestimmten Markt in Erscheinung treten m\u00f6chte \u2013 allerdings mit einem Unternehmen, das es (noch) nicht gibt. Potenzielle Anleger entscheiden sich demnach nicht f\u00fcr ein bekanntes Gesch\u00e4ftsmodell, sondern investieren in die Idee, Pl\u00e4ne und das Geschick von Investoren, dies erfolgreich umzusetzen. Immerhin haben sie die M\u00f6glichkeit, aus der Transaktion auszusteigen, wenn ihnen das Gesch\u00e4ft unsicher oder nicht erfolgsversprechend scheint.<\/p>\n<p>SPACs kann man als \u201eTurbomaschine f\u00fcr B\u00f6rseng\u00e4nge&#8220; beschreiben. W\u00e4hrend der klassische Weg etwa ein Jahr in Anspruch nimmt, wird der Prozess bei SPACs auf rund drei Monate verk\u00fcrzt. Anleger brauchen Informationen \u00fcber die Gr\u00fcnder und sie m\u00fcssen festlegen, in welchen Bereich sie investieren wollen. Umso bedeutsamer ist das Know-how und das Netzwerk der Initiatoren, das sie bef\u00e4higt, das richtige Zielobjekt zu finden. Genau darauf vertrauen die Investoren.<\/p>\n<p>Damit ist der Umgang mit SPACs immer spekulativ und auch risikoreich. Das merken Banken und Investmentgesellschaften nicht so sehr wie Kleinanleger, die sich \u00fcber SPACs an Private Equity und Venture Capital Strategien beteiligen k\u00f6nnen. Dieses Vorgehen ist traditionell institutionellen Anlegern vorbehalten. Dennoch ist Vorsicht geboten: Anders als beispielsweise bei der Siemens-Aktie kauft man eine Katze im Sack, beziehungsweise ist es vollkommen unklar, ob in dem Sack \u00fcberhaupt eine Katze ist, d.h. in welches Unternehmen man investiert. Zudem sind SPACs durch die fehlende Kontrolle durch die Aufsicht, die \u201enormale\u201c B\u00f6rseng\u00e4nge durchlaufen m\u00fcssen, potenziell anf\u00e4lliger f\u00fcr Betrug.<\/p>\n<h2>SPACs sind interessant f\u00fcr den Mittelstand<\/h2>\n<p>Dennoch k\u00f6nnen SPACs viel mehr als man ihnen gemeinhin zutraut: Sie k\u00f6nnen ein Vehikel f\u00fcr Mittelstandsfinanzierungen sein, sie k\u00f6nnen f\u00fcr Startups eine Alternative zu Venture Capital sein, sie k\u00f6nnen im zweistelligen Millionenbereich funktionieren und sie sind kompatibel mit deutschen Strukturen. Hierbei stellen sich jedoch eine Reihe von rechtlichen Fragen. So steht im Raum, ob das deutsche Gesellschaftsrecht nicht zu SPAC-feindlich ausgestaltet ist und es kurzfristig einer Reform bedarf, um im Wettbewerb bestehen zu k\u00f6nnen. Hinzu kommt, dass insbesondere f\u00fcr die Thematik Unternehmensnachfolge im Mittelstand deutsche Strukturen m\u00f6glicherweise mehr Sicherheit schaffen.<\/p>\n<p>SPACs sind im aktuellen Niedrigzinsumfeld und angesichts eines sehr <a href=\"https:\/\/execed.frankfurt-school.de\/home\/individuals\/finance\/mergers-and-acquisitions\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">aktiven M&amp;A-Marktes eine interessante Option<\/a> sowohl f\u00fcr B\u00f6rsenaspiranten wie auch f\u00fcr Unternehmensverk\u00e4ufe. Noch ist offen, wie sie zu einer etablierten Finanzierungsoption neben anderen alternativen Instrumenten, wie etwa Private Equity, Private Debt, Mittelstandsanleihen oder synthetischen Strukturen, werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Die Frage ist, ob der deutsche Aktienmarkt mit seinen eher reservierten Anlageverhalten f\u00fcr SPACs geeignet ist. Es kann also sein, dass die deutschen Anleger weiterhin skeptisch bleiben. Auf der anderen Seite fehlt es derzeit an attraktiven Anlageobjekten. Schauen wir mal!<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mit SPACs (Special Purpose Acquisition Companies) hat eine Art des B\u00f6rsenganges den deutschen Aktienmarkt betreten, die man gerade in Zeiten einer Pandemie nicht vermutet h\u00e4tte. SPACs\u2013 leere H\u00fcllen bzw. Mantelgesellschaften oder Firmen ohne eigenes operatives Gesch\u00e4ft \u2013 sind hierzulande noch nicht mit Vollgas unterwegs. 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