{"id":29739,"date":"2022-05-18T07:00:05","date_gmt":"2022-05-18T06:00:05","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.frankfurt-school.de\/?p=29739"},"modified":"2023-02-08T08:12:13","modified_gmt":"2023-02-08T07:12:13","slug":"ma-zwischen-corona-pandemie-und-ukraine-krieg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.frankfurt-school.de\/de\/ma-zwischen-corona-pandemie-und-ukraine-krieg\/","title":{"rendered":"M&#038;A zwischen Corona-Pandemie und Ukraine-Krieg"},"content":{"rendered":"<p>Der M&amp;A-Markt wurde in den letzten zwei Jahren durch die Corona-Pandemie und den Ukraine-Krieg mit zwei Ereignissen konfrontiert, die ihn wie auch die Wirtschaft und Gesellschaft enorm getroffen haben. Auftakt war der erste Corona-Lockdown ab M\u00e4rz 2020. Der bis dahin seit Jahren stabile Markt f\u00fcr Unternehmens\u00fcbernahmen wechselte in den Stillstand. Transaktionen wurden gestoppt, Bewertungen hinterfragt und bei der Gestaltung von Unternehmenskaufvertr\u00e4gen kamen pl\u00f6tzlich Themen wie Earn out oder R\u00fccktrittsklauseln = Material Adverse Change Clauses auf den Tisch.<\/p>\n<p>Infolge der Corona-Pandemie mussten Gesch\u00e4ftsmodelle neu bewertet werden. \u00dcberraschenderweise funktionieren bestimmte Online-Gesch\u00e4ftsmodelle, die Angesichts der Pandemie entstanden sind, sogar besser. Der daraus resultierende Innovationsschub sorgte f\u00fcr dynamisch wachsende Unternehmen. So kam es beispielsweise in Deutschland zu einer schlagartigen Zunahme von Unicorns, was auch den Markt f\u00fcr B\u00f6rseng\u00e4nge im letzten Jahr beeindruckend belebte.<\/p>\n<p>All dies passierte im vierten Quartal 2021: Es gab genug Ans\u00e4tze, um dar\u00fcber nachzudenken, inwieweit eine Pandemie zu einer M&amp;A-Welle f\u00fchren k\u00f6nnte. Die Aussichten f\u00fcr 2022 waren ausgezeichnet. Doch dann kam der Ukraine-Krieg am 24. Februar 2022. Historisch gesehen hatten lang dauernde Kriege das Gesch\u00e4ft mit M&amp;A keine signifikanten Auswirkungen. Dies ist jetzt anders. Zwei Ebenen sind klar zu unterscheiden: M&amp;A mit Bezug zu Russland und der weltweite M&amp;A-Markt w\u00e4hrend der russischen Invasion.<\/p>\n<p>Trotz der beeindruckenden russischen Devisen-Reserven sind grenz\u00fcberschreitende Unternehmens\u00fcbernahmen mit russischen Beteiligten seit 2014 weitgehend unbedeutend. Die Annexion der Krim und die damals verh\u00e4ngten Sanktionen haben Deals f\u00fcr internationale Akteure weitgehend unattraktiv gemacht.<\/p>\n<h2><strong>Versch\u00e4rfte Kontrolle <\/strong><\/h2>\n<p>Die Au\u00dfenwirtschaftskontrolle in allen Mitgliedstaaten der EU wurde seit 2014 und noch einmal seit Anfang 2020 dar\u00fcber hinaus massiv versch\u00e4rft. Auch dies hat Transaktionen zunehmend komplizierter, kostspieliger und damit unwahrscheinlicher gemacht. Zudem kommt noch aktuell hinzu, dass gro\u00dfe internationale Rechtsanwaltskanzleien alle angek\u00fcndigt haben, ihre B\u00fcros in Moskau oder Sankt Petersburg zu schlie\u00dfen. Selbst wenn man also eine nicht sanktionsbewehrte Transaktion durchf\u00fchren m\u00f6chte, fehlt es den Beteiligten nunmehr an Berater:innen. Auch kommt hinzu, dass im Hinblick auf Geldw\u00e4sche, Ultimate Benificial Owner etc. und angesichts des starken und informellen Staatseinflusses vielfach schwer rechtsverbindlich abzukl\u00e4ren ist, ob ein Unternehmen oder ein\/e Unternehmer:in unter die dar\u00fcber versch\u00e4rften Sanktionsregime f\u00e4llt. Zu allem \u00dcberfluss kommen die derzeit unkalkulierbaren Reputationsrisiken f\u00fcr Gesch\u00e4ftsaktivit\u00e4ten in oder mit Russland hinzu. All dies wird dazu f\u00fchren, dass Transaktionen mit russischen Beteiligten noch einmal stark zur\u00fcckgehen, m\u00f6glicherweise \u00fcberhaupt keine Rolle mehr auf dem internationalen M&amp;A-Markt spielen werden. Gesch\u00e4ftsaktivit\u00e4ten in Russland k\u00f6nnten, wie etwa Zweigniederlassungen oder Joint Ventures, im Prinzip nicht russische M&amp;A-Transaktionen in Frage stellen. Technisch ist dies ein l\u00f6sbares Problem, man kann das Gesch\u00e4ft in Russland abspalten \u2013 quasi aus der Transaktion herausnehmen \u2013, um damit Genehmigungen der derzeit schwer berechenbaren nationalen Kartell- und Au\u00dfenwirtschaftsbeh\u00f6rden \u201eaus dem Spiel\u201c zu nehmen. Dies ist eine Taktik, die in der Vergangenheit bei \u201eschwierigen Jurisdiktionen\u201c funktioniert hat. Das Kernproblem f\u00fcr den M&amp;A-Markt in den n\u00e4chsten Monaten ist aber, wie er auf die Vielzahl von \u201enegativen\u201c \u00e4u\u00dferen Einfl\u00fcssen reagiert. Schon vor dem Krieg stieg die Inflationsrate signifikant an, und jetzt kommen Unterbrechungen von Lieferketten, massive Preiserh\u00f6hungen etwa bei Energie oder Getreide und steigende Zinsen hinzu.<\/p>\n<h2><strong>Stillstand oder grundlegende Ver\u00e4nderungen? <\/strong><\/h2>\n<p>Insoweit stellt sich die Frage, wie und ob Unternehmens\u00fcbernahmen und B\u00f6rseng\u00e4nge angesichts einer vielf\u00e4ltigen Unsicherheit der richtige Weg sind. Dabei waren gerade die zahlreichen \u00f6konomischen und politischen B\u00f6rseng\u00e4nge von Spacs \u00fcber gro\u00dfe Strategen wie Daimler Trucks bis zu spannenden Unicorns ein wichtiger Bestandteil des M&amp;A-Markts 2021. Aktuell bleibt jedoch unklar, ob der Markt jetzt nur in einem Ruhestand ist oder aber ob wir vor einem grundlegenden Einschnitt, einer Ver\u00e4nderung stehen. Wie also funktionieren Innovation und externes Wachstum im Zeitalter eines Krieges? Vieles spricht daf\u00fcr, dass sich der <a href=\"https:\/\/execed.frankfurt-school.de\/home\/individuals\/finance\/zertifikatsstudiengang-mergers-acquisitions\">M&amp;A-Markt<\/a> im ersten Halbjahr 2022 massiv ver\u00e4ndert hat.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der M&amp;A-Markt wurde in den letzten zwei Jahren durch die Corona-Pandemie und den Ukraine-Krieg mit zwei Ereignissen konfrontiert, die ihn wie auch die Wirtschaft und Gesellschaft enorm getroffen haben. Auftakt war der erste Corona-Lockdown ab M\u00e4rz 2020. Der bis dahin seit Jahren stabile Markt f\u00fcr Unternehmens\u00fcbernahmen wechselte in den Stillstand. Transaktionen wurden gestoppt, Bewertungen hinterfragt [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1070,"featured_media":29788,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[51],"tags":[85,2163],"class_list":["post-29739","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-executive-education","tag-finance","tag-mergers-acquisitions"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blog.frankfurt-school.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/29739","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blog.frankfurt-school.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blog.frankfurt-school.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.frankfurt-school.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1070"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.frankfurt-school.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=29739"}],"version-history":[{"count":11,"href":"https:\/\/blog.frankfurt-school.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/29739\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":30337,"href":"https:\/\/blog.frankfurt-school.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/29739\/revisions\/30337"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.frankfurt-school.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/29788"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blog.frankfurt-school.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=29739"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.frankfurt-school.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=29739"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.frankfurt-school.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=29739"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}