{"id":30618,"date":"2022-08-09T07:00:53","date_gmt":"2022-08-09T06:00:53","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.frankfurt-school.de\/?p=30618"},"modified":"2023-02-07T14:17:47","modified_gmt":"2023-02-07T13:17:47","slug":"der-zahlungsverkehr-als-top-thema-der-bankwirtschaft-und-im-handelsgeschaft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.frankfurt-school.de\/de\/der-zahlungsverkehr-als-top-thema-der-bankwirtschaft-und-im-handelsgeschaft\/","title":{"rendered":"Der Zahlungsverkehr als Top-Thema der Bankwirtschaft und im Handelsgesch\u00e4ft"},"content":{"rendered":"<p>Nach vielen guten wirtschaftlichen Jahren und wenig Risiken hat sich die Welt im Au\u00dfenhandel sp\u00e4testens seit 2022 signifikant ver\u00e4ndert. Diversifikation ist gefragt. Gesch\u00e4fte in unsicheren Zeiten \u2013 sei es mit neuen Abnehmern oder Lieferanten oder bestehenden Gesch\u00e4ftsbeziehungen \u2013 verlangen nach zunehmender Absicherung. Im Vordergrund stehen:<\/p>\n<ul>\n<li>das Abnahme- und Bonit\u00e4tsrisiko des Exporteurs<\/li>\n<li>das Zahlungsrisiko des Importeurs<\/li>\n<li>das politische Risiko des Import- und Exportlandes<\/li>\n<li>gegebenenfalls die W\u00e4hrung<\/li>\n<\/ul>\n<p>Klassisches Instrument f\u00fcr die Absicherung im internationalen Gesch\u00e4ft ist das Akkreditiv. Vereinfacht gesagt erfolgt die Zahlung aus dem Handelsgesch\u00e4ft dann, wenn die vereinbarten (und vom Importeur vorher geforderten) Dokumente vollst\u00e4ndig, fehlerfrei und rechtzeitig\/fristgerecht\u00a0der Importeurbank vorgelegt werden. Im Fall der Absicherung von Bonit\u00e4ts- und politischen Risiken bei der Importeur(bank) wird das Akkreditiv best\u00e4tigt.<\/p>\n<h2>Transportproblematik schl\u00e4gt auf Zahlungsabsicherung durch<\/h2>\n<p>Steigende Nahrungsmittelpreise, Zinsen und zunehmende Inflation haben erhebliche Auswirkungen auf viele Staatshaushalte, gerade in Entwicklungs- und Schwellenl\u00e4ndern. Dies hat meist nachlassende Bonit\u00e4tseinsch\u00e4tzungen zur Folge.\u00a0Probleme in Liefer- und Transportketten erschweren eine p\u00fcnktliche Fertigstellung bzw. eine p\u00fcnktliche Verladung oder eine fristgerechte Ankunft. Aus Sicht des Importeurs bzw. seiner Bank werden dann nicht alle Dokumente fristgerecht vorgelegt, zum Beispiel das Konnossement f\u00fcr die Verladung der Ware, wenn das Schiff vorher \u201efeststeckte\u201c. Dies erm\u00f6glicht es der Importeurbank in Absprache mit dem Importeur, die Ware nicht mehr abzunehmen und die Zahlung zu verweigern.\u00a0Damit schl\u00e4gt die Transportproblematik auch auf die Zahlungsabsicherung durch. Um dies weiter abzusichern, werden Akkreditive komplexer und in der Laufzeit l\u00e4nger, was letztlich meist vom Importeur nicht gewollt ist.<\/p>\n<p>Banken der Exporteure profitieren hiervon in doppeltem Ma\u00dfe. Einerseits ben\u00f6tigen die Kunden verst\u00e4rkt Beratung in diesen Themen, andererseits wird die Best\u00e4tigung von Akkreditiven durch Exporteure bzw. die Er\u00f6ffnung durch Importeure verst\u00e4rkt nachgefragt. Gleichzeitig stehen Exporteur- und Importeurbank vor dem Problem, Zahlungen sicher weiterzuleiten. Die letzten Jahre wurde das Korrespondenzbankensystem bei allen Kreditinstituten vor allem vor dem Know Your Customers&#8216; Customer (KYCC)-Hintergrund signifikant ausged\u00fcnnt. Zahlungswege wurden konzentriert.<\/p>\n<h2>Fehlende Digitalisierung im dokument\u00e4ren Zahlungsverkehr<\/h2>\n<p>W\u00e4hrend wesentliche Teile der Bankprozesse \u2013 insbesondere der Zahlungsverkehr \u2013 schon heute sehr stark digitalisiert sind, trifft dies beim dokument\u00e4ren Zahlungsverkehr, bei dem Akkreditiv und Inkasso eine zentrale Rolle einnehmen, nicht zu.\u00a0In der Praxis erfolgt die Bearbeitung um das Akkreditiv noch sehr papierhaft. Nahezu bzw. alle von der Importeurbank geforderten Dokumente sind in Papierform vorzulegen. Aus Sicht der Unternehmen und Logistiker ist dies aufw\u00e4ndig und unpraktisch. Digitalisierungs-Bestrebungen, die insbesondere aus der Logistikbranche entstammen, stecken noch in den Kinderschuhen.\u00a0Gr\u00fcnde sind einerseits fehlende einheitliche Standards, andererseits das Bed\u00fcrfnis von Banken, die Dokumente papierhaft zu bearbeiten. Kryptobasierte Transaktionen erm\u00f6glichen einen Tausch von digitalen Unterlagen, wenn beide Parteien zugestimmt haben. Damit ist eine volle Digitalisierung der Gesch\u00e4ftsprozesse in Banken und Unternehmen denkbar.<\/p>\n<p>Vor dem Hintergrund hoher Volatilit\u00e4ten der Kryptowerte sowie erster Insolvenzen von Kryptoverwahrstellen und -marktpl\u00e4tzen stellen sich Fragen nach den damit verbundenen Risiken, deren Einbindung in Gesch\u00e4ftsprozesse sowie die Regulierung bei Spekulation und Verwahrung.<\/p>\n<h2>Neue Techniken erh\u00f6hen den Managementaufwand f\u00fcr Banken &#8211; Know how ist gefragt!<\/h2>\n<p>F\u00fcr Banken ist dies Chance und Risiko zugleich. Sie sind Regulierung \u201egewohnt\u201c und k\u00f6nnen dadurch in einem f\u00fcr sie attraktiven Gesch\u00e4ftsfeld die Ertr\u00e4ge steigern. Zudem forcieren sie das \u201epapierhafte\u201c Gesch\u00e4ft und es besteht die Gefahr, dass FinTechs und Spediteure hier Gesch\u00e4ftsprozesse und Unterlagen digitalisieren. Banken werden dadurch schnell austauschbar, Ertr\u00e4ge sinken. F\u00fcr Unternehmen bedeutet der Anstieg des Akkreditivgesch\u00e4fts zun\u00e4chst mehr Kosten (und Papier), aber auch eine bessere Absicherung. Insofern werden sie gerne auf Angebote von gro\u00dfen Spediteuren oder FinTechs zur\u00fcckkommen, Unterlagen zu digitalisieren. Gerade in der Industrie sind Gesch\u00e4ftsprozesse meist schon stark digitalisiert. Ist diese Entwicklung allen Playern so bewusst?<\/p>\n<p>Fazit: Unternehmen wollen ihre Risiken, Zahlungs-, Abnahme- und Adressenausfallrisiken absichern. Banken bieten die hierf\u00fcr erforderliche Infrastruktur. Lieferketten- und vor allem Transportausf\u00e4lle bergen deutliche Risiken, kombiniert mit einem erheblich versch\u00e4rften Sanktionsregime. All dies m\u00fcssen Banken managen. Gleichzeitig sind sie mit neuen Techniken konfrontiert, unter anderem dem Kryptoeinsatz. Der Zahlungsverkehr \u2013 nichtdokument\u00e4r wie dokument\u00e4r \u2013 hat sich zu einem Top-Thema der Bankwirtschaft und des Handels entwickelt. Wichtig f\u00fcr Unternehmen aus Industrie und der Finanzbranche sind daher regelm\u00e4\u00dfige <a href=\"https:\/\/execed.frankfurt-school.de\/home\/individuals\/payments-credit\/certified-payment-professional\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Wissens-Updates<\/a> zu aktuellen Entwicklungen und Zukunftstrends.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nach vielen guten wirtschaftlichen Jahren und wenig Risiken hat sich die Welt im Au\u00dfenhandel sp\u00e4testens seit 2022 signifikant ver\u00e4ndert. Diversifikation ist gefragt. Gesch\u00e4fte in unsicheren Zeiten \u2013 sei es mit neuen Abnehmern oder Lieferanten oder bestehenden Gesch\u00e4ftsbeziehungen \u2013 verlangen nach zunehmender Absicherung. 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