{"id":31919,"date":"2023-02-01T08:00:46","date_gmt":"2023-02-01T07:00:46","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.frankfurt-school.de\/?p=31919"},"modified":"2023-03-31T07:41:26","modified_gmt":"2023-03-31T06:41:26","slug":"besonderheiten-von-ma-transaktionen-in-zeiten-der-krise-und-insolvenzen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.frankfurt-school.de\/de\/besonderheiten-von-ma-transaktionen-in-zeiten-der-krise-und-insolvenzen\/","title":{"rendered":"Besonderheiten von M&#038;A Transaktionen in Zeiten der Krise und Insolvenzen"},"content":{"rendered":"<p>W\u00e4hrend und nach der Krise sind Kauf und Verkauf von Unternehmen oder Unternehmensteilen eine \u00fcbliche Praxis und dienen beispielsweise der Cash-Generierung bzw. der Portfoliobereinigung. Nach vielen Jahren der r\u00fcckl\u00e4ufigen Unternehmensinsolvenzen hat sich die Zahl 2022 wieder erh\u00f6ht und eine Zunahme an Krisenf\u00e4llen verzeichnet. Befeuert wurde dies haupts\u00e4chlich durch inflationsbedingte und industrie\u00fcbergreifende Nachfrageschocks sowie aufgrund der durch die Pandemie und fragile Lieferketten geschw\u00e4chten Wirtschaft. Die Herausforderungen im Zuge eines Unternehmenserwerbs bzw. der -ver\u00e4u\u00dferung wandeln sich fundamental, sobald eine Krise die Transaktion beeinflusst.<\/p>\n<h2><strong>Die Transaktionssicherheit gewinnt an Bedeutung<\/strong><\/h2>\n<p>Distressed M&amp;A findet insbesondere ab der Liquidit\u00e4tskrise und dem Start der aktiven Restrukturierung Anwendung. In dieser Phase m\u00fcssen die Auswirkungen der Krise auf das Unternehmen richtig eingesch\u00e4tzt werden und oft gilt es, eine Interessensdivergenz der Stakeholder aufzul\u00f6sen bzw. dieser zu begegnen. In vielen F\u00e4llen sind bereits Ma\u00dfnahmen mit F\u00e4lligkeitsorientierung wie z. B. Stundungen, Stand-Still-Agreements und Working Capital Optimierungen im Einsatz und fungieren als Erstma\u00dfnahmen der Gesch\u00e4ftsriege zur Erhaltung von Liquidit\u00e4t in der Krise.<\/p>\n<p>Der Verkauf bzw. die \u00dcbernahme von Unternehmen aus Krise und Insolvenz erfordern unter Zeitdruck einen k\u00fchlen Kopf zu bewahren und die verschiedenen Interessen der Stakeholder sowie die eingesetzten Stabilisierungsma\u00dfnahmen permanent zu managen. Kritisch zu beachten sind zudem die Besonderheiten der jeweiligen Phase der Krise. Der insolvenznahe M&amp;A-Prozess unterscheidet sich rudiment\u00e4r von dem M&amp;A-Prozess ab Beginn der Insolvenz. W\u00e4hrend im Rahmen eines insolvenznahen Verfahrens in der Regel die Eigent\u00fcmer aktiv L\u00f6sungen suchen, steht f\u00fcr das Unternehmen im Insolvenzverfahren die Gl\u00e4ubigerbefriedigung im Vordergrund. Aus diesem Grund m\u00fcssen in der Insolvenz alle potenziellen Investoren in den Prozess eingebunden werden.<\/p>\n<p>Entscheidend bei der Wertfindung und der Ausgestaltung des Prozesses sind die Cash-Reserve des Unternehmens und m\u00f6gliche Stabilisierungsma\u00dfnahmen, die Zeit gewinnen oder eine Begr\u00fcndung f\u00fcr einen akzelerierten Prozess darstellen k\u00f6nnen. Durch den Einsatz von Adjustments \/ Normalisierungen kann in F\u00e4llen mit einer hohen Cash-Reserve zwar ein Einsatz von marktbasierten Bewertungsverfahren erm\u00f6glicht werden, h\u00e4ufig erfolgt jedoch die Anwendung von Liquidationswerten durch Investoren, also der Einsatz von Ver\u00e4u\u00dferungspreisen. Ebenfalls sollten die Eigentumsverh\u00e4ltnisse stets sorgf\u00e4ltig gepr\u00fcft werden, da in der Regel Teile des Anlageverm\u00f6gens nicht im Eigentum der Gesellschaft stehen (z. B. Eigentumsvorbehalte). An dieser Stelle ergibt sich in vielen F\u00e4llen eine Herausforderung in der Insolvenz. Zu beachten ist ferner, dass viele Unternehmen in der Krise \u00fcber eine schlechte Datenlage und kein performantes <a href=\"https:\/\/execed.frankfurt-school.de\/home\/individuals\/controlling-accounting\/digital-controlling-specialist\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Controlling<\/a> verf\u00fcgen, um die oben genannten Punkte zu adressieren.<\/p>\n<h2><strong>Krisenursachen effizient beseitigen<\/strong><\/h2>\n<p>Durch den Erwerb in der Insolvenz k\u00f6nnen Investoren, Krisenursachen schnell beseitigen. Hierf\u00fcr muss jedoch vorab eine Planungsbasis geschaffen werden und schnell eine Datenpr\u00fcfung vollzogen werden. Dies erfolgt durch eine Sanierungsplanung und die Identifikation m\u00f6glicher wert- und transaktionsbeeinflussender Informationen. Unter Umst\u00e4nden ist auch eine Ableitung des Finanzbedarfs notwendig. Parallel verf\u00fcgen viele Unternehmen in der Krise \u00fcber einen Knowledge-Verlust und limitierten Zugang zum Management und zu Mitarbeitern.<\/p>\n<p>Im Rahmen einer Due Diligence m\u00fcssen diese Aspekte gezielt durch insolvenzerfahrene Berater bespielt und durch eine resiliente Planung wieder Vertrauen in der Belegschaft sowie bei potentiellen Investoren hergestellt werden. Der Insolvenzbaukasten erlaubt es, die aufgedeckten Risiken f\u00fcr den Erwerber zu mitigieren. Sofern auf kommerzieller Seite ein Nutzen durch eine Transaktion geschaffen werden kann, sollten zur Auswahl der Transaktionsstruktur Faktoren wie Lizenzen, Genehmigungen und Kundenvertr\u00e4ge im Fokus beleuchtet werden. Im Anschluss ist die Auswahl der anschlie\u00dfenden Erwerbsstruktur zum Beispiel in Form eines Asset Deals, Share Deals (bei Einsatz eines Insolvenzplans) oder durch Nutzung von Umwandlungsma\u00dfnahmen entscheidend. Im Rahmen eines Asset Deals verbleiben etwa s\u00e4mtliche Verbindlichkeiten bei dem insolventen Rechtstr\u00e4ger und werden nicht \u00fcbernommen, w\u00e4hrend das Insolvenzplanverfahren den Erhalt des Rechtstr\u00e4gers erlaubt und alle Vertragsbeziehungen und Genehmigung fortbestehen.<\/p>\n<h2><strong>Personalplanung vereinfachen<\/strong><\/h2>\n<p>W\u00e4hrend insolvenznahe Personalrestrukturierungen kostspielig sein k\u00f6nnen, bestehen ab Beginn der Insolvenz viele Sonderrechte, wie zum Beispiel in Kontext von Vertr\u00e4gen Sonderk\u00fcndigungs- und Wahlrechte, die durch den Insolvenzverwalter genutzt werden k\u00f6nnen. Ein zentraler Ankerpunkt eines Asset Deals ist der Betriebs\u00fcbergang, dessen ma\u00dfgebliches Ziel der Arbeitnehmerschutz darstellt und der teleologisch \u00fcber den wirtschaftlichen Interessen des Erwerbers steht. Eine m\u00f6gliche Umgehung von Risiken resultierend aus einem Betriebs\u00fcbergang besteht beispielsweise im Einsatz einer Besch\u00e4ftigungs- und Qualifizierungsgesellschaft (BQG), wodurch sich eine m\u00f6glichst sozialvertr\u00e4gliche L\u00f6sung gestalten l\u00e4sst.<\/p>\n<h2><strong>Alle Aspekte m\u00fcssen parallelisiert bewertet werden, der Zeitfaktor ist hier mitentscheidend!<\/strong><\/h2>\n<p>Eine Krise bietet zwar die M\u00f6glichkeit, Zielunternehmen zu attraktiven Preisen und ohne Altlasten zu erwerben, jedoch erfordert das ein hohes Ma\u00df an Stakeholder-Management. Auch wenn Garantien und Gew\u00e4hrleistungen in Insolvenzszenarien meist nicht bestehen, werden Unternehmensteile mit Risiken in der Regel nicht \u00fcbertragen und abgegrenzt. Ebenfalls spielen &#8222;politische&#8220; Reputationsrisiken durch vermeintliche Umstrukturierung auf dem R\u00fccken der Steuerzahler und potenzielle Image- bzw. Reputationsverluste bei Kunden und Lieferanten eine wichtige Rolle bei der Bewertung, welche z. B. durch eine Kommunikationsstrategie integriert werden k\u00f6nnen. Entscheidend f\u00fcr den Transaktionserfolg ist eine hohe Handlungsgeschwindigkeit und eine <a href=\"https:\/\/execed.frankfurt-school.de\/home\/individuals\/finance\/mergers-and-acquisitions\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">pragmatische Herangehensweise<\/a> zur Vermeidung von Zeit- und Ressourcenengp\u00e4ssen auf beiden Seiten. F\u00fcr den Insolvenzverwalter muss eine L\u00f6sungsfindung im Idealfall bis zur Verfahrenser\u00f6ffnung und dem Auslaufen von Insolvenzgeldzahlungen vorliegen.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>W\u00e4hrend und nach der Krise sind Kauf und Verkauf von Unternehmen oder Unternehmensteilen eine \u00fcbliche Praxis und dienen beispielsweise der Cash-Generierung bzw. der Portfoliobereinigung. 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