{"id":31947,"date":"2023-01-23T08:00:31","date_gmt":"2023-01-23T07:00:31","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.frankfurt-school.de\/?p=31947"},"modified":"2023-03-31T07:36:08","modified_gmt":"2023-03-31T06:36:08","slug":"energiewende-ja-bitte-aber-nicht-zu-teuer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.frankfurt-school.de\/de\/energiewende-ja-bitte-aber-nicht-zu-teuer\/","title":{"rendered":"Energiewende? Ja bitte \u2013 aber nicht zu teuer!"},"content":{"rendered":"<p>Seit \u00fcber 15 Jahren bin ich Teil der Erneuerbaren-Energie-Branche, und selten habe ich ein so dynamisches Jahr wie 2022 erlebt mit Blick auf die Rahmenbedingungen dieser Branche. War der Treiber f\u00fcr den Ausbau der Erneuerbaren bisher im Wesentlichen die notwendige Begrenzung des Klimawandels, wurde allen in diesem Jahr ganz deutlich und schmerzhaft bewusst, wof\u00fcr die Erneuerbaren auch stehen: die Energieunabh\u00e4ngigkeit.<\/p>\n<p>Mit Blick auf die nach der Coronapandemie wieder steil steigenden weltweiten Emissionen und die berechtigte Sorge, dass es zu Energieengp\u00e4ssen kommen kann, m\u00fcssten alle Lichter auf \u201egr\u00fcn\u201c geschaltet sein f\u00fcr den Ausbau der Erneuerbaren. Doch weit gefehlt, und das hat mehrere Gr\u00fcnde.<\/p>\n<h2><strong>Inflation und steigende Zinsen als Hemmnis f\u00fcr Investitionen in Erneuerbare Energien<\/strong><\/h2>\n<p>Auch die Erneuerbare-Energie-Branche kann sich den steigenden Kosten entlang der Wertsch\u00f6pfungskette nicht entziehen. Kannten die Stromgestehungskosten von Solar- und Windparks nur eine Richtung \u2013 von Jahr zu Jahr g\u00fcnstiger zu werden \u2013 schl\u00e4gt das Pendel pl\u00f6tzlich zur anderen Seite aus. Die Stromgestehungskosten steigen zum ersten Mal in ihrer Geschichte und befinden sich mittlerweile wieder auf Niveau des Jahres 2019. Parallel zu den steigenden Materialkosten f\u00fchren vor allem die steigenden Zinskosten dazu, dass viele Projekte keine ausreichende Rentabilit\u00e4t mehr erreichen k\u00f6nnen und Investitionen verschoben werden.<\/p>\n<h2><strong>Ausschreibungen zum wiederholten Male unterzeichnet<\/strong><\/h2>\n<p>Ganz deutlich zeigen sich diese Auswirkungen auch bei den Ergebnissen der Wind- und Solar-Ausschreibungen in Deutschland in 2022. Waren die Ausschreibungen in der Vergangenheit oft \u00fcberzeichnet, laufen sie nun vermehrt ins Leere und bleiben zum wiederholten Male unterzeichnet. Ein dynamischer Ausbau der Erneuerbaren Energie in Deutschland ist mit den aktuellen Bedingungen der Ausschreibungen so nicht zu erreichen. Die Chance, mit der EEG-Novelle 2023 die richtigen Preissignale zu setzen, wurde vertan. Es bleibt nur zu hoffen, dass der Gesetzesgeber die Misere noch erkennt und zielgerichtet nachsteuert.<\/p>\n<h2><strong>R\u00fcckwirkende Eingriffe jetzt auch in Deutschland<\/strong><\/h2>\n<p>Die Erfahrungen aus Spanien, Italien und anderen M\u00e4rkten in Europa und weltweit haben gezeigt, zu welch gro\u00dfer Investitionsunsicherheit und Ausbremsen des Sektors es f\u00fchrt, wenn die Politik r\u00fcckwirkend in die F\u00f6rderung der Erneuerbaren Energien eingreift. Dass so etwas jetzt auch in Deutschland passiert, war immer nur ein fernes Worst Case Szenario, das jetzt faktisch eingetreten ist. Mit der r\u00fcckwirkenden Absch\u00f6pfung von \u201eZufallsgewinnen\u201c der Erneuerbaren, welche in diesem Jahr durch die Zusatzerl\u00f6se der hohen Marktwerte erzielt wurden, macht der Gesetzesgeber die Erneuerbaren zum S\u00fcndenbock des strukturell veralteten Strommarktdesigns, bei dem das teuerste Kraftwerk den Strompreis f\u00fcr alle definiert. Und ja, die Betreiber von Wind- und Solarparks haben 2022 gut verdient, eine dauerhafte \u00dcberf\u00f6rderung ist hier allerdings nicht zu erwarten. Die Diskussion um eine \u00dcberf\u00f6rderung der Erneuerbaren gab es \u00fcbrigens bereits schon mal vor \u00fcber zehn Jahren. Mit dem Ergebnis einer Vollausbremsung der gesamten Branche, von der sie sich bis heute in Deutschland kaum erholt hat.<\/p>\n<h2><strong>Die COP zieht nicht mehr<\/strong><\/h2>\n<p>Und auch die Weltgemeinschaft sendet die falschen Signale f\u00fcr den notwendigen, dynamischen Ausbau der Erneuerbaren. Nach der \u00fcblichen Verl\u00e4ngerung der 27th Conference of Parties (COP 27) in \u00c4gypten wurde nach z\u00e4hem Ringen eine Abschlusserkl\u00e4rung \u201eSharm-el-Sheikh Implementation Plan\u201c unterzeichnet, welcher kaum konkrete Beschl\u00fcsse enth\u00e4lt, sondern die zentralen Handlungsfelder auf k\u00fcnftige COPs verschiebt. Mit Blick auf Klimaschutzambitionen stellt sie lediglich eine m\u00fchsame Best\u00e4tigung der Beschl\u00fcsse der COP 26 in Glasgow dar. Eine angestrebte Umsetzungsbeschleunigung blieb somit aus, und es mehren sich die Fragen, ob das Konstrukt COP dauerhaft seine Daseinsberechtigung haben wird.<\/p>\n<h2><strong>Jetzt muss es der Privatsektor richten<\/strong><\/h2>\n<p>Wenn die Politik versagt, dann muss es halt der Privatsektor richten. Er muss zeigen, dass die Erneuerbaren schon heute eine wirtschaftliche Alternative der Energieversorgung sind. Was international bereits etabliert ist, w\u00e4chst nun auch in Deutschland dynamisch: der Verkauf von Erneuerbare-Energie-Strom \u00fcber Stromkaufvertr\u00e4ge (sogenannte Power Purchase Agreements, PPA) direkt an den Endverbraucher. Industrielle Gro\u00dfabnehmer profitieren hierdurch von einer verl\u00e4sslichen, preisstabilen Stromversorgung und k\u00f6nnen beweisen, dass die Erneuerbaren Energien nicht nur preiswerter sind, sondern auch f\u00fcr eine sichere Energieversorgung stehen.<\/p>\n<p>Der berufsbegleitende Zertifikatsstudiengang <a href=\"https:\/\/execed.frankfurt-school.de\/home\/individuals\/sustainability\/renewable-energy-finance\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Renewable Energy Finance Professional<\/a> verschafft einen grundlegenden Einblick in diesen dynamischen Markt. Die Teilnehmenden lernen die Herausforderungen bei der Projektentwicklung und bewerten Wind- und Solarprojekte. Mithilfe von praxisnahen Finanzmodellen werden Finanzierungsl\u00f6sungen entwickelt und rechtliche Fallstricke herausgearbeitet. Mit dem Zertifikat zeigen die Teilnehmenden, dass sie \u00fcber das Grundlagenwissen verf\u00fcgen, um diese wichtige Zukunftsbranche aktiv mitzugestalten.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seit \u00fcber 15 Jahren bin ich Teil der Erneuerbaren-Energie-Branche, und selten habe ich ein so dynamisches Jahr wie 2022 erlebt mit Blick auf die Rahmenbedingungen dieser Branche. 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