{"id":36852,"date":"2024-07-29T07:00:44","date_gmt":"2024-07-29T06:00:44","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.frankfurt-school.de\/?p=36852"},"modified":"2024-11-11T16:26:17","modified_gmt":"2024-11-11T15:26:17","slug":"totgesagte-leben-langer-bekommen-paypal-und-co-mit-wero-konkurrenz-aus-europa","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.frankfurt-school.de\/de\/totgesagte-leben-langer-bekommen-paypal-und-co-mit-wero-konkurrenz-aus-europa\/","title":{"rendered":"Totgesagte leben l\u00e4nger! Bekommen PayPal und Co. mit &#8222;Wero&#8220; Konkurrenz aus Europa?"},"content":{"rendered":"<p>Alles begann bereits vor vier Jahren mit der <a href=\"https:\/\/www.epicompany.eu\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">European Payment Initiative (EPI)<\/a>, gegr\u00fcndet von sechzehn europ\u00e4ischen Banken aus den wichtigsten SEPA-L\u00e4ndern und Zahlungsdienstleistern um den US-amerikanischen Bezahlsystemen und Kreditkarten Paroli zu bieten.<\/p>\n<p>Man wollte Gro\u00dfes schaffen. Die 13 in Europa etablierten Kartensysteme wie etwa Carte Bleue oder Girocard abl\u00f6sen. Eine App sollte P2P-, E-Commerce und M-Commerce-Transaktionen sowie Geldabhebungen m\u00f6glich machen, inklusive Instant Financing per Knopfdruck bei der Hausbank oder per pay-later-Funktion.<\/p>\n<p>Namhafte Unterst\u00fctzer fand man in der Europ\u00e4ischen Zentralbank und der Europ\u00e4ischen Kommission. Ein Name war auch schnell gefunden: <strong>Wero<\/strong> \u2013 ein Kunstwort, zusammengesetzt aus dem Englischen \u201eWe\u201c (wir) und \u201eEuro\u201c sowie in Anlehnung an das italienische \u201evero\u201c (wahr).<\/p>\n<p>Nach Aussage der teilnehmenden Banken und von Martina Weimert, CEO der EPI Interim Company, sollte der ganze Spa\u00df allerdings einen <a href=\"https:\/\/www.dertreasurer.de\/news\/cash-management\/das-plant-die-european-payments-initiative-15826\/#:~:text=EPI%20braucht%20Unterst%C3%BCtzung%20der%20Banken&amp;text=Laut%20dem%20Portal%20%E2%80%9EFinanz%2DSzene,zu%204%2C2%20Milliarden%20Euro.\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Milliardenbetrag<\/a> kosten. Dann passierte lange Zeit wenig, einige Banken hatten die Initiative zwischenzeitlich sogar verlassen. Gab es einfach zu viele unterschiedliche Interessen und nationale L\u00f6sungen, die sich in der einheitlichen europ\u00e4ischen Antwort wiederfinden sollten?<\/p>\n<h2>Eine EU-Verordnung als Beschleuniger<\/h2>\n<p>2024 kam wieder Bewegung in die ganze Geschichte. Am 8. April 2024 trat die neue <a href=\"https:\/\/eur-lex.europa.eu\/legal-content\/DE\/TXT\/?uri=OJ:L_202400886\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">EU-Instant Payment Verordnung<\/a> in Kraft. Die Umsetzung soll von den Banken und Zahlungsdienstleistern verpflichtend in zwei Wellen erfolgen:<\/p>\n<p><strong>Erste Welle bis Januar 2025:<\/strong><\/p>\n<ol>\n<li>Passive Erreichbarkeit sicherstellen<\/li>\n<li>Instant Payment darf nicht teurer als eine normale SEPA-\u00dcberweisung sein<\/li>\n<li>Reduzierung der Laufzeit von 20 Sekunden. auf 10 Sekunden.<\/li>\n<li>Keine Pr\u00fcfung gegen Sanktion\/Embargolisten. Stattdessen soll t\u00e4glich der Kontenbestand gepr\u00fcft werden.<\/li>\n<\/ol>\n<p><strong>Zweite Welle bis Oktober 2025:<\/strong><\/p>\n<ol>\n<li>Aktive Zahlungsm\u00f6glichkeit sicherstellen<\/li>\n<li>VOP-Service (Verification of payee)<\/li>\n<\/ol>\n<p>Die Umsetzung der Verordnung wird die Banken viel Geld und Ressourcen kosten und gleichzeitig bedeutet es Ertragseinbu\u00dfen durch die Preisharmonisierung.\u00a0Aber der Bummelzug Instant Payment soll endlich zu einem Hochgeschwindigkeitszug werden, da die Nutzung von Instant Payment im einheitlichen Euro-Zahlungsverkehrsraum (SEPA) noch stark hinter den Erwartungen der EU zur\u00fcck liegt.<\/p>\n<p>Wenn mehr Instant Payment genutzt wird, erh\u00f6ht das die strategische Autonomie des europ\u00e4ischen Wirtschafts- und Finanzsektors, so der Gedanke der EU. Dies \u2013 und jetzt wird es spannend \u2013 macht den Weg frei f\u00fcr neue innovative Zahlungsverkehrsl\u00f6sungen au\u00dferhalb der Angebote der \u00fcberm\u00e4chtigen nicht europ\u00e4ischen Zahlungsdienstanbieter, wie Alipay, Google\/Apple Pay, Mastercard, VISA, PayPal.<\/p>\n<h2>Startschuss<\/h2>\n<p>Dann am 2. Juli 2024 war es endlich soweit und <a href=\"https:\/\/wero-wallet.eu\/de\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Wero<\/a> ist mit seinem ersten Zahlungsdienst an den <a href=\"https:\/\/www.google.de\/url?sa=t&amp;rct=j&amp;q=&amp;esrc=s&amp;source=web&amp;cd=&amp;cad=rja&amp;uact=8&amp;ved=2ahUKEwiOu5-zoLWHAxX8qP0HHSoIBVsQFnoECBEQAQ&amp;url=https%3A%2F%2Fwww.tagesschau.de%2Fwirtschaft%2Fverbraucher%2Fwero-paypal-bezahlsystem-digital-wallet-epi-bargeld-smartphone-100.html&amp;usg=AOvVaw2zodzAit_xkNOkLxWoFssK&amp;opi=89978449\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Start<\/a> gegangen. Dieser basiert auf Instant Payments und wirbt dabei direkt mit den Features der neuen EU-Verordnung:<\/p>\n<ul>\n<li>Schnelle Laufzeit = innerhalb 10 Sekunden<\/li>\n<li>Sichere Abwicklung = Empf\u00e4ngerkonto wird mittels VOP gepr\u00fcft<\/li>\n<\/ul>\n<p>Die Aktivierung und Handhabung von Wero soll denkbar simpel sein: Kunden sollen oder k\u00f6nnen Wero (einfach) als Zahlungsdienst in der Banking App der Hausbank aktivieren und dabei ihre Mobilnummer oder E-Mail-Adresse hinterlegen. Eine weitere App wird nicht ben\u00f6tigt. Gezahlt wird zwar von Bankkonto an Bankkonto, aber es muss nicht die lange IBAN angegeben werden, die sich niemand merken kann, sondern nur die vorher hinterlegte Mobilnummer oder E-Mail-Adresse.<\/p>\n<p>F\u00fcr Konsumenten und Privatpersonen h\u00f6rt sich das nach einer guten und konkurrenzf\u00e4higen Alternative zu den L\u00f6sungen der US-amerikanischen Platzhirsche an, wie beispielsweise PayPal. Aber noch fehlt es an Reichweite. Zum Start ist nur die belgische KBC und Teile der deutschen Sparkassen sowie Volks- und Raiffeisenbanken dabei. Weitere europ\u00e4ische Banken sollen folgen, vermutlich 2025. Bis dahin muss die erste Welle der Instant Payment EU-Verordnung umgesetzt sein.<\/p>\n<p>Wero kommt ohne K\u00e4uferschutz, aber das konnte Paydirekt, bekanntlich eine L\u00f6sung nur f\u00fcr den deutschen Markt, so wie es aktuell aussieht, nach neun Jahren auch nicht vor dem Aus sch\u00fctzen.<\/p>\n<p>Auch die Zahlungsprovider hat man diesmal nicht vergessen. Worldline und Nexi sind EPI-Gr\u00fcndungsmitglieder und Computop hat j\u00fcngst verk\u00fcndet, Wero in seiner Payment Platform aufzunehmen, erste Piloten mit H\u00e4ndlern sind f\u00fcr Q4 geplant. Daneben sind die EPI-Verantwortlichen in vielversprechenden Gespr\u00e4chen mit Amazon und chinesischen E-Commerce Plattformen.<\/p>\n<p>F\u00fcr H\u00e4ndler k\u00f6nnte sich Wero als kosteng\u00fcnstige Alternative erweisen, da der Preis f\u00fcr eine Instant Payment vermutlich deutlich g\u00fcnstiger sein wird als der Preis, den PayPal oder die Kreditkartengesellschaften aktuell f\u00fcr Ihre Dienstleistung aufrufen.<\/p>\n<h2>Kleine Anekdote am Rande<\/h2>\n<p>Gibt man \u201eWero\u201c in der Google Suche ein, erscheint die Wero Homepage der EPI nur auf Platz 2.\u00a0Ist das von Google so gewollt? Oder passte das nicht mehr in das Marketing-Budget der EPI?\u00a0Der erste Treffer f\u00fchrt n\u00e4mlich auf die Seite der WERO GmbH &amp; Co. KG Onlineshop. Hier werden Erste-Hilfe-Koffer, Notfallausr\u00fcstungen und Haut- und Arbeitsschutzartikel vertrieben. Hier kann aktuell noch nicht per Wero gezahlt werden, nur die Lgos von PayPal und VISA erscheinen. Da sollte noch nachjustiert werden. Ansonsten ist die Wero Homepage der EPI aus meiner Sicht sehr gelungen.<\/p>\n<h2>FAZIT: Es wird spannend<\/h2>\n<p>Der Zahlungsverkehr ist nach wie vor ein Top-Thema f\u00fcr die Bankwirtschaft und f\u00fcr Unternehmen. Wichtig f\u00fcr Unternehmen aus der Industrie- und Finanzbranche. Insbesondere f\u00fcr Mitarbeitende aus den Abteilungen Treasury, Finanzen und Zahlungsverkehr sowie f\u00fcr Bankmitarbeitende aus den Bereichen Zahlungsverkehr, Electronic-Banking und Cash Management. F\u00fcr diese Berufsgruppen sind daher regelm\u00e4\u00dfige <a href=\"https:\/\/execed.frankfurt-school.de\/home\/individuals\/banking-lending\/certified-payment-professional\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Wissens-Updates<\/a> zu aktuellen Entwicklungen und Zukunftstrends unerl\u00e4sslich.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Alles begann bereits vor vier Jahren mit der European Payment Initiative (EPI), gegr\u00fcndet von sechzehn europ\u00e4ischen Banken aus den wichtigsten SEPA-L\u00e4ndern und Zahlungsdienstleistern um den US-amerikanischen Bezahlsystemen und Kreditkarten Paroli zu bieten. Man wollte Gro\u00dfes schaffen. Die 13 in Europa etablierten Kartensysteme wie etwa Carte Bleue oder Girocard abl\u00f6sen. 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