{"id":36978,"date":"2024-09-16T07:00:47","date_gmt":"2024-09-16T06:00:47","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.frankfurt-school.de\/?p=36978"},"modified":"2024-09-10T16:42:44","modified_gmt":"2024-09-10T15:42:44","slug":"opportunity-for-social-advancement-studying-part-time","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.frankfurt-school.de\/de\/opportunity-for-social-advancement-studying-part-time\/","title":{"rendered":"Chance f\u00fcr den sozialen Aufstieg: Die duale Hochschulbildung"},"content":{"rendered":"<p>Der Studienbeginn meines <a href=\"https:\/\/www.frankfurt-school.de\/home\/programmes\/bachelor\/bachelor-arts\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">berufsbegleitenden Bachelors<\/a> in 2008 an der Frankurt School war weniger ein Ausbildungsbeginn, sondern eher ein sehr gewagter Stabhochsprung, dem Abgrund der Armut zu entrinnen. In Deutschland nicht unm\u00f6glich, aber \u201e<em>against all odds<\/em>\u201c wie man so sch\u00f6n sagt. Das berufsintegrierte Hochschulstudium bewies dabei nicht nur exzellente Ausbildung, sondern ist ein wichtiges Instrument f\u00fcr Bildungsgerechtigkeit und Permeabilit\u00e4t unserer Gesellschaftsschichten.<\/p>\n<p>Ein Pl\u00e4doyer f\u00fcr die duale Universit\u00e4tsausbildung.<\/p>\n<h2>Ein Hochschulstudium war der unwahrscheinlichste Lebensweg<\/h2>\n<p>Deutschlands soziale Chancengleichheit wird oft kritisiert. Seit Jahrzehnten erarbeiten Studien das Problem: Bildungserfolg und Karriere sind deutlich st\u00e4rker als in anderen westlichen L\u00e4ndern an Bildungsstand und soziale Schicht der Eltern als an die eigene Intelligenz und Motivation gekoppelt<sup>1,2<\/sup>.<\/p>\n<p>Wie viele andere, war ich der Erstakademiker einer Familie, in der niemand eine h\u00f6here Ausbildung vorzuweisen hatte. Dennoch gelang der Absprung aufs Gymnasium trotz widriger Vorzeichen. Es gibt durchaus bildungsferne aber sozial kultivierte Eltern, die ihren Kindern aufopferungsvoll helfen. Als Scheidungskind einer alkoholkranken Mutter und eines Vaters, der erneut wieder eine Alkoholikerin heiratete und dem folgenden Herumreichen zwischen den Eltern mit sechs Schulwechseln inklusive Klassenwiederholung hatte das Schicksal das Bonusheft der Zusatzprobleme dagegen mit in die Wiege geworfen.<\/p>\n<p>Bis zum Abitur kann Motivation in Deutschland dennoch weit tragen: Unser Schulsystem ist kostenlos und anders als in manchen L\u00e4ndern braucht man hierzulande nicht auf Privatschulen auszuweichen. Nach der Flucht aus meinem Elternhaus konnte ich somit dank einer Mischung aus Kindergeld, Unterhaltsklage, Sperrm\u00fcll sammeln und Flohmarkthandel meinen Unterhalt sichern und das Abitur dennoch beenden.<\/p>\n<p>Die wahren Probleme beginnen jedoch danach, wenn Bildung zunehmend nicht nur Zeit, sondern auch Geld kostet und der Weg in die Gro\u00dfst\u00e4dte f\u00fchrt \u2013 den M\u00f6glichkeiten prek\u00e4rer Einkommensverh\u00e4ltnisse stehen dann erhebliche Grenzen entgegen.<\/p>\n<h2>Berufsintegriert studieren \u2013 Ein Game-Changer<\/h2>\n<p>Meine Bankausbildung konnte das Problem zun\u00e4chst drei Jahre verschieben bis erneut eine Einkommensl\u00f6sung gefragt war, damit meine Frau und ich beide gemeinsam leben und studieren konnten.<\/p>\n<p>Das berufsintegrierte Studienmodell gemeinsam mit der Commerzbank war damit der K\u00f6nigsweg zur Realisierung einer Hochschulausbildung. Anders als im Schulsystem, kann eine private Hochschule substantiellen Mehrwert bieten. Die damit verbundenen Kosten f\u00f6rdern die soziale Segregation naturgem\u00e4\u00df aber.<\/p>\n<p>Die Teilzeitt\u00e4tigkeit als ausgebildeter Bankkaufmann mit Kostenbeteiligung des Arbeitgebers war dagegen selbst ohne Verm\u00f6gen oder Elternhilfe eine stabile Plattform, das Studium und die eigene Lebensplanung auch jenseits davon voranzutreiben, inklusive der Geburt (und Finanzierbarkeit\u2026!) unseres ersten Kindes gegen Ende meines Studiums.<\/p>\n<p>Gleichzeitig war dieser Pfad ein wahrer Game Changer des sozialen Aufstiegs: Der Bachelor, unterst\u00fctzt durch die gewonnene Praxiserfahrung, war nicht nur die Basis f\u00fcr einen Einstieg ins Investmentbanking, sondern f\u00fcr einen Post-Experience Master an der London Business School und erm\u00f6glichte eine hervorragende Entwicklung als Analyst bei Rothschild, woraus schlie\u00dflich der Wechsel zu Goldman Sachs f\u00fchrte.<\/p>\n<p>Der Weg vom Schrottsammler und Flohmarkth\u00e4ndler bis zum Investmentbanker ist eine Geschichte, die das Leben wohl seltener schreibt. Sie m\u00fcsste aber in einer Welt statistisch gleichverteilter Intelligenz sehr viel h\u00e4ufiger vorkommen.<\/p>\n<p>Dieser Schmetterlingseffekt zeigt im R\u00fcckblick, wie wichtig der etappenweise Aufbau einer Bildungs- und Erwerbskarriere ist. Genau das macht die Laufbahn von Nachwuchstalenten ohne finanzielle Ressourcen aber auch sehr verletzlich. Das berufsintegrierte Hochschulstudium schmiedet an diesem Abgrund eine starke und gesellschaftlich sehr wichtige Br\u00fccke, die Kluft zu \u00fcberwinden.<\/p>\n<h2>Ein Appell f\u00fcr eine starke Duale Hochschulausbildung<\/h2>\n<p>Gegen\u00fcber fr\u00fcher ist das Arbeitgeberinteresse an dualen Studieng\u00e4ngen leider stellenweise zur\u00fcckgegangen. Viele Arbeitgeber, die ein teures berufsbegleitendes Studium f\u00f6rdern, singen das Klagelied, dass die Nachwuchstalente abwandern. Dies ist kein Argument gegen die duale Ausbildung, sondern ein Impuls, Ursachenforschung im eigenen Haus zu betreiben wenn Karriereperspektiven im Anschluss an eine Spitzenausbildung den Absolventen nicht gen\u00fcgend Zuversicht bieten.<\/p>\n<p>Die berufsintegrierte Hochschulbildung bereichert alle Stakeholder durch die eng verzahnte Theorie-Praxis Br\u00fccke und den damit zumeist nahtlosen Vollzeitberufseinstieg nach dem Studium. Die Kopplung eines akademischen Vollzeitstudiums mit einer Teilzeitfunktion ist dabei ein Meilenstein deutscher Bildungsexzellenz, der vielf\u00e4ltige Pfade sowohl in Forschung als auch Industrie erm\u00f6glicht. Der Preis der Doppelbelastung wird jedem Studenten dabei verg\u00fctet durch eine starke Pers\u00f6nlichkeitsentwicklung und der bewiesenen F\u00e4higkeit, Aufgaben zu bew\u00e4ltigen, die mit einer 40-Stunden Woche nicht mehr vereinbar sind.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend diese Facetten h\u00e4ufig diskutiert werden, wird die soziale Funktion dieses Studienweges dagegen zu oft \u00fcbersehen: Die duale Hochschulbildung ist ein Katalysator, der die Durchl\u00e4ssigkeit gesellschaftlicher Schichten f\u00f6rdert und damit einen wichtigen Beitrag zu sozialer Chancengleichheit schafft. Daraus ergibt sich eine gesellschaftliche Verantwortung f\u00fcr Arbeitgeber und Hochschulen, diesen Weg jungen Menschen weiter zu er\u00f6ffnen und vor allem bildungsfernen Milieus bekannt zu machen.<\/p>\n<p>Das ist keine Pflicht\u00fcbung, denn der Fokus auf sozial schwache Bewerber lohnt sich: Als Mentor bei Arbeiterkind habe ich Sch\u00fclern damals geholfen, den Weg ins Studium zu finden. Eines hat sie fast alle geeint: Die herausragende Motivation etwas aus ihrem Leben zu machen. Arbeitgeber sollten nach diesen Talenten suchen \u2013 Die brennende Motivation junger Menschen, die nach einem h\u00f6heren Ziel im Leben streben, l\u00e4sst sich meist nicht im Lebenslauf ablesen und ist doch oftmals gr\u00f6\u00dfter Faktor hinter Spitzenleistungen. Ein starkes duales Hochschulbildungsangebot ist der Schl\u00fcssel, diese Talente zu entwickeln zur Bereicherung der gesamten Gesellschaft.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Studienbeginn meines berufsbegleitenden Bachelors in 2008 an der Frankurt School war weniger ein Ausbildungsbeginn, sondern eher ein sehr gewagter Stabhochsprung, dem Abgrund der Armut zu entrinnen. In Deutschland nicht unm\u00f6glich, aber \u201eagainst all odds\u201c wie man so sch\u00f6n sagt. 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