{"id":4855,"date":"2016-02-25T16:09:48","date_gmt":"2016-02-25T16:09:48","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.frankfurt-school.de\/?p=4855"},"modified":"2019-02-20T14:19:44","modified_gmt":"2019-02-20T13:19:44","slug":"bank-nach-der-finanzmarktkrise","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.frankfurt-school.de\/de\/bank-nach-der-finanzmarktkrise\/","title":{"rendered":"Keine Moral in Sicht? Das Modell Bank nach der Finanzmarktkrise"},"content":{"rendered":"<p><em>Der Ruf nach Ethik und Moral in der Bankenbranche war kurz nach der Finanzmarktkrise sehr laut. Betrachtet man die Entwicklungen nach 2008, wirkt die Bilanz ern\u00fcchternd. Annette Blank, Leiterin des Competence Centers Bankfachwissen und Zahlungsverkehr, bat Herrn Prof. Dr. Klaus Hegemann von der Hochschule Rhein-Waal sowie Dozent der Ethikveranstaltungen im Rahmen der <a href=\"http:\/\/www.frankfurt-school.de\/content\/de\/seminar\/lehrer.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Lehrerseminare <\/a>an der FS, um eine Einsch\u00e4tzung zur Situation.<\/em><\/p>\n<h2>Der geforderte Kulturwandel l\u00e4sst auf sich warten<\/h2>\n<p>Durch die Finanzmarktkrise wurde ein massiver Vertrauensverlust sichtbar, nicht zuletzt durch den negativen H\u00f6hepunkt der Lehman-Pleite. Anleger erlebten hier wie im Rahmen der New Economy-Krise, dass ihre Anlagen oft nicht auf nachhaltigen Strukturen gebaut worden waren, sondern hoch komplexe Wetten darstellten. Bis zur Krise gab es vor allem bei schwierigen Zertifikaten und riskanten unternehmerischen Beteiligungen nur einen sicheren Sieger: die Bank, die an hoher Komplexit\u00e4t durch engagierte Geb\u00fchren verdiente.<\/p>\n<p>Wer aber unter den wohlmeinenden, ihren Beruf liebenden Bankern den vorangehenden einleitenden Absatz f\u00fcr pauschalierend und unangemessen h\u00e4lt, ist hiermit aufgefordert, seine Sicht darzulegen. Es ist mehr als w\u00fcnschenswert, n\u00e4mlich existentiell notwendig, dass ein anderes Bild gezeichnet wird als das, das in der \u00d6ffentlichkeit, also beim Kunden, dominiert: das Bild vom Bankmitarbeiter, der gew\u00f6hnlich nicht die Wahrheit sagt. Laut einer\u00a0<a href=\"http:\/\/de.statista.com\/statistik\/daten\/studie\/208092\/umfrage\/meinung-zur-ehrlichkeit-von-personen-und-berufsgruppen\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Allensbach-Umfrage<\/a>\u00a0glauben 98 Prozent der Kunden ihrem Berater nicht.<\/p>\n<h2>Ein Negativimage hat sich unumst\u00f6\u00dflich festgesetzt<\/h2>\n<p>Dies wird genau dann nachvollziehbar, wenn Investmentbanker, (so geschehen gem\u00e4\u00df Aussage eines Mitarbeiters von Goldman Sachs) ihre unwissenden Kunden intern als \u201eVollidioten\u201c kategorisieren und auch milliardenschwere Strafzahlungen nicht von weiteren Betr\u00fcgereien abhalten (s. Anm.1). Vorst\u00e4nde werden von Gerichten ausgelastet, w\u00e4hrend sich der Unternehmenswert des eigenen Hauses aufl\u00f6st. Die Problematik in der Medienlandschaft zu verankern, hilft auch nicht weiter. Schlie\u00dflich teilen ca. ein Drittel einer an der Tenbrunsel\/Thomas-Studie (s. Anm. 2) befragten Bankmitarbeiter freim\u00fctig mit, dass der eigene Vorteil es ohne weiteres rechtfertigt, die Kundeninteressen hinten an zu stellen.<\/p>\n<h2>Wie k\u00f6nnen also Wege und L\u00f6sungsans\u00e4tze aussehen?<\/h2>\n<p>Zun\u00e4chst: Es ist eine durchaus schon geh\u00f6rte Aussage, es sei doch normal, den eigenen Vorteil zu suchen. Wer Moral als gute Sitte versteht, hat jetzt erneut zu widersprechen, denn die \u00fcberm\u00e4\u00dfige Sicherung eigenen Vorteils zulasten eines anderen \u2013 der Vertrauen zur Verf\u00fcgung stellt bzw. stellen muss, da er weniger gut informiert ist \u2013 ist keine ma\u00dfvolle Handlung und moralisch nicht zu respektieren. Genau hier muss der Diskurs engagiert weitergef\u00fchrt werden, denn die Ressource Vertrauen ist wesentlicher Bestandteil des Gesch\u00e4ftsmodells, wie auch die Reaktion der Kunden zeigt. Statt der Kooperation mit der\/m Berater\/in, schwindet der Anteil an aktiver Wertpapier-Beratung \u2013 Wachstum verzeichnen beratungsfreie Produkte und das Robo-Banking.<\/p>\n<h2>Glaubhafte und authentische Ethik-Trainings<\/h2>\n<p>Die sogenannte Binnen-Moral in der Finanzindustrie mit dem Ideal des profitmaximierenden \u00f6konomischen Individuums ist zu durchbrechen, und zwar von der Spitze weg. Statt immer st\u00e4rker ausufernde Compliance-Modelle zu entwickeln, w\u00e4ren vertrauensbildende Ma\u00dfnahmen wie z. B. glaubhafte und authentische Ethik-Trainings zur kritischen Reflektion des eigenen Verhaltens zu entwickeln. Die Effizienzgl\u00e4ubigkeit \u2013 etwa durch mehr Digitalisierung \u2013 wird Probleme nicht l\u00f6sen, sondern hat sie teilweise erst geschaffen, wie etwa in der Finanzmarktkrise offenbar wird. Effizienz ohne moralischen Kompass gelingt Fin-Techs, die St\u00e4rke des Gesch\u00e4ftsmodells Bank jedoch muss die Ber\u00fccksichtigung der guten Sitten als fundamental zur\u00fcckgewinnen.<\/p>\n<p>Dien\u00e4chsten\u00a0<a href=\"http:\/\/www.frankfurt-school.de\/content\/de\/seminar\/lehrer.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><span style=\"font-weight: bold;\">Lehrerseminare<\/span><\/a>\u00a0finden vom<span style=\"font-weight: bold;\">\u00a0<\/span>30. M\u00e4rz \u2013 01. April 2016 auf dem FS-Campus statt.<br \/>\n<em>Anmerkungen<\/em><br \/>\n<em>1)\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Leserbrief des ehemaligen GS-Mitarbeiters Greg Smith, NYT v. 14.03.2012<\/em><br \/>\n<em>2)\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Tenbrunsel, Ann\/ Thomas, Jordan: The Street, The Bull and The Crisis. A survey of the US &amp; UK Financial Services Industry, University of Notre Dame, 2015.\u00a0<\/em><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Ruf nach Ethik und Moral in der Bankenbranche war kurz nach der Finanzmarktkrise sehr laut. Betrachtet man die Entwicklungen nach 2008, wirkt die Bilanz ern\u00fcchternd. 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