{"id":4869,"date":"2016-02-26T15:16:22","date_gmt":"2016-02-26T15:16:22","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.frankfurt-school.de\/?p=4869"},"modified":"2019-02-20T14:20:57","modified_gmt":"2019-02-20T13:20:57","slug":"fintech-vs-no-tech","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.frankfurt-school.de\/de\/fintech-vs-no-tech\/","title":{"rendered":"FinTech versus \u201eNo Tech\u201c?"},"content":{"rendered":"<p>\u201eBanking is necessary, banks are not\u201d \u2013 das hat Bill Gates gesagt, und zwar bereits im Jahr 2000. Damals schon prophezeite der Microsoft-Gr\u00fcnder, dass das Gesch\u00e4ftsmodell der Banken eines Tages \u00fcberholt sein werde. Auch wenn es etwas gedauert hat. So langsam aber sicher k\u00f6nnte es soweit sein: Schon vor drei Jahren war das Thema der FinTechs in aller Munde. Und \u00fcber die Zukunft der Banken machen sich viele Menschen gro\u00dfe Sorgen. \u201eZukunft der Banken?!\u201c titelte schon das Wirtschaftsmagazin brand eins im Jahre 2013 (Ausgaben 1, 3 und 7) und wies noch auf Filialsysteme, gute Beratung mit Honorar und gute, ehrliche Dienstleistung hin. Paypal war noch eine Tochter von ebay und es sah so aus, als ob andere Anbieter durchaus noch Alternativen entwickeln k\u00f6nnten. Ideen und Ans\u00e4tze gab es viele, doch die Gegenwart sieht anders aus. Der Versandh\u00e4ndler Otto hat sein System Yapital aufgegeben. Der Kreditkartenanbieter Visa schweigt zur Zukunft seines Angebotes V.me. Und die Telekom wird ihren Bezahldienst Clickandbuy im Mai 2016 wieder einstellen. In der Stellungnahme der Presseabteilung hei\u00dft es im \u00fcbertragenen Sinn und etwas lapidar, dass die Kritische Masse nicht erreicht wurde. Sind wir etwa wirklich schon zu sp\u00e4t gegen die \u00dcbermacht von Paypal, Apple und all den anderen? Und die Banken selbst? Haben sie dazu gelernt?<\/p>\n<h2>Paydirekt als Ma\u00dfnahme<\/h2>\n<p>Hatte es vor zwei Jahren noch den Anschein, als wenn sich die Banken auf ihrem hohen \u201eZahlungsverkehrsross\u201c ausruhen w\u00fcrden, so sieht es zumindest auf den ersten Blick mittlerweile besser aus. Paydirekt, das Online-Bezahlverfahren der Banken und Sparkassen ist nach einigem Hin und her an den Start gegangen. Rund 1000 Banken bieten den Service an. Darunter auch die Commerzbank, die Deutsche Bank, die Postbank, die ING Diba sowie die HVB. Auch so gut wie alle Volks- und Raiffeisenbanken mischen mit. Stand Februar 2016 haben sich schon 220.000 Privatkunden f\u00fcr den neuen Dienst angemeldet. Immerhin!<\/p>\n<p>Nur die gro\u00dfen Sparkassen sucht man leider in diesem Umfeld noch vergebens. Aber sie wollen ab April 2016 dabei sein, h\u00f6rt man. Auch wenn man die Zahlen von paydirekt mit denen von paypal vergleicht wird eines deutlich: Hier k\u00e4mpft nicht David gegen Goliath. Das Delta ist viel, viel gr\u00f6\u00dfer! Paypal hat nach eigenen Angaben 16 Millionen Nutzer allein in Deutschland, einsetzbar in 7 Millionen Online-Shops weltweit, davon \u00fcber 50.000 in Deutschland und einen Umsatz im 4. Quartal 2015 von \u00fcber 81 Mrd. US$.<\/p>\n<p>Was also tun im Markt der Bezahlsysteme? Die L\u00f6sung kann nur auf drei S\u00e4ulen basieren: Akzeptanz, Vertrauen, Sicherheit. Akzeptanz bei den Kunden und den Shops, Vertrauen und Sicherheit auf allen Seiten und ganz schnell Volumen im Umsatz, und Kunden auf der privaten und der gesch\u00e4ftlichen Seite gewinnen.<\/p>\n<h2>Die Zeit rennt davon!<\/h2>\n<p>Eine schnelle Umsetzung ist also gefragt. Es ist eine alte Weisheit, dass nicht die Gro\u00dfen die Kleinen \u00fcbernehmen sondern die Schnellen die Langsamen. Gerade die Sparkassenorganisation bewegt sich wie ein \u00d6ltanker. Wenn sie Fahrt aufgenommen hat, kann sie so schnell nichts stoppen. Ein Kurswechsel ist aber auch mit Zeit verbunden. Diese Zeit haben die Anbieter vermeintlich antiquierter Bankdienstleistungen eigentlich nicht mehr. Und sie stehen sich auch noch selbst im Weg: Die Sparkassen \u2013 obwohl sie doch eigentlich im selben Boot sitzen \u2013 kritisieren das umst\u00e4ndliche Verfahren der Anmeldung und deren Umsetzung bei Vertragspartnern. Zum Beispiel wenn es darum geht, H\u00e4ndler mit an Bord zu nehmen. Und da haben sie Recht! Aber die \u00c4u\u00dferungen von Georg Fahrenschon, Pr\u00e4sident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands (DSGV), auf der Bankentagung in Frankfurt waren dabei nicht besonders hilfreich. Hier wurde der neue Dienst als unsicher tituliert und eine Nutzung mehr oder weniger nur auf eigene Gefahr empfohlen (Quelle: Die Welt online vom 03. September 2015) empfohlen. So kann man Paydirekt nat\u00fcrlich gut implementieren\u2026.. Dazu kommt dann noch die Stellungnahme des Kartellamtes.<\/p>\n<h2>Kartellamt verbietet gemeinsame Konditionen f\u00fcr Paydirekt<\/h2>\n<p>Das Kartellamt hat offenbar Probleme damit, dass alle Banken mit den H\u00e4ndlern gemeinsame Konditionen f\u00fcr Paydirekt vereinbaren. Das hat dann zur Folge, dass jeder Online H\u00e4nder mit jeder einzelnen Bank die Preise individuell aushandeln muss. (Quelle: FAZ online, 31. Dezember 2015). So macht man auf jeden Fall gute Gesch\u00e4fte! Und die Mitbewerber am\u00fcsieren sich k\u00f6niglich. So k\u00f6nnte paydirekt, wie so viele Anbieter zuvor, schon zum Rohrkrepierer werden, bevor es richtig losgegangen ist. Paypal als \u00fcbergro\u00dfer Gigant am Markt muss doch auch irgendwo seine Achillesferse haben. Nur wo?<\/p>\n<h2>Einigkeit macht stark<\/h2>\n<p>Wenn \u00fcberhaupt, dann haben die Anbieter in Deutschland nur noch die Chance mit einer Stimme, mit einer klaren Struktur, mit einem einfachen Verfahren und mit einem einfachen System zu punkten: Sicher muss es sein und die L\u00f6sung ist so einfach, dass die Phrasenkasse klingelt: One face to the customer, keep it short, simple and secure! Nur so haben die Banken eine Chance. Wenn die Sparkassen sich z\u00f6gerlich zeigen und doch nicht mitmachen, bleibt es in den Ans\u00e4tzen stecken. Aber aus den Erfahrungen der letzten Jahre m\u00fcssten sie doch eigentlich gelernt haben. Also Entweder-Oder: \u00dcber alle Widerst\u00e4nde hinweg das System umsetzen und f\u00fcr Akzeptanz und Ums\u00e4tze sorgen oder den Markt einem anderen \u00fcberlassen. Dann soll sich aber nachher niemand beschweren, wenn viele Banken vom Markt einfach verschwinden werden.<\/p>\n<p>Und nach wie vor gilt: Der Kunde steht im Mittelpunkt! Und nicht im Weg! Er ist Dreh- und Angelpunkt allen Tuns der Banken. Man m\u00f6chte es am liebsten jedem Institut in das Stammbuch schreiben: K\u00fcmmert Euch um den Kunden, um seine W\u00fcnsche, um seine Belange, um seine Bequemlichkeit zu befriedigen. \u201eBanking is necessary, banking is human!\u201d um etwas abgewandelt auf Bill Gates zu Beginn dieses Artikels zur\u00fcck zu kommen. Das kann doch beim besten Willen nicht so schwer sein!<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eBanking is necessary, banks are not\u201d \u2013 das hat Bill Gates gesagt, und zwar bereits im Jahr 2000. Damals schon prophezeite der Microsoft-Gr\u00fcnder, dass das Gesch\u00e4ftsmodell der Banken eines Tages \u00fcberholt sein werde. Auch wenn es etwas gedauert hat. 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