{"id":5425,"date":"2016-04-08T12:33:33","date_gmt":"2016-04-08T11:33:33","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.frankfurt-school.de\/?p=5425"},"modified":"2023-10-05T12:29:45","modified_gmt":"2023-10-05T11:29:45","slug":"ruanda-internship","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.frankfurt-school.de\/de\/ruanda-internship\/","title":{"rendered":"If you want to help them, teach them how to fish"},"content":{"rendered":"<p>Dieudonn\u00e9 ist gerade erst 9 Jahre alt, aber er erkl\u00e4rt schon seinen Klassenkameraden, wie er begonnen hat, Geld f\u00fcr den Kauf der Schulb\u00fccher f\u00fcr das kommende Schuljahr zu sparen, indem er die Eier seiner Henne jeden Samstag auf dem lokalen Markt verkauft. Ich bin in Kinigi, im Norden des kleinen ostafrikanischen Landes Ruanda, und stehe auf einem staubigen Schulhof, umgeben von mehreren hundert Kindern. Alles sind gespannt und neugierig, was auch daran liegt, dass viele noch nie einen \u201eWei\u00dfen\u201c zuvor gesehen habe, weswegen sie mich fasziniert beobachten und gleichzeitig dem Vortrag meines Kollegen Vumi lauschen. \u00dcber uns ragen die Gipfel der Virunga-Vulkankette auf, und wir befinden uns mitten in einer \u201eFinancial Education Session\u201c der Sparkassenstiftung f\u00fcr internationale Kooperation<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/blog.frankfurt-school.de\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/IMG-20160323-WA0023.jpg\" rel=\"lightbox[5425]\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-5431 size-medium\" src=\"https:\/\/blog.frankfurt-school.de\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/IMG-20160323-WA0023-345x460-1.jpg\" alt=\"IMG-20160323-WA0023\" width=\"345\" height=\"460\" \/><\/a>Auf der Suche nach einem Auslandspraktikum, \u00a0wurde ich auf die Sparkassenstiftung f\u00fcr internationale Kooperation aufmerksam. Die Sparkassenstiftung ist in einer Vielzahl von Entwicklungs- und Transformationsl\u00e4ndern t\u00e4tig und unterst\u00fctzt dortige Finanzinstitutionen bei der St\u00e4rkung lokaler und regionaler Wirtschaftsstrukturen. Die Idee, einen Einblick in das Thema Entwicklungszusammenarbeit zu gewinnen und gleichzeitig ein neues Land kennenzulernen gefiel mir sehr gut. Auf meine Bewerbung bekam ich schnell R\u00fcckantwort mit der Frage, ob ich mir einen Einsatz in Ostafrika, genauer gesagt Ruanda, vorstellen k\u00f6nne. F\u00fcr mich war sofort klar, dass ich diese Chance nutzen wollte. Nach erfolgreicher Teilnahme an einem Assessment Center bekam ich die Zusage.<\/p>\n<p>Als Junior-Consultant der Stiftung war es meine Aufgabe, das Team vor Ort bei der Erreichung des Projektzieles zu unterst\u00fctzen, den Mikrofinanzsektor in Ruanda nachhaltig zu st\u00e4rken.<\/p>\n<p>Ich half der Stiftung bei verschiedenen Projekten. Eines der Projektziele ist, eine duale Ausbildung im Bankbereich einzuf\u00fchren. Erste Ausbildungspilotklassen sollen im Herbst 2016 beginnen. Um das Konzept vorzustellen, fertigte ich Pr\u00e4sentationen f\u00fcr verschiedene Sitzungen an. Zwei je einw\u00f6chige Workshops f\u00fcr die Personalentwickler der dortigen Mikrofinanzinstitute bereitete ich mit vor und erstellte Unterrichtsmaterialien f\u00fcr die Ausbildung der k\u00fcnftigen betrieblichen Ausbilder. Da ein weiterer wichtiger Bestandteil der Stiftungsarbeit das Thema finanzielle Inklusion ist, besuchte ich selbst in mehreren Field Trips Schulen und Mikrofinanzinstitute in ganz Ruanda, um \u00fcber finanzielle Bildung zu informieren. Eines der spannendsten Projekte f\u00fcr mich war, an der Erstellung einer Machbarkeitsstudie f\u00fcr ein m\u00f6gliches Gr\u00fcnderzentrum in Ruanda mitzuwirken. Daf\u00fcr besuchte ich eine bereits bestehende Einrichtung, wo ich mich unter anderem \u00fcber das Thema \u201eSocial Entrepreneurship\u201c informierte. Bei all meinen T\u00e4tigkeiten konnte ich auf Konzepte aus meinen Veranstaltungen an der Frankfurt School zur\u00fcckgreifen. W\u00e4hrend meiner Zeit als Junior Consultant konnte ich das Team vor Ort bei der erfolgreichen Umsetzung der Projektziele unterst\u00fctzen und somit einen Beitrag zur wirtschaftlichen Entwicklung Ruandas leisten.<br \/>\n<em>\u00a0<a href=\"https:\/\/blog.frankfurt-school.de\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/IMG-20160318-WA0006.jpg\" rel=\"lightbox[5425]\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-5432\" src=\"https:\/\/blog.frankfurt-school.de\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/IMG-20160318-WA0006-460x258-1.jpg\" alt=\"IMG-20160318-WA0006\" width=\"460\" height=\"258\" \/><\/a><\/em><br \/>\nDas markanteste Ereignis der j\u00fcngeren Geschichte, der Genozid 1994, hat daf\u00fcr gesorgt, dass Ruanda traurige Ber\u00fchmtheit weit \u00fcber Afrika hinaus erlangte. An mehr als 200 Orten im ganzen Land erinnern Denkm\u00e4ler und Ausstellungen an diese Trag\u00f6die. Ein Besuch lohnt sich definitiv &#8211; auch wenn die Darstellungsweisen sehr brutal und eindringlich sind. Die Themen Flucht, Mord und Vertreibung sind immer noch pr\u00e4sent in den K\u00f6pfen vieler Ruander. So unterschiedlich die Schicksale sind, so unterschiedlich ist auch der Umgang hiermit. Alle Aktivit\u00e4ten sollten deshalb auch immer im Kontext der Geschichte gesehen werden. Generell sollte dieses Thema nur angesprochen werden, sofern dies vom Gespr\u00e4chspartner selbst thematisiert wird. Des Weiteren sollten Fragen zur Herkunft oder Familie immer sensibel gestellt werden, da man nie wei\u00df, ob Verwandte vom Genozid betroffen waren. Generell sind die Ruander sehr\u00a0 freundlich und offen. Viele sind sehr neugierig und wollen wissen, wo man herkommt und was man macht. Einer der gro\u00dfen Vorz\u00fcge im Vergleich zu anderen afrikanischen Staaten besteht in der guten Sicherheitslage. Dies erlaubt es, sich zu jeder Zeit \u00fcberall frei bewegen zu k\u00f6nnen und erleichtert den Kontakt zur einheimischen Bev\u00f6lkerung. Die geringe Gr\u00f6\u00dfe Ruandas im Vergleich zu den Nachbarl\u00e4ndern (nur etwa so gro\u00df wie Brandenburg) macht es m\u00f6glich, in relativ kurzer Zeit einen Eindruck vom Land zu bekommen. Mit seiner abwechslungsreichen Landschaft (u.a. Vulkane, Bergregenwald und Nationalparks) und Vegetation bietet Ruanda viele M\u00f6glichkeiten f\u00fcr Ausfl\u00fcge und Erkundungen.<\/p>\n<p>R\u00fcckblickend empfinde ich die Zeit in Ruanda als sehr bereichernd. Neben vielf\u00e4ltigen Einblicken in das Innenleben einer NGO erfuhr ich viel \u00fcber Ziele und Vorgehensweise deutscher Entwicklungszusammenarbeit. Dar\u00fcber hinaus hatte ich Gelegenheit, wertvolle neue Erfahrungen zu sammeln und durch den Aufenthalt in Ruanda meinen Horizont im Hinblick auf interkulturelle Kompetenzen zu erweitern. Der Kontakt mit einem anderen Kulturkreis, der in Europa wenig thematisiert wird, hilft, Klischees und Vorurteile zu \u00fcberwinden. Gerade effektive Entwicklungshilfe wird in der jetzigen Fl\u00fcchtlingsdiskussion gerne als eine Ma\u00dfnahme vorgebracht, um die Ursachen der Flucht zu bek\u00e4mpfen und den Menschen in ihren Heimatl\u00e4ndern eine lebensw\u00fcrdige Perspektive zu bieten. Es geht darum, den Menschen vor Ort das n\u00f6tige \u00a0\u201eKnow-How\u201c mit an die Hand zu geben, damit sie das Land selbst weiter entwickeln k\u00f6nnen. Ein Leitspruch ist deshalb \u201eIf you want to help them, teach them how to fish instead of buying the fish\u201c.\u00a0\u00a0 Nur durch wirtschaftlichen Aufschwung k\u00f6nnen breite Teile der Bev\u00f6lkerung der Armut entfliehen und sich eine nachhaltige Existenz aufbauen. F\u00fcr diese wertvollen Erfahrungen in meiner Zeit als Junior Consultant m\u00f6chte ich der Sparkassenstiftung und dem Team vor Ort danken.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dieudonn\u00e9 ist gerade erst 9 Jahre alt, aber er erkl\u00e4rt schon seinen Klassenkameraden, wie er begonnen hat, Geld f\u00fcr den Kauf der Schulb\u00fccher f\u00fcr das kommende Schuljahr zu sparen, indem er die Eier seiner Henne jeden Samstag auf dem lokalen Markt verkauft. 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