{"id":5548,"date":"2016-04-26T08:31:23","date_gmt":"2016-04-26T07:31:23","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.frankfurt-school.de\/?p=5548"},"modified":"2021-02-15T21:07:58","modified_gmt":"2021-02-15T20:07:58","slug":"konfliktmanagementkultur","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.frankfurt-school.de\/de\/konfliktmanagementkultur\/","title":{"rendered":"Einf\u00fchrung einer Konfliktmanagement-Kultur"},"content":{"rendered":"<p><\/p>\n<h2><strong>Ein \u00fcberstrapaziertes Thema &#8211; oder l\u00e4ngst \u00fcberf\u00e4llig?<\/strong><\/h2>\n<p>Von der Einf\u00fchrung einer Konfliktmanagementstruktur wird aktuell viel gesprochen. Die meisten Unternehmen scheuen noch den Blick auf diese Thematik und oft wird die Einf\u00fchrung eines Konfliktmanagementsytems darunter verstanden. Insbesondere der vermeintlich gro\u00dfe Aufwand der Installation scheint in keinem Verh\u00e4ltnis zu den\u00a0&#8211; bislang aus Sicht vieler Unternehmen nicht hinreichend validierten &#8211; Vorteilen zu stehen. Die Einf\u00fchrung eines Konfliktmanagementsystems bedarf eines umfangreichen, prozessualen Aufwandes. Inhaltlich tr\u00e4gt es sich nur \u00fcber das gelebte Selbstverst\u00e4ndnis eines offenen Umganges mit Konflikten, hervorgerufen durch die dahinter stehenden Emotionen. Dieses sind Faktoren, die bei der Installation eines Konfliktmanagement<strong>systemes <\/strong>\u00fcbersehen werden, aber Gegenstand einer Konfliktmanagement<strong>kultur<\/strong> sind.<\/p>\n<p>Die Konfliktmanagementkultur ist das Herzst\u00fcck eines funktionierenden Konfliktmanagementsystemes. In vielen Unternehmen ist sie sogar v\u00f6llig ausreichend.<\/p>\n<p>Als Experte f\u00fcr Krisen- und Konfliktmanagement h\u00f6re ich an dieser Stelle h\u00e4ufig Aussagen wie: \u201eWir haben unsere Konflikte \u2013 so sie denn \u00fcberhaupt auftreten \u2013 auch so immer sehr gut l\u00f6sen k\u00f6nnen.\u201c Oder auch \u201eF\u00fcr die wenigen Konflikte, die wir in unserem Unternehmen haben, lohnt sich der Aufwand der Einf\u00fchrung einer Konfliktmanagementkultur doch gar nicht.\u201c<\/p>\n<p>Weit gefehlt.<\/p>\n<p>Die Unternehmen, die diese Aussagen treffen, verkennen die Folgeerscheinungen, die ungel\u00f6ste Konflikte und auch ein unprofessioneller, oft vermeidender und wenig wertsch\u00e4tzender Umgang mit ihnen, mit sich bringt. Auch wird h\u00e4ufig ausschlie\u00dflich auf hei\u00dfe, also offen ausgetragene Konflikte rekrutiert. Die kalten und latenten Konflikte, die unter der Oberfl\u00e4che schwelen, bleiben dabei zumeist au\u00dfer Acht. Die Folge sind Abfall der Leistungsf\u00e4higkeit und Produktivit\u00e4t, Verlust der Identit\u00e4t mit dem Unternehmen und seinem Produkt, Diskrepanzen im Team sowie hohe Krankenst\u00e4nde, um nur die wesentlichen Faktoren zu benennen. So lohnt sich auch ein wirtschaftlicher Blick auf das Thema.<\/p>\n<p>Nicht selten f\u00fchrt dies zur inneren K\u00fcndigung und dem \u201eDienst nach Vorschrift\u201c. Der Einwand seitens der Unternehmen, \u201eder Mitarbeiter m\u00f6ge doch selbstverantwortlich entweder seine Konflikte selber l\u00f6sen oder aber diese ansprechen\u201c, l\u00e4uft ebenfalls ins Leere. Denn gerade in Unternehmen, in denen der gute Umgang mit Konflikten nicht zum Selbstverst\u00e4ndnis geh\u00f6rt, f\u00fchlen sich Mitarbeiter nicht verstanden, wenn sie diese ansprechen und f\u00fcrchten Konsequenzen. Gelten sie doch als wenig kommunikativ oder teamf\u00e4hig und vor allen Dingen nicht selbstverantwortlich in der Sache. Im Ergebnis werden Unstimmigkeiten totgeschwiegen.<\/p>\n<p>Dabei gilt aus meiner Erfahrung: \u201eWas lange g\u00e4rt, wird endlich Wut!\u201c<\/p>\n<h2>Was ist denn nun eine Konfliktmanagementkultur? Worum geht es dabei?<\/h2>\n<p>Bei der Einf\u00fchrung einer Konfliktmanagementkultur geht es um den grunds\u00e4tzlichen Umgang mit Konflikten. Das klingt schlicht und offensichtlich, jedoch liegt hier die T\u00fccke im Detail. W\u00e4hrend viele F\u00fchrungskr\u00e4fte meinen, sich bereits sehr gut aufgestellt zu haben, fehlt es h\u00e4ufig an der grunds\u00e4tzlichen Akzeptanz hinsichtlich des Vorkommens von Konflikten und den damit einhergehenden betroffenen Emotionen. Praxisaussagen wie \u201eDas ist doch alles psychologisches Gequatsche und hat mit unserer Arbeit nichts zu tun\u201c, begegnen mir an dieser Stelle h\u00e4ufig.<\/p>\n<p>Insbesondere der Umgang damit f\u00e4llt vielen F\u00fchrungskr\u00e4ften schwer oder wurde h\u00e4ufig nicht erlernt. Emotionen k\u00f6nnen wie eine Fremdsprache eingestuft werden. Der passive Wortschatz ist oftmals noch Jahre nach dem Erlernen gut ausgepr\u00e4gt, der aktive Wortschatz nur noch rudiment\u00e4r vorhanden. Diesen gilt es zu aktivieren oder neu zu erlernen \u2013um authentisch eine Haltung zu vertreten. Einer Haltung, die das Wohl und Wehe der Mitarbeiter als wesentlich anerkennt, pers\u00f6nliche Bed\u00fcrfnisse weder bewertet noch herunterspielt, sondern tats\u00e4chlich priorisierend betrachtet und wertsch\u00e4tzend mit Aspekten der Verletzlichkeit und Emotionalit\u00e4t Einzelner umgeht. Auch das Erkennen, dass Emotionen einen wesentlichen Teil der Mitarbeiteridentifikation und \u2013motivation ausmachen, geh\u00f6rt dazu. So ist es gerade die intrinsische Motivation des Einzelnen, die gef\u00f6rdert und gesponsert werden sollte, um Mitarbeiterzufriedenheit zu erzeugen, die schlie\u00dflich in Leistungssteigerung sowie Krankenstandssenkung m\u00fcndet.<\/p>\n<p>Aber wie sieht denn nun die Ann\u00e4herung an diese Thematik praktisch aus?<\/p>\n<ul>\n<li>Als erster Schritt ist es wichtig, alle Mitarbeiter hierarchie\u00fcbergreifend in den Prozess mit einzubinden. Das Ergebnis der gelebten Wertsch\u00e4tzung und Vertraulichkeit ist Verbundenheit mit den erarbeiteten Ergebnissen. Grundvoraussetzung, um die aufgestellte Kultur dauerhaft mit Leben f\u00fcllen zu k\u00f6nnen.<\/li>\n<li>In einem zweiten Schritt erfolgt die Definition des mit der Konfliktkultur angestrebten Unternehmensziels (bspw. Krankenstandsenkung). Die Mitarbeiter definieren ihre jeweilige Rolle und wesentliche Werte wie zum Beispiel Offenheit, Vertraulichkeit, Kommunikation oder Wertsch\u00e4tzung und legen ein gemeinsames Verst\u00e4ndnis fest.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Besonderes Augenmerk bei der Einf\u00fchrung einer Konfliktkultur liegt in der Arbeit mit einer entsprechend offenen Haltung hinsichtlich des Anerkennens und Umganges mit Konflikten.<\/p>\n<p>Die F\u00fchrungskr\u00e4fte erlernen einen mediativen, kompetenzorientieren F\u00fchrungsstil. \u00dcber selbstreflexive Methoden arbeiten sie ihr pers\u00f6nliches Selbstverst\u00e4ndnisses gegen\u00fcber ihrer F\u00fchrungsaufgabe und ihres individuellen F\u00fchrungsstils heraus. F\u00fcr Mitarbeiter bedeutet dies ebenfalls eine selbstreflexive Ann\u00e4herung an die Tatsache, dass es gerade die latenten Missstimmungen sind, die Ausl\u00f6ser f\u00fcr Unwohlsein, Leistungsabfall und Krankheit darstellen. Sie erlernen Vertrauen zu entwickeln und den zielorientieren Umgang mit Emotionen.<\/p>\n<p>Die erarbeiteten und erzielten Ergebnisse dieser Kulturver\u00e4nderung greifen \u00fcberraschend schnell und ver\u00e4ndern Unternehmen langfristig. Der Aufwand ist &#8211; gemessen an der zu erwartenden Wirkung &#8211; als sehr gering einzustufen.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein \u00fcberstrapaziertes Thema &#8211; oder l\u00e4ngst \u00fcberf\u00e4llig? Von der Einf\u00fchrung einer Konfliktmanagementstruktur wird aktuell viel gesprochen. Die meisten Unternehmen scheuen noch den Blick auf diese Thematik und oft wird die Einf\u00fchrung eines Konfliktmanagementsytems darunter verstanden. 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