{"id":5660,"date":"2016-05-06T12:34:13","date_gmt":"2016-05-06T12:34:13","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.frankfurt-school.de\/?p=5660"},"modified":"2019-02-20T14:38:06","modified_gmt":"2019-02-20T13:38:06","slug":"divestment","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.frankfurt-school.de\/de\/divestment\/","title":{"rendered":"Carbon Bubble und Divestment"},"content":{"rendered":"<p><strong>Der Divestment-Ansatz gewinnt derzeit bei privaten und institutionellen Investoren an Bedeutung. Immer mehr Stiftungen, Pensionsfonds und St\u00e4dte verpflichten sich \u00f6ffentlich dazu, Aktien und Anleihen von Unternehmen zu ver\u00e4u\u00dfern, die ihr Geld mit dem Abbau und der Nutzung von fossilen Energietr\u00e4gern verdienen. Die frei werdenden Mittel werden dann zumindest teilweise in erneuerbare Energien investiert. Dabei vermischen sich \u00f6konomische mit gesellschafts- und klimapolitischen Motiven. <\/strong><\/p>\n<p>Divestment ist das Gegenteil von Investment. In diesem Zusammenhang bedeutet das den Abzug von Kapital aus Unternehmen, die ihr Geld\u2028mit der Ausbeutung oder Nutzung fossiler Energien verdienen. Gelegentlich wird dieser Ansatz auch auf im Atombereich t\u00e4tige Unternehmen erweitert. Was als Initiative einiger Universit\u00e4ten und Stiftungen begann, hat heute deutlich an Momentum gewonnen. Zu den gern zitierten \u201eFlaggschiffen\u201c der Divestment\u00adBewegung z\u00e4hlen u. a. die Rockefeller Brothers Stiftung aus den USA und der Norwegische Pensionsfonds. Ende November 2015 hat auch die deutsche Allianz Versicherung angek\u00fcndigt, sich von entsprechenden Anlagen zu trennen.<\/p>\n<p>Die Beratungsgesellschaft Arabella Advisors legt regelm\u00e4\u00dfig <a href=\"http:\/\/www.arabellaadvisors.com\">Marktstudien <\/a>zu diesem Thema vor, zuletzt im September 2015: Danach ist die Zahl der offiziellen Unterst\u00fctzer der \u00bbDivestInvest\u00ab\u00ad Kampagne auf knapp 2.500 gestiegen, darunter etwa 450 institutionelle Investoren. Das von den Unterst\u00fctzern verwaltete Verm\u00f6gen hat sich binnen Jahresfrist auf \u00fcber 2,3 Bill. US\u00adDollar (rund 2,1 Bill. Euro) verf\u00fcnfzigfacht.<\/p>\n<h2><strong>Kanon von Motiven <\/strong><\/h2>\n<p>Hinter der Entscheidung, die Wertpapiere fossiler Unternehmen zu verkaufen, k\u00f6nnen unterschiedliche Motive stehen. Einigen Investoren wird es darum gehen, ihre Investments in Einklang mit ihren Werten und Zielen bzw. denen ihrer Organisation zu bringen. Ein anderes Motiv ist, durch das Divestment ein Signal an Politik, Gesellschaft und Wirtschaft zu senden, sich st\u00e4rker f\u00fcr den Klimaschutz einzusetzen. Divestoren kann es dar\u00fcber hinaus darum gehen, die Finanzierungsm\u00f6glichkeiten f\u00fcr fossile Unternehmen zu beschr\u00e4nken und das Kapital im Gegenzug f\u00fcr Investitionen in zukunftstr\u00e4chtige Anlagen, insbesondere erneuerbare Energien, vorzusehen.<\/p>\n<h2><strong>Carbon Bubble \u2028von zentraler Bedeutung <\/strong><\/h2>\n<p>Eine wichtige Rolle spielt schlie\u00dflich der Schutz der eigenen Kapitalanlagen vor finanziellen Verlusten, wobei es enge Ber\u00fchrungspunkte mit der Diskussion um die sogenannte Carbon Bubble gibt. Unter dieser \u00dcberschrift wird eine vermeintliche \u00dcberbewertung der Vorr\u00e4te an fossilen Energietr\u00e4gern in den Bilanzen der Kohle\u00ad, \u00d6l\u00ad und Gasunternehmen diskutiert. Ausgangspunkt dieses Ansatzes ist die Tatsache, dass nur noch eine begrenzte Menge von CO2 freigesetzt werden darf, um das zuletzt auf der Weltklimakonferenz in Paris best\u00e4tigte Ziel einer Begrenzung des weltweiten Temperaturanstiegs auf max. 2 \u00b0C erreichen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Die Organisation Carbon Tracker gibt diese Menge mit rund 565 Gt CO2 an. Die best\u00e4tigten Reserven umfassen derzeit aber umgerechnet etwa 2.795 Gt CO2. Insgesamt w\u00e4ren damit, so der Carbon Bubble\u00adAnsatz, 80 Prozent der weltweit verf\u00fcgbaren Reserven an fossilen Rohstoffen praktisch wertlos. Dies f\u00fchrt insgesamt zu einer \u00dcberbewertung der Unternehmen sowie der Bonit\u00e4t der \u00d6l und Gas f\u00f6rdernden Staaten, die zu einem Risiko f\u00fcr die Investoren werden kann, die Aktien, Unternehmens\u00ad oder Staatsanleihen halten.<\/p>\n<h2><strong>Schadet Divestment der Rendite? <\/strong><\/h2>\n<p>Trotz der \u00dcberzeugungskraft des Carbon-Bubble-Arguments gibt es aber auch Stimmen, die auf die Kosten und Risiken des Divestments verweisen. Angef\u00fchrt werden hier zum einen die Kosten, die durch eine Umschichtung des Portfolios entstehen. Zum anderen wird auf die potenziellen Risiken verwiesen, die sich aus einer Verkleinerung des Anlageuniversums und damit einer Einschr\u00e4nkung der M\u00f6glichkeiten zur Diversifikation ergeben k\u00f6nnen. Das zweite Argument wird h\u00e4ufig angef\u00fchrt, wenn es um die Rendite und das Risiko nachhaltiger Kapitalanlagen geht. Hier haben allerdings zahlreiche statistische Analysen nachgewiesen, dass sich eine Ber\u00fccksichtigung von Nachhaltigkeitskriterien bei der Kapitalanlage nicht negativ auf Rendite und Risiko auswirkt. Es besteht vielmehr sogar\u2028die M\u00f6glichkeit auf ein \u00bbpositives Alpha\u00ab gegen\u00fcber konventionellen Anlagen. Inwieweit sich die Anwendung von Ausschusskriterien auswirkt, muss allerdings noch umfassender untersucht werden. Erste Anhaltspunkte zur Beantwortung der Renditefrage beim Divestment liefert beispielsweise die Studie Carbon Efficiency: A Strategic Look von S&amp;P Dow Jones Indices vom Oktober 2015. Ihr Kernergebnis: Gezielte Anlagen in kohlenstoffeffiziente Unternehmen sind kein Hemmnis f\u00fcr die Performance.<\/p>\n<h2><strong>Fazit <\/strong><\/h2>\n<p>Neben ethischen und gesellschaftspolitischen Aspekten spielen gerade nach den Entscheidungen der Weltklimakonferenz in Paris \u00f6konomische Gesichtspunkte bei einem Ausstieg aus fossilen Unternehmen eine zunehmend wichtigere Rolle. Jeder <a href=\"http:\/\/www.frankfurt-school.de\/content\/de\/seminar\/asset_allocation\/investieren\/investieren.html\">Investor <\/a>muss selbst entscheiden, welche Konsequenzen er aus dem Klimawandel f\u00fcr sein Portfolio zieht und zu welchem Zeitpunkt er aktiv wird. Klar ist: Die Beschl\u00fcsse von Paris haben ein Platzen der Kohlenstoffblase wahrscheinlicher gemacht. Die Wertpapiere fossiler Unternehmen k\u00f6nnten f\u00fcr Investoren, die darauf keine strategische Antwort finden, im Depot zu einem \u00bbSchwarzer Peter\u00ab werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Divestment-Ansatz gewinnt derzeit bei privaten und institutionellen Investoren an Bedeutung. Immer mehr Stiftungen, Pensionsfonds und St\u00e4dte verpflichten sich \u00f6ffentlich dazu, Aktien und Anleihen von Unternehmen zu ver\u00e4u\u00dfern, die ihr Geld mit dem Abbau und der Nutzung von fossilen Energietr\u00e4gern verdienen. Die frei werdenden Mittel werden dann zumindest teilweise in erneuerbare Energien investiert. 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