{"id":6624,"date":"2016-09-23T08:37:16","date_gmt":"2016-09-23T07:37:16","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.frankfurt-school.de\/?p=6624"},"modified":"2021-02-15T21:07:13","modified_gmt":"2021-02-15T20:07:13","slug":"leben-keine-gerade","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.frankfurt-school.de\/de\/leben-keine-gerade\/","title":{"rendered":"Manchmal folgt das Leben keiner Geraden \u2013 manchmal ist es eben eine Kurve\u2026"},"content":{"rendered":"<p>\u2026So wie bei mir.<\/p>\n<p>Ich bin begeisterter Motorradfahrer, besitze handwerkliches Geschick und kann eine Stunde reden, gerne auch ohne Inhalt.<\/p>\n<p>Leider sind das Eigenschaften die mir in der Schule nicht wirklich weiterhalfen. Ich war ein eher durchschnittlicher Sch\u00fcler und habe mich durch meine Schulzeit irgendwie durchgeschl\u00e4ngelt \u2013 egal, ich wollte ja eh sp\u00e4ter zur Bundeswehr. Mein Abi habe ich am Ende auch noch irgendwie bestanden.<\/p>\n<p>An die Zeit bei der Bundeswehr erinnere ich mich gerne zur\u00fcck, sie fiel aber k\u00fcrzer aus als urspr\u00fcnglich geplant. Um mir erstmal einen Einblick in die \u201eTruppe\u201c zu verschaffen kam mir die damals noch bestehende Wehrpflicht gerade recht. 9 Monate Grundwehrdienst sp\u00e4ter war klar: sch\u00f6ne Zeit aber nicht meine Zukunft. Ich habe noch 3 Monate freiwillig verl\u00e4ngert und schrieb mich f\u00fcr das Wintersemester an der Uni ein. Mein Wunschfach: Wirtschaftsingenieurwesen.<\/p>\n<p>Eine Kleinigkeit kam mir daf\u00fcr leider dazwischen. Sie nannte sich \u201eNumerus Clausus\u201c und vertrug sich mit meinem Abi-Schnitt leider so gar nicht.<\/p>\n<h2><strong>M\u00f6gliche Alternativen<\/strong><\/h2>\n<p>F\u00fcr eine Ausbildung war es jetzt ein Wenig sp\u00e4t und wirkliche Begeisterung entfachte bei mir keine der vielen Jobbeschreibungen f\u00fcr die verschiedensten Ausbildungsberufe. Ich beschloss, mich erst einmal f\u00fcr Maschinenbau einzuschreiben. In h\u00f6heren Semestern k\u00f6nnte ich ja dann immer noch zu meinem Wunschfach wechseln.<\/p>\n<p>Gleichzeitig zog ich mit meiner Freundin zusammen. Unsere erste gemeinsame Wohnung \u2013 einfach genial. Allerdings erh\u00f6hten die neuen Lebensumst\u00e4nde meine monatlichen Ausgaben doch dramatisch und so suchte ich mir einen Nebenjob. Erst trug ich Pizza aus, dann r\u00e4umte ich Regale ein und schlie\u00dflich wurde ich Kassierer.<\/p>\n<p>Zu dieser Zeit konzentrierte ich mich stets auf das Wesentliche: statt\u00a0 morgens zu den Vorlesungen zu gehen r\u00e4umte ich Regale ein, statt abends f\u00fcr die Uni zu lernen trug ich Pizza aus oder traf mich mit Freunden und in Klausurphasen gl\u00e4nzte mein Ofen als h\u00e4tte ich ihn erst k\u00fcrzlich neu erworben.<\/p>\n<p>So gingen die ersten Semester ins Land und die Liste nicht bestandener F\u00e4cher wurde l\u00e4nger. Es ging mir richtig schlecht. Die N\u00e4chte waren unruhig, die Treffen mit meinen Kommilitonen glichen einer Folter \u2013 schlie\u00dflich fanden sie die Motivation ihr Studium durchzuziehen die mir fehlte.<\/p>\n<p>Es musste sich etwas \u00e4ndern und zum ersten Mal kam die Frage auf: will ich das eigentlich wirklich?<\/p>\n<p>F\u00fcr das Studium brauchte ich noch 20 Wochen Praktikum \u2013 eine gute Gelegenheit um die Frage f\u00fcr mich zu beantworten. Ich fand eine tolle Stelle in einem Werk welches Dampf- und Gasturbinen herstellte und die Wochen vergingen wie im Flug.<\/p>\n<p>Ich hatte neuen Mut gesch\u00f6pft &#8211; war hoch motiviert nun endlich mein Studium ernst zu nehmen und meine Priorit\u00e4ten neu zu sortieren\u2026<\/p>\n<p>2 Semester sp\u00e4ter fand ich mich im alten Trott wieder. Ein paar F\u00e4cher konnte ich nachholen aber alles in allem war ein Ende des Studiums noch in weiter Ferne.<\/p>\n<h2><strong>Die schwerste Entscheidung meines Lebens<\/strong><\/h2>\n<p>Was will ich mit meinem Leben anfangen \u2013 eine Frage, auf die ich in meinem Leben schon \u00f6fter getroffen bin und die auch Personaler gerne bei Einstellungsgespr\u00e4chen stellen, im Sinne von \u201eWo sehen Sie sich in 5 Jahren?\u201c.<\/p>\n<p>Meine \u00dcberlegung: wenn ich einen Ausbildungsplatz finde breche ich mein Studium ab, wenn nicht ziehe ich es bis zum bitteren Ende durch.<\/p>\n<p>Ich erhielt die Chance \u201edie Kurve zu kriegen\u201c. Ich fand eine Ausbildung zum Bankkaufmann und brach mein Studium ab.<\/p>\n<p>Die beste Entscheidung meines Lebens. Die Ausbildung erf\u00fcllte alles was mir im Studium fehlte. Sie war praxisnah, klar strukturiert und dank toller Ausbilder und Kollegen fand ich dennoch Freir\u00e4ume und durfte von Beginn an Kunden selbst beraten. Ich wurde gefordert, gef\u00f6rdert und war hoch motiviert.<\/p>\n<p>Sp\u00e4ter war ich Jahrgangsbester und hatte die Ausbildung noch um 6 Monate verk\u00fcrzt.<\/p>\n<h2><strong>Zeit f\u00fcr eine neue Richtung<\/strong><\/h2>\n<p>Was mir zuvor nie so richtig bewusst war: eine abgeschlossene Ausbildung ist nicht blo\u00df ein Weg in eine bestimmte Richtung \u2013 sie \u00f6ffnet T\u00fcren f\u00fcr viele verschiedene Wege.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend meiner Zeit an der Uni und auch w\u00e4hrend meiner Ausbildung lernte ich einen Beruf kennen, mit dem ich zun\u00e4chst gar nicht wirklich etwas anfangen konnte \u2013 Dozent\u2026 Menschen, die quer durchs Land reisen und abends nicht wissen wo sie morgens aufwachen. Ein Job, den ich mir beim besten Willen nicht h\u00e4tte vorstellen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>2 Jahre sp\u00e4ter sah die Sache ganz anders aus. Ich entschied mich gegen einen Platz in der Bank und begann nach der Ausbildung ein Trainee-Programm zum Junior Dozenten bei der Frankfurt School, machte meinen Ausbilderschein und nahm am \u201eTrain The Trainer\u201c Lehrgang teil.<\/p>\n<p>Die Tage mit Azubis und anderen Teilnehmern gestalten diesen Job abwechslungsreich und herausfordernd. Ich bereite mich auf Lern- und Projektauftr\u00e4ge vor und gestalte eigene Seminare.<\/p>\n<p>Heute falle ich abends ersch\u00f6pft und gl\u00fccklich in mein Bett. Meist in mein eigenes &#8211; und an den anderen Abenden genie\u00dfe ich es neue St\u00e4dte zu entdecken, neue Menschen kennenzulernen und jede Menge toller Erfahrungen zu sammeln.<\/p>\n<h2><strong>Die wichtigste Erkenntnis f\u00fcr mich<\/strong><\/h2>\n<p>Was mir beim Motorradfahren die gr\u00f6\u00dfte Freude bereitet sind Serpentinen \u2013 warum sollte es im Leben nicht auch so funktionieren. Den Mut haben eigene Entscheidungen zu treffen und seinen Weg zu gehen \u2013 es hat mich zu einem Ort gef\u00fchrt,\u00a0 von dem aus ich eine tolle Aussicht genie\u00dfe\u2026<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u2026So wie bei mir. Ich bin begeisterter Motorradfahrer, besitze handwerkliches Geschick und kann eine Stunde reden, gerne auch ohne Inhalt. Leider sind das Eigenschaften die mir in der Schule nicht wirklich weiterhalfen. Ich war ein eher durchschnittlicher Sch\u00fcler und habe mich durch meine Schulzeit irgendwie durchgeschl\u00e4ngelt \u2013 egal, ich wollte ja eh sp\u00e4ter zur Bundeswehr. 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