{"id":8438,"date":"2017-08-30T07:09:24","date_gmt":"2017-08-30T06:09:24","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.frankfurt-school.de\/?p=8438"},"modified":"2021-09-09T07:45:20","modified_gmt":"2021-09-09T06:45:20","slug":"notenbanken","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.frankfurt-school.de\/de\/notenbanken\/","title":{"rendered":"Macht und Einfluss der Notenbanken"},"content":{"rendered":"<p>Seit der globalen Finanzkrise haben Notenbanken Ma\u00dfnahmen ergriffen, die weit \u00fcber das hinausgehen, was zuvor als Ausdruck \u201enormaler\u201c Geldpolitik galt, n\u00e4mlich die Ver\u00e4nderung eines positiven Leitzinses. Daf\u00fcr haben sie viel Lob erhalten \u2013 der fr\u00fchere IWF Chef\u00f6konom Raghuram Rajan \u00a0sprach sogar von \u201eHelden\u201c \u2013 \u00a0aber auch viel Kritik. So werfen manche Beobachter, auch Kollegen, den Notenbanken vor, mit ihrer Politik unseren Wohlstand zu gef\u00e4hrden.<\/p>\n<p>Beides ist nicht berechtigt: weder die Lobeshymnen noch die vernichtende Kritik. Der Kriseneinsatz der Notenbank als Kreditgeber der letzten Instanz \u00a0ist keine Heldentat, sondern entspricht der Zentralbanktradition, die bis ins 19. Jahrhundert zur\u00fcckreicht. In einer Krise wollen Anleger und Sparer sich von bisher als sicher geltenden Aktiva trennen und in Zentralbankgeld umtauschen. Indem Notenbanken dies erm\u00f6glichen, verhindern sie, dass die Krise voll auf die Realwirtschaft durchschl\u00e4gt und damit Einkommen, Besch\u00e4ftigung und Preisniveau abst\u00fcrzen. Das war und ist die Lehre aus der Gro\u00dfen Depression und dieser Lehre sind die Notenbanken gefolgt. Dies gilt auch f\u00fcr die EZB und die L\u00f6sung der Eurokrise durch Draghis \u201ewhatever it takes\u201c. Den Anlegern und Sparern wurde dadurch das Vertrauen zur\u00fcckgegeben, dass sie f\u00fcr die von ihnen gehaltenen Staatsanleihen immer einen K\u00e4ufer finden w\u00fcrden. Genau aus diesem Grund wollten sie dann auch gar nicht mehr verkaufen. Liquidit\u00e4tskrisen k\u00f6nnen nur Notenbanken l\u00f6sen, weil nur sie Liquidit\u00e4t bereitstellen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Konfrontiert mit der Nullzinsgrenze stellt sich auch der Kauf von Staatsanleihen bei n\u00fcchterner Betrachtung nicht als Schurkenst\u00fcck, sondern als schlichte Befolgung des Mandats dar, n\u00e4mlich Preisstabilit\u00e4t zu sichern. Da das normale Instrument, also weitere Zinssenkungen, ausfiel, mussten die Notenbanken auf neue und \u2013 per Definition \u2013 weniger effektive Ma\u00dfnahmen ausweichen, wie zum Beispiel den Kauf von Staatsanleihen.<\/p>\n<p>Insgesamt waren die Notenbanken bei der Bek\u00e4mpfung von Krise und Deflation erfolgreich. Deshalb ist es richtig, dass man \u00fcber einen Ausstieg aus der unkonventionellen Geldpolitik diskutiert. Erneut ist aber Augenma\u00df erforderlich, denn angesichts der Nullzinsgrenze spricht eben einiges daf\u00fcr, den Ausstieg eher sp\u00e4ter als fr\u00fcher, eher dosiert als abrupt vorzunehmen. Denn bei einem zu fr\u00fchen und abrupten Handeln und einer dann m\u00f6glichen Rezession w\u00fcrden die Notenbanken sehr schnell vor der schwierig zu beantwortenden Frage stehen, wie sie darauf geldpolitisch reagieren sollten. Es ist verst\u00e4ndlich, wenn sie eine solche Situation wenn m\u00f6glich vermeiden wollen.<\/p>\n<p>H\u00f6ren Sie auch den \u00a0<a href=\"http:\/\/www.hr-inforadio.de\/podcast\/bilanz\/podcast-episode-12954.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Podcast Bilanz von hr info<\/a>\u00a0um tiefer in das Thema einzutauchen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seit der globalen Finanzkrise haben Notenbanken Ma\u00dfnahmen ergriffen, die weit \u00fcber das hinausgehen, was zuvor als Ausdruck \u201enormaler\u201c Geldpolitik galt, n\u00e4mlich die Ver\u00e4nderung eines positiven Leitzinses. Daf\u00fcr haben sie viel Lob erhalten \u2013 der fr\u00fchere IWF Chef\u00f6konom Raghuram Rajan \u00a0sprach sogar von \u201eHelden\u201c \u2013 \u00a0aber auch viel Kritik. 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