{"id":8944,"date":"2017-11-08T14:06:43","date_gmt":"2017-11-08T13:06:43","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.frankfurt-school.de\/?p=8944"},"modified":"2022-06-29T16:16:15","modified_gmt":"2022-06-29T15:16:15","slug":"nachhaltige-kapitalanlagen-fur-privatanleger-ja-aber","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.frankfurt-school.de\/de\/nachhaltige-kapitalanlagen-fur-privatanleger-ja-aber\/","title":{"rendered":"Nachhaltige Kapitalanlagen f\u00fcr Privatanleger. Ja, aber\u2026"},"content":{"rendered":"<p>Vier von zehn Privatanlegern in Deutschland finden nachhaltige Kapitalanlagen so attraktiv, dass sie ihr Geld dort investieren w\u00fcrden. F\u00fcr ein solches Investment haben sich bislang aber nur 4,8 Prozent der im Rahmen einer repr\u00e4sentativen Umfrage befragten Privatanleger entschieden. Dies sind die Kernergebnisse einer der bisher gr\u00f6\u00dften <a href=\"http:\/\/nk-institut.de\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/NKI-Research-06-2017-Privatanleger-Befragung.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Umfragen zur nachhaltigen Kapitalanlage<\/a> in Deutschland, die das NKI 2017 beim Marktforschungsinstitut GfK in Auftrag gegeben hat. Befragt wurden 1.694 Finanzentscheider in Privathaushalten in Deutschland.<\/p>\n<p>Gegen den Kauf nachhaltiger Geldanlagen sprechen nach Angaben der Befragten vor allem unzureichende Informationen. So empfinden 40,1 Prozent der Befragten das Informationsangebot zu nachhaltigen Anlageprodukten als unzureichend, 35,2 Prozent ist die Wirkung der Anlagen f\u00fcr eine nachhaltige Entwicklung unklar. Eine unzureichende Beratung durch ihre Hausbank ist f\u00fcr 22,7 Prozent der Befragten ein Grund, nicht nachhaltig zu investieren. 30,9 Prozent bef\u00fcrchten ein h\u00f6heres Anlagerisiko, 22,5 Prozent eine schlechtere Rendite.<\/p>\n<p>Auf die Frage nach ihren Motiven f\u00fcr eine nachhaltige Kapitalanlage nennen fast zwei Drittel der bereits investierten Teilnehmer (64,8 Prozent) den Beitrag dieser Anlagen zu einer nachhaltigen Entwicklung, f\u00fcr 58 Prozent dieser Befragten ist die \u00dcbereinstimmung der Kapitalanlage mit ihren pers\u00f6nlichen Werten und Zielen der ausschlaggebende Grund, ihr Geld in nachhaltige Anlageprodukte zu investieren. Den Beitrag zum Umwelt- und Klimaschutz sch\u00e4tzen 54,5 Prozent, etwas mehr als jeder Vierte (27,6 Prozent) verspricht sich eine bessere Rendite.<\/p>\n<p>Die Einhaltung von fundamentalen Menschen- (41,5 Prozent) und Arbeitsrechten (35,5 Prozent) sowie der Schutz von Umwelt (31,1 Prozent) und Klima (31,0 Prozent) sind aus Sicht der Befragten die wichtigsten Themen, die bei der Gestaltung von nachhaltigen Anlageprodukten ber\u00fccksichtigt werden sollten. 26,8 Prozent halten den Ausschluss von korrupten Unternehmen und Staaten f\u00fcr eine zentrale Anforderung an diese Anlagen. Damit landen interessanter Weise genau die Themen auf den vorderen Pl\u00e4tzen, zu deren Ber\u00fccksichtigung sich auch die fast 10.000 Unternehmen verpflichtet haben, die dem <a href=\"https:\/\/www.unglobalcompact.org\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">UN Global Compact<\/a> beigetreten sind.<\/p>\n<p>F\u00fcr lediglich 17,3 Prozent der Privatanleger ist der Ausschluss von R\u00fcstungsunternehmen ein zentrales Thema, f\u00fcr 5,6 Prozent der Ausschluss von Unternehmen, die fossile Energien f\u00f6rdern oder verarbeiten. Bei diesen beiden Punkten zeigen sich deutliche Unterschiede zu den Einsch\u00e4tzungen und Diskussionen bei institutionellen Anlegern, bei denen der Ausschluss von R\u00fcstungsunternehmen und zunehmend auch von Kohle- und \u00d6lunternehmen weit verbreitet ist.<\/p>\n<p>Sachanlagen sto\u00dfen bei den Privatanlegern auf besonderes Interesse. So h\u00e4lt gut ein Drittel aller Befragten (34,3 Prozent) Direktanlagen in erneuerbare Energien f\u00fcr attraktiv, 31,3 Prozent sagen dies \u00fcber Direktanlagen in nachhaltig bewirtschafteten Wald und 28,1 Prozent \u00fcber nachhaltige Immobilien. Eine nachhaltige Altersversorgung finden 25,1 Prozent der Befragten attraktiv, Umwelt- und Nachhaltigkeitsfonds 21,4 Prozent.<\/p>\n<p>In diesem Spannungsfeld von ge\u00e4u\u00dferter Attraktivit\u00e4t und get\u00e4tigtem Investment zeigt sich ein Henne-Ei-Problem des Marktes. Die Privatanleger verweisen auf unzureichende Informationen und Beratung, die sie bisher von einer nachhaltigen Kapitalanlage abhalten; die Anbieter \u2013 Banken und Verm\u00f6gensverwalter \u2013 argumentieren, dass die geringe Nachfrage keine umfangreichen Initiativen auf Produkt- und Kommunikationsseite rechtfertigt.<\/p>\n<p>Der Schl\u00fcssel f\u00fcr die weitere Marktentwicklung liegt aber bei den Anbietern. Die Befragung zeigt das attraktive Potenzial dieses Marktsegments, das durch transparente Information und attraktive Produkte erschlossen werden kann. Dabei gilt es insbesondere auch, die positiven Wirkungen der nachhaltigen Kapitalanlage sowohl auf das Rendite-Risiko-Profil als auch auf eine nachhaltige Entwicklung herauszuarbeiten.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend es hier bei der Frage der finanziellen Wirkungen bereits umfassende Daten gibt, mangelt es nach wie vor an belastbaren Aussagen zu den sozialen und umweltbezogenen Wirkungen. Ans\u00e4tze wie die Messung des Carbon Footprints sind hier nur ein Anfang. Weitere Schritte werden folgen m\u00fcssen, um auch Privatanleger zu einer nachhaltigen Kapitalanlage zu bewegen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vier von zehn Privatanlegern in Deutschland finden nachhaltige Kapitalanlagen so attraktiv, dass sie ihr Geld dort investieren w\u00fcrden. 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