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Die Effizienzprüfung in der Gremienbetreuung und Aufsichtsratsarbeit
Weiterbildung / 18. Mai 2026
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Expertin für Kommunikation, Wirkung und Konfliktkompetenz im Top-Management- und Gremienumfeld
Sie begleitet Vorstände, Aufsichtsräte und Governance-Funktionen in anspruchsvollen Kommunikations- und Entscheidungssituationen. Ihr Schwerpunkt liegt auf professioneller Gesprächsführung, souveränem Auftreten und der Steuerung komplexer Stakeholder-Dynamiken. Mit ihrem praxisnahen Ansatz stärkt sie die Wirksamkeit und Sicherheit im sensiblen Board-Kontext.

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Der Deutsche Corporate Governance Kodex (DCGK) empfiehlt und § 25d KWG verlangt die regelmäßige Effizienzanalyse des Aufsichtsorgans – und wer diese Prüfung klug anlegt, gewinnt weit mehr als Compliance: ein leistungsfähigeres Gremium und eine professionell gesteuerte Gremienarbeit.

Es gibt Pflichten, die man abhakt. Und es gibt Pflichten, die man nutzt. Die Effizienzprüfung des Aufsichtsrats gehört in vielen Unternehmen bzw. Finanzinstituten noch zur ersten Kategorie: ein regelmäßiger formaler Akt, dokumentiert, abgezeichnet, abgelegt. Wer sie so begreift, verschenkt eine erstklassige Gelegenheit – nicht nur für das Gremium selbst, sondern auch für diejenigen, die die Gremienarbeit organisieren und begleiten.

Eine gut konzipierte Effizienzprüfung ist kein Stresstest und kein Tribunal. Sie ist ein strukturiertes Reflexionsinstrument – und als solches kann sie Außerordentliches leisten. Sie schafft einen geschützten Raum, in dem Aufsichtsratsmitglieder Dinge ansprechen können, die im normalen Gremiumsbetrieb untergehen: Informationsasymmetrien, Zeitprobleme, unterschwellige Rollenkonflikte oder Kommunikationsdefizite zwischen Ausschüssen und Plenum.

Für Gremienbetreuer eröffnet sich hier eine besondere Rolle: Sie sind es, die diesen Prozess vorbereiten, strukturieren und oft auch moderieren oder begleiten. Damit wird die Effizienzprüfung zu einem zentralen Hebel, um die Qualität der Gremienarbeit systematisch zu erhöhen und die eigene Funktion vom organisatorischen Unterstützer hin zum Governance-Partner weiterzuentwickeln.

Konkret kann eine substanzielle Effizienzprüfung Antworten auf Fragen liefern wie: Erhalten wir als Gremium die richtigen Informationen zur richtigen Zeit in der richtigen Tiefe? Wie steht es um die Balance zwischen strategischer Begleitung und operativer Kontrolle? Werden Sitzungen so genutzt, dass echte Diskussionen möglich sind – oder wird vorwiegend berichtet? Und: Wo brauchen einzelne Mitglieder Unterstützung – fachlich, methodisch oder durch bessere Ressourcen?

Gerade im Finanzsektor kommt eine weitere Dimension hinzu: Effizienzprüfung und Eignungsbeurteilung sind regulatorisch eng miteinander verknüpft. Beide verfolgen das Ziel, sicherzustellen, dass das Gremium als Ganzes und in seiner Zusammensetzung den steigenden Anforderungen gerecht wird.

Effizienzprüfung und Eignungsbeurteilung werden in der Praxis oft als zwei separate Bürden behandelt. Dabei sind sie zwei Seiten derselben Medaille – und lassen sich zu einem integrierten Instrument formen, das den Aufsichtsrat stärkt statt belastet.

In der Praxis werden diese beiden Themen jedoch häufig getrennt behandelt – mit entsprechendem Mehraufwand für Aufsichtsräte und Gremienbetreuung. Dabei sind sie zwei Seiten derselben Medaille. Die Datenbasis überschneidet sich erheblich, und eine intelligente Verzahnung – etwa durch gemeinsame Erhebungsinstrumente, strukturierte Interviews oder integrierte Maßnahmenpläne – ermöglicht nicht nur Effizienzgewinne, sondern auch eine deutlich höhere inhaltliche Qualität.

Für Aufsichtsräte bedeutet dies: weniger Formalismus, mehr echter Mehrwert für die eigene Arbeit. Für Gremienbetreuer bedeutet es: die Chance, Prozesse nicht nur zu organisieren, sondern aktiv zu gestalten und als zentraler Ansprechpartner für Governance-Themen zu wirken.

Entscheidend ist damit der Wechsel vom Compliance-Modus in den Entwicklungsmodus. Die Effizienzprüfung dient dann nicht mehr nur als Nachweis regulatorischer Pflichterfüllung, sondern wird zum Instrument der kontinuierlichen Verbesserung – des Gremiums, seiner Mitglieder und der gesamten Gremienarbeit. Unternehmen, die diesen Schritt vollziehen, profitieren von klareren Rollen, strukturierteren Prozessen und einer wirksameren Zusammenarbeit zwischen Vorstand, Aufsichtsrat und Gremienbetreuung.

Zertifikatsstudiengang: Zertifizierter Gremienbetreuer

Professionelle Gremienarbeit gewinnt in Zeiten von Regulierung, Transformation und geopolitischer Unsicherheit weiter an Bedeutung. Aufsichtsräte und Vorstände stehen vor wachsenden Anforderungen an Governance, Strategie und Verantwortung

Seminar: Effizienzprüfung als Chance für performance-orientierte Aufsichtsratsarbeit

Für Mitglieder von Aufsichtsgremien in der Finanzwirtschaft. Regulatorisch fundiert, methodisch konkret – mit integriertem Ansatz für Effizienzprüfung und Eignungsbeurteilung nach § 25d KWG. Die Frankfurt School of Finance and Management bietet hierzu in entsprechenden offenen Fortbildungsprodukte entsprechende Foren, bei denen nicht nur aktuelle Erfahrungen aus der Praxis weitergegeben werden, sondern auch die Möglichkeit zur Diskussion je eigener Anforderungen besteht:

Co-Author

Stephan Hartenstein

Stephan Hartenstein ist ausgewiesener Experte für Risikomanagement, Corporate Governance und die Effizienzprüfung von Aufsichtsräten.
Er verfügt über langjährige Erfahrung in der Analyse und Weiterentwicklung von Governance- und Gremienstrukturen im Finanzsektor.
Mit einem klar praxisorientierten Ansatz unterstützt er Organisationen und deren Gremien dabei, ihre Performance nachhaltig zu steigern.

 

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