FRANKFURT SCHOOL

BLOG

Was mich Forschungskonferenzen fürs Leben lehrten
FS-UNEP Centre / 11. April 2023
  • Teilen

  • 2855

  • 0

  • Drucken
Sustainable Finance Researcher
Menglu Neupert-Zhuang is a member of the research group at the FS-UNEP Collaborating Centre for Climate and Sustainable Energy Finance. Her research interests are in behavioural and environmental economics. She is passionate about studying financial decision-making in the context of redirecting the economy and society towards sustainability. Her impact-oriented research contributes to the latest policy debates in sustainable finance.

Autorenprofil

Mehr Blog Posts
Beyond adaptation: Addressing loss and damage in the face of climate change
Die Hürden und Treiber für die Einführung von Power-to-X in Nicht-OECD-Ländern
Öffentlicher Verkehr: die Zukunft, die Sie sich wünschen

Als ich anfing zu zählen, stellte ich fest, dass ich in den letzten drei Jahren an mehr als 30 Forschungskonferenzen und Workshops teilgenommen hatte. Ich erinnere mich immer noch an jede einzelne von ihnen, wie in einem Film. Ich war selbst erstaunt, wie oft ich vor einem Publikum stand. Ich war dort als Zuhörerin, Kommentatorin, häufig als Vortragsrednerin und manchmal sogar als Moderatorin von Diskussionen.

In meiner Forschung untersuche ich hauptsächlich Investitionsentscheidungen in Bezug auf nachhaltige und nicht-nachhaltige Anlagen. Präsentationen auf großen und kleinen Konferenzen sind ein wesentlicher Bestandteil meines Arbeitslebens. Zu unserer Freude wurden die Beiträge, die meine Mitautoren (Oliver Schenker, Marco Nilgen) und ich verfasst haben, unter anderem von der EAERE-Konferenz, der SURED-Konferenz und verschiedenen anderen Veranstaltungen an renommierten Forschungsuniversitäten angenommen.

Aber was kann ich Ihnen nun mit auf den Weg geben? Die folgenden Lektionen könnten im Leben ebenso wichtig sein wie im Beruf.

Überwinden Sie Ihre Selbstzweifel

Perfektionismus ist der Feind Nummer eins der Forscher:innen. Oftmals werden sie von heftigen Selbstzweifeln geplagt. Die quälende Frage „Bin ich gut genug?“ nistet sich im Unterbewusstsein ein. Sie denken vielleicht: „Soll ich meine Arbeit bei einer Konferenz einreichen? Sie ist noch nicht perfekt. Was ist, wenn ich abgelehnt werde“. Ich habe gelernt, dass man in dieser Situation aktiv werden und sich um Feedback von seinen Betreuer:innen und  Forscherkollegen:innen bemühen sollte. Wenn sich die Gelegenheit bietet, geben Sie einfach Ihr Bestes, überarbeiten Sie Ihre Arbeit und reichen Sie sie bei der Konferenz ein! Mir wurde klar, dass eine kleine Dosis Selbstzweifel gesund ist, aber eine große Dosis giftig sein kann. Und denken Sie bitte daran, dass Sie sich nach ein paar Malen daran gewöhnen werden, und all das weniger beängstigend sein wird!

Genießen Sie die „Kritik“

Nachdem Sie grünes Licht für einen Vortrag auf einer Konferenz bekommen haben, könnten Sie anfangen, nach den großen Namen Ausschau zu halten und in eine Opfermentalität zu verfallen und zu denken: „Sie werden meine Fehler entdecken, meine Arbeit kritisieren und mich vernichten.“ Die Realität ist jedoch, dass die meisten etablierten Forscher:innen auf Konferenzen äußerst nett, hilfsbereit und nahbar sind. Sie werden sehen, dass ihr aufschlussreiches Feedback Sie nicht nur vor nachteiligen Designfehlern bewahren kann, sondern Ihnen auch wochenlange Arbeit erspart bleiben kann, in der Sie sich allein den Kopf zerbrechen würden. Außerdem entsteht durch die Unterhaltungen ein Gemeinschaftsgefühl; Sie werden Bekanntschaften machen und Freundschaften entwickeln, die Sie wahrscheinlich über die folgenden Jahre auf anderen Konferenzen begleiten werden.

Machen Sie Ihr Selbstwertgefühl nicht vom Forschungserfolg abhängig

Die Welt der akademischen Forschung ist äußerst kompetitiv. Viele Vorteile, einschließlich finanzieller Mittel und Arbeitsstellen, hängen von früheren Erfolgen ab. Ich bin jedoch der Auffassung, dass unser Selbstwertgefühl als Person unabhängig dessen bestehen bleiben sollte.

Ein Thema, das bei den Gesprächen in den Konferenzpausen immer wieder aufkam, ist die karrierebezogene Unsicherheit der Forschenden. Die Erhöhung der Zahl der eigenen wissenschaftlichen Veröffentlichungen scheint der einzige Weg zu sein, um eine langfristige Anstellung als Forscher:innen zu sichern. Ironischerweise bringt das Publizieren um des Publizierens willen selten, wenn überhaupt, gute Forschung hervor. Diesbezüglich schätze ich mich glücklich: Meine größte Stärke ist das Selbstbewusstsein, dass ich mit meinen erlernten Fähigkeiten auch in einer weniger forschungsorientierten Karriere gut zurechtkommen kann. Aber Forschung ist meine Leidenschaft, und wenn sich die Gelegenheit bietet, Forschung zu betreiben, dann will ich sie auch nutzen.

Ich denke, das Entscheidende ist, dass wir auch als Forscher:innen glückliche und erfüllte Menschen bleiben, auch wenn wir uns gelegentlich in Kritik und Zweifel verlieren können. Eine erfahrene Forscherin, die ich auf einer Konferenz auf dem kleinen Hügel von Ascona traf, sagte zu mir: „Gibt dein Bestes, aber lebe im Hier und Jetzt. Du wirst sehen, dass es auch noch andere wichtige Dinge im Leben gibt.“

Ein besonderer Dank gilt Frederic Bettini für die Bearbeitung der deutschen Version des Blogs.

0 Kommentare

Senden