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Die letzte Meile zu einer vollständigen XML-Datenstruktur
Weiterbildung / 27. Juni 2023
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Axel Jäger ist seit 1995 Zahlungsverkehr- und Cash Management Spezialist, sowie Dozent im Zertifikatsstudiengang Certified Payment Professional.

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Cum ergo incipit? Wann beginnst du? So oder so ähnlich könnte die Frage lauten, die Treasurer, Buchhalter oder Mitarbeitende der Unternehmens-IT in den kommenden Monaten häufiger von ihren Geschäftsbanken gestellt bekommen.

Seit einigen Jahren – insbesondere seit der Einführung der neuen XML-Formate im Zahlungsverkehr – besteht die kontinuierliche Anforderung, Finanzbuchhaltungs- und Treasury Software-Anwendungen den neuen Gegebenheiten anzupassen.

Übergang von der alten DTA-Welt zu den neuen XML-Formaten

Bereits seit 2014 besteht die Verpflichtung, beim Datenaustausch zwischen Kunden und Bank Zahldateien in der neuen ISO 20022 XML-Struktur einzureichen. Dieser Übergang von der alten DTA-Welt zu den neuen XML-Formaten war gleichermaßen ein Kraftakt wie die regelmäßige Implementierung neuer EPC-Rulebooks.

Seit einigen Jahren bieten die Banken ihren Kunden die Option an, elektronische Kontoauszüge im XML-Format zu erhalten. Im Gegensatz zu den Zahldateien besteht bei den Kontoauszügen jedoch keine Verpflichtung, diese im XML-Format zu verarbeiten … noch nicht! Denn die Gremien der Deutschen Kreditwirtschaft (DK) haben im Einklang mit SWIFT die Einstellung des allseits beliebten und weit verbreiteten SWIFT MT940 (SWIFT Tagesauszug, STA) beschlossen. Ab November 2025 besteht für die Kreditwirtschaft keine Verpflichtung mehr, über den elektronischen Weg Kontoauszüge im MT940-Format bereitzustellen, sondern lediglich im XML-Format (camt.053).

Die Zeit läuft. Es bleiben noch 30 Monate für diese Umstellung, die nach Einschätzung von Branchenkennern ca. 90 Prozent der Kunden betrifft. Anders ausgedrückt: Nur jedes zehnte Unternehmen hat bereits eine von Formatbrüchen freie Verbuchung im XML-Format umgesetzt.

Was bedeutet diese Migration?

Zunächst muss die Hausbank beauftragt werden, die Kontoauszüge im camt.053 bereitzustellen. Häufig bieten die Kreditinstitute ihren Kunden an, die Auszüge parallel als MT940 und camt.053 zu liefern. Dies hat den Vorteil, dass für die Test- und Implementierungsphase die Kunden Echtdaten erhalten, die die tatsächlichen Buchungen reflektieren. Diese Daten können nun in der Testumgebung der Finanzbuchhaltungs- oder Treasury Management Software genutzt werden, bevor das Unternehmen sie im produktiven Umfeld einsetzt.

Noch wichtiger als die Testdaten ist sicherlich, die verarbeitende Software auf eine Version zu bringen, die mit diesem XML-Format umgehen kann. Ergo: Es muss möglicherweise zunächst ein Software-Update bzw. -Upgrade eingespielt werden, das mit diesen camt.053-Dateien umgehen kann.

Zudem bieten die Softwarehersteller möglicherweise keine Standardreports mehr an, die die Zuordnung zu den entsprechenden Tabellen vornehmen, sondern unter anderem sogenannte Transformationstabellen (XSLT). Diese wiederum werden vermutlich nur ca. 80 Prozent der relevanten Felder matchen. Die restlichen 20 Prozent müssen „der Maschine“ mittels menschlicher Intelligenz beigebracht werden. Eine weitere Hürde mag wohl darin liegen, dass diese Zuordnungen pro Bank vorgenommen werden müssen, da – je nach Bank – die gelieferten Daten unterschiedlicher Qualität sein können.

Ein SAP Implementierungsmanager äußerte vor einiger Zeit Zweifel, die manuelle Zuordnung im Testumfeld vornehmen zu können: Möglicherweise müsse man die oben erwähnten 20 Prozent im laufenden Betrieb nach dem Trial & Error-Prinzip erlernen. Dies würde bedeuten, dass automatische Auszifferungsquoten, die heute bei 98 Prozent liegen, für eine Übergangszeit auf bis zu 70 Prozent zurückfallen könnten. Demzufolge müssten Buchhalter diese nicht automatisch zuzuordnenden Posten manuell verbuchen. Ein Aufwand, der für eine Übergangszeit zu bewältigen sein mag, jedoch keine Langzeitlösung sein kann – insbesondere im Massenzahlungsverkehr.

Es bestehen noch weitere Hürden, die eine solche Umstellung erschweren können:

  • unterschiedliche Finanzbuchhaltungsversionen im Unternehmen (zum Beispiel für Debitoren-, Kreditioren- oder HR-Bereiche),
  • Bereitstellung unterschiedlicher camt.053-Versionen (02 vs.08)
  • weiteres notwendiges „Customizing“ von ERPs und TMS

Es ist davon auszugehen, dass ein mittelständisches Unternehmen mindestens 4 bis 8 Monate Zeit einplanen muss, um diese anstehenden Änderungen vollständig zu implementieren.

Fazit: Tempus currit – die Zeit läuft

Der Zahlungsverkehr hat sich zu einem Top-Thema der Bankwirtschaft und des Handels entwickelt. Wichtig für Unternehmen aus der Industrie- und Finanzbranche sind daher regelmäßige Wissens-Updates zu aktuellen Entwicklungen und Zukunftstrends.

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