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7 Stolpersteine auf dem Weg zu einem agilen Unternehmen – Teil 2
Weiterbildung / 5. Dezember 2019
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Geschäftsführer von HelloAgile
Christian Böhmer ist Geschäftsführer von HelloAgile und Experte für agiles Arbeiten und die Einführung in großen Organisationen. Seine Expertise spielt er vor allem in regulierten Branchen wie im Finanz- oder Healthcarebereich sowie der Verwaltung aus.

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4. Selbstorientiertes Verhalten

Der schleichende Killer jeder (agilen) Veränderung verbirgt sich in fehlender Transparenz und einer missgünstigen, internen Firmenpolitik. Nichts schadet einer Organisation mehr als einzelne Personen, die danach streben, ihren Status zu sichern oder ihre Macht zu mehren. Werden Entscheidungen in Hinterräumen getroffen und auch nach dem Beschluss nicht transparent gemacht, sorgt dies für Unmut. Häufig wird das selbstorientierte Verhalten noch durch eine fehlende Vertrauenskultur verstärkt.

Was tun?
Fordern und fördern sie absolute Transparenz gegenüber allen sowie eine wertschätzende Fehlerkultur. Das mag ungewohnt sein und ist unbequem für den Einzelnen. Gleichzeitig sorgt die Transparenz dafür, dass viele bisher unterschwellige Konflikte ans Licht kommen. Dies wirkt auf den ersten Blick vielleicht abschreckend, eröffnet allerdings die Chance, die Gesamtheit der Konflikte zu beseitigen. Seien Sie selbst Vorbild. Leben Sie Transparenz! Geben Sie Fehler offen zu, halten Sie Konflikte aus und ermutigen Sie ihre Kollegen. Daran werden Sie selbst und Ihr Unternehmen wachsen!

5. Scrum für Alle!

Stellen Sie sich folgende Situation vor: Eine größere Unternehmensabteilung mit ca. 300 Mitarbeitern soll in innerhalb von sechs Monaten auf agiles Arbeiten umgestellt werden. Um die Abhängigkeit zwischen den verschiedenen Teams zu minimieren und eine klare Struktur zu schaffen, wird für jedes Team Scrum verordnet. Die Sprints wurden auf je 4 Wochen festgelegt.

Dies sorgt nicht für Agilität und Flexibilität, sondern ersetzt nur ein altes Framework mit einem neuen. Die Folge: Ihre Mitarbeiter sind frustriert, weil ein vierwöchiger Sprint nach Scrum für sie keinen Sinn ergibt und sie in die Entscheidung nicht mit einbezogen wurden.

Was tun?
Sehen Sie Scrum nicht als die Lösung für alles. Scrum hat seine Stärken und optimalen Einsatzbereiche – genau wie Kanban, Wasserfall und Design Thinking. Ermöglichen Sie es Ihren Mitarbeitern, frei und koordiniert zu entscheiden, wie sie am besten und produktivsten arbeiten können.

6. Fokus auf Tools und Prozesse statt auf Mindset und Produkte

„Wie bauen wir unser Taskboard?“ und „Mit welchem Tool kann ich den Fortschritt messen“ sind zwei der häufigsten Fragen, die ich von Teams und Managern zu Beginn eines Projektes und der agilen Transformation höre. Es geht nicht darum, welches Tool wir benutzen oder wie viele Spalten unser Taskboard hat, sondern darum, was wir damit erreichen wollen. Um dies zu beantworten, brauchen wir eine klare Vision, ein klares Verständnis von unseren Kunden und eine klare Vorstellung vom Produkt. Wenn dies definiert ist können wir die Architektur daran anpassen, Prozesse bilden, ein Team zusammenstellen und Tools auswählen.

Was tun?
Fangen Sie mit dem Wichtigen an. Überlegen Sie sich, wie Ihre Unternehmenskultur und das Mindset Ihrer Mitarbeiter in fünf bis zehn Jahren aussehen soll. Blicken Sie aus Business-Sicht auf das Projekt.

Ich verwende sehr gerne das BAPO-Model. Jeder Ihrer Gedanken sollte von der Frage ausgehen „Wie generiere ich Wert?“. Ihr Business prägt Ihre System- und Produktarchitektur. Die Architektur prägt wiederrum die Formen Ihrer Arbeit (Ablauforganisation), welche wiederum die Bereichs- und Teamstrukturen (Aufbauorganisation) gestalten.

Dann überlegen Sie, wie Sie dies erreichen können. Bauen Sie ein agiles Mindset auf, dabei helfen Trainings und eine aktive Community. Lassen Sie nicht nach – ständige Wiederholung ist an dieser Stelle Ihr größter Freund.

7. Das. „falsche“ Mandat

Das fehlende oder „falsche“ Mandat seitens der Geschäftsführung ist ein Stolperstein, an dem man garantiert scheitert, wenn man ihm begegnet. Ein falsches Mandat ist beispielsweise folgende Aufgabe: Sie sollen etwas im Unternehmen verändern, vielleicht sogar agiles Arbeiten einführen – aber dabei bitte nicht die Unternehmenskultur und die bisherigen Entscheidungsprozesse hinterfragen. Die Geschäftsführung nimmt keine klare Positionierung zu diesen Themen vor und lässt Ihnen keine Unterstützung zukommen.

Was tun?
Akzeptieren Sie, dass Geschäftsführer auch nur Menschen sind, die vor einer völlig neuen Herausforderung stehen. Sie haben nicht für alles eine (optimale) Lösung und können sich ab und an selbst unsicher fühlen. Suchen Sie das Gespräch, teilen Sie Ihre Gedanken und fordern Sie ein, was Sie für die Umsetzung der Aufgabe benötigen!

Um Sie für die agile Transformation zu rüsten, haben wir den Zertifikatsstudiengang „Agiles Projektmanagement“ entwickelt.