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Behavioral Economics at Frankfurt School
Economics / 12. Juni 2019
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Professor für Mikroökonomie
Sebastian Ebert ist Professor für Mikroökonomie an der Frankfurt School. Seine Forschung befasst sich mit der Psychologie von finanziellen und anderen risikobehafteten Entscheidungen und trägt so zu verschiedenen Bereichen der Verhaltensökonomie – insbesondere zur Behavioural Finance und Behavioural Insurance – bei.

Autorenprofil

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Das Marketingteam der FS und ich haben ein unterhaltsames Video zum Thema Verhaltensökonomie – meinem Forschungsschwerpunkt – gedreht. Die Verhaltensökonomie und ihre Teildisziplin Behavioural Finance gehen davon aus, dass sich viele wirtschaftliche Phänomene besser erklären lassen, wenn man berücksichtigt, dass Menschen manchmal nur begrenzt rational handeln. Dazu gehören unter anderem Investitionsverhalten, Jobsuche und Gesundheitsentscheidungen – schau Dir das Video an!

Systematische Verhaltensfehler

Begrenzt rationales Verhalten resultiert aus sogenannten systematischen Verhaltensfehlern („behavioral biases“). Es gibt dabei zwei große Untergruppen: Einschätzungsfehler („belief biases“) und Präferenzfehler („preference biases“). Als Einschätzungsfehler bezeichnet man Fehler im menschlichen Urteilsvermögen sowie unrealistische Überzeugungen. So glauben zum Beispiel viele Menschen, dass sie etwas besser können (zum Beispiel Autofahren) als dies tatsächlich der Fall ist. Diesen Einschätzungsfehler nennt man Selbstüberschätzung („Overconfidence“). Präferenzfehler hingegen beschreiben inkonsistente Vorlieben und daraus resultierende irrationale Entscheidungen. Käufer finden beispielsweise denselben Artikel mehr oder weniger attraktiv, je nachdem ob er im Geschäft neben höherwertigen oder geringerwertigen Artikeln platziert ist. Das Wissen um solche Präsentationseffekte („framing effects“) ist sowohl für die Angebotsseite (die Verkäufer) als auch für die Nachfrageseite (die Kunden) wichtig.

Mein Forschungsgebiet: Präferenzfehler

Präferenzfehler (etwas milder spricht man auch von Präferenzverzerrungen) lassen sich in vier Kategorien unterteilen, ja nachdem welche Entscheidungen sie betreffen:

  1. Entscheidungen ohne Risiko
  2. Risikobehaftete Entscheidungen
  3. Entscheidungen zu unterschiedlichen Zeitpunkten
  4. Entscheidungen, die nicht nur das eigene Wohl, sondern auch das anderer betreffen.

In meiner Forschung widme ich mich in erster Linie den Punkten 2. und 3., also verzerrten Risiko- und Zeitpräferenzen. Das bedeutet, dass ich Fehler untersuche, die Menschen bei Entscheidungen unter Risiko und über die Zeit hinweg machen. Ein anschauliches Beispiel dafür sind Investitionsentscheidungen. Dabei muss man sowhl Risiken abwägen als auch die zeitliche Dimension (etwa die Anlagedauer) im Kopf behalten. Der Gegenwartsfehler („present bias“) besagt, dass viele Menschen bei der Entscheidungsfindung eine zu starke Gewichtung auf die Gegenwart zu Lasten der Zukunft legen. Deshalb sparen sie oft zu wenig: Sparen ist im Moment unangenehm, folglich schiebt man es auf die lange Bank und zögert es immer wieder hinaus. Die Forschung hat außerdem gezeigt, dass Menschen beim Investieren kaum Risiken eingehen. Beim Sparen für die Zukunft, etwa für den Ruhestand, ist dies allerdings nicht sinnvoll, denn geringes Risiko bedeutet geringe Rendite.

Präferenzen bezüglich Risiken mit geringer Wahrscheinlichkeit und großer Wirkung

Mit Hilfe eines Starting Grants des Europäischen Forschungsrats untersuche ich das Risikoverhalten von Menschen zu unterschiedlichen Zeitpunkten und die Fehler, die sie dabei machen. Dabei interessiere ich mich besonders für Risiken, die mit geringer Wahrscheinlichkeit weitreichende Auswirkungen haben (wie schwere Krankheit, Arbeitsplatzverlust oder andere Katastrophen). Der menschliche Umgang mit solchen Risiken erscheint oft irrational. Ein Beispiel: Einerseits haben viele Menschen große Angst vor einem Flugzeugabsturz. Andererseits gehen sie regelmäßig bei roter Ampel über die Straße und riskieren alltäglich und ohne Not ihr Leben, ohne überhaupt über das Risiko nachzudenken. Warum?