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Zur Situation der Immobilienbranche und der Immobilienökonomie
Weiterbildung / 25. Mai 2023
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Birgit Ricke agiert seit 30 Jahren als Architektin, Projektmanagerin und Führungskraft im Multiprojektmanagement von Baumaßnahmen deutschlandweit. Ihre berufliche Entwicklung begann sie im Bereich Planung und Bauleitung von Großprojekten in den Architekturbüros HPP und gmp Architekten. An der FS unterrichtet sie im Zertifikatsstudiengang Certified Real Estate Manager.

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Die Immobilienbranche hat sich mehr als 13 Jahre im jährlichen Aufstieg befunden. Die Ergebnisse der Vorjahre konnten immer wieder übertroffen werden. Daran hätte man sich gewöhnen können.

Zum jetzigen Zeitpunkt ist, aufgrund weiterhin aktueller Ereignisse wie der anhaltende Krieg in der Ukraine, der Inflation mit steigenden Zinsen, steigende Bau- und Energiekosten, fehlende Transaktionen etc. eine Stagnation beziehungsweise eine Kehrtwende eingetreten. Obwohl Experten diese schon prognostiziert haben, wurde nicht erwartet, dass sie solch ein hohes Niveau erreichen würde.

Die Trendwende bei den Immobilienpreisen verfestigt sich

Die hohe Flächennachfrage bei Büroimmobilien der letzten Quartale hat nachlassen. Büroflächen, die sich im Bau oder kurz vor der Fertigstellung befinden, sind – auch aufgrund der geänderten Work-Life-Balance nach der COVID-19 Pandemie – nun schwerer zu vermieten oder zu verkaufen. Bei der Planung einer neuen Fläche stellt sich immer wieder die Frage, wie viel Bürofläche aufgrund von New Work und des demografischen Wandels in Zukunft noch benötigt wird. Neue Arbeitskonzepte, wie hybrides Arbeiten oder die Clean Desk Policy etablieren sich immer mehr in den Unternehmen.

Ebenfalls scheint der dringend benötigte Wohnungsbau für Projektentwickler und Investoren nicht mehr profitabel. Die Nachfrage nach Wohnraum ist noch immer aktuell und wird nicht nachlassen. Der Mietwohnungsmarkt bleibt angespannt und die Nachfrage nach Wohneigentum steht im Schatten der steigenden Zinsen sowie der hohen Inflationsrate.

Die Banken beginnen ihre Portfolios neu zu analysieren, zu bewerten und zu planen. Finanzierungen werden aufgrund der aktuellen Regulatorik (Basel, CRR, MaRisk, Novelle 2022 BelWertV) der Banken vor allem im Bestandsgeschäft bei fehlender Zinsabsicherung oder kurzfristig auslaufenden Festzinsvereinbarungen risikoreicher und müssen entsprechend abgesichert werden. Hierdurch können Prolongationen gefährdet sein.

Immobilienbranche steht vor großen Herausforderungen

Demzufolge steht der Immobilienmarkt derzeit vor enormen Herausforderungen:

  • Die Investitionen gehen zurück, weil neben den nachgebenden Immobilienpreisen auch die Finanzierungen aufgrund der gestiegenen regulatorischen Anforderungen der Banken schwieriger sind und die gestiegenen Zinsen für Investoren eine Hürde darstellen.
  • Die „Gewinnmarge“ der Projektentwickler ist aufgrund der gestiegenen Zinsen und Baukosten geringer bis unrentabel geworden.
  • Durch die Klimakrise gibt es einen neuen Blick auf Projektentwicklungen – Nachhaltigkeit steht im Vordergrund.
  • ESG muss zukünftig bereits bei der Finanzierungsanfrage berücksichtigt werden, was dazu führt, dass Zulassungen und Genehmigungen den gesamten Prozess verlängern.
  • Im Einzelhandel und den neuen Arbeitswelten hat ein Umbruch stattgefunden, dessen Auswirkung auf die zukünftigen Projektentwicklungen schwer abzuschätzen ist.

In diesen aufgezeigten Zusammenhängen zeigt sich, dass die Immobilienwirtschaft ein vielflächig verwobenes und gegenseitig in Abhängigkeit befindliches „System“ ist. Viele Faktoren beeinflussen den Immobilienmarkt und verursachen Marktvolatilität.

Den Gesamtzyklus einer Immobilie verstehen

Um die Gesamtzusammenhänge und vor allem den Zyklus der Immobilienwirtschaft unter Berücksichtigung des Cradle to Cradle Ansatzes (beginnend mit der Projektentwicklung über den Bau- und Betrieb, bis hin zum Nutzungsende des Projektes) aufzuzeigen, bietet die Frankfurt School den Zertifikatsstudiengang Certified Real Estate Manager an. Hier wird den Teilnehmenden neben der klassischen Projektentwicklung und Immobilienökonomie, der Immobilienbewertung, Transaktion und Finanzierung, Bauprojektsteuerung, Baumonitoring, Immobilienrecht und Nachhaltigkeit, ein gezielter Einblick in die gesamte Immobilienwirtschaft gegeben.

Der Schwerpunkt des Studiengangs liegt auf der praktischen Anwendung der vermittelten Inhalte. Gekoppelt mit Praxisbeispielen, wie beispielsweise die Besichtigungen von Baustellen, kann das erlernte Wissen als perfekte Grundlage direkt im täglichen „Doing“ angewandt und umgesetzt werden. Darüber hinaus ist es die beste Voraussetzung für einen Wechsel in das Umfeld der Immobilienwirtschaft. Experten aus allen Teilbereichen der Immobilienökonomie geben ihre langjährige Erfahrung und ihr Wissen an die Teilnehmenden in einem Studiengang weiter, der bisher in diesem Umfang noch nicht angeboten wird.

Mit der Weiterbildung erhalten Absolvent:innen ein Zertifikat der Frankfurt School of Finance & Management zum Certified Real Estate Manager und verfügen nach Abschluss über aktuelles Wissen der Immobilienbranche und können ihre erlernte Expertise sofort in der Praxis anwenden.

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