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Was Studierende vom strategischen Management über Konkurrenz lernen können
Studium / 13. April 2026
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Bachelor of Arts, Class of 2026
Alva Abebe hat sein berufsbegleitendes Studium der Betriebswirtschaftslehre mit Schwerpunkt Finance an der Frankfurt School von Herbst 2022 bis Frühjahr 2026 erfolgreich absolviert – zunächst am Campus Frankfurt, später am Campus Online.

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Im berufsbegleitenden BWL-Studium ist für mich besonders das Modul Strategisches Management herausgestochen, vor allem wegen seiner Interaktivität. Durch die Simulation von Unternehmen in Wettbewerbsszenarien und die Zusammenarbeit in unterschiedlichen Teams wurde strategisches Denken nicht nur theoretisch vermittelt, sondern direkt erlebbar. Gerade dadurch wurde mir deutlich, dass die dort behandelten Fragen nicht nur für Unternehmen relevant sind. Vieles davon lässt sich auch auf das Studium selbst übertragen.

Denn auch im Studium ist Konkurrenz ein fester Bestandteil des Alltags, selbst wenn sie selten offen so genannt wird. Sie zeigt sich in Noten, bei Bewerbungen um Praktika und Werkstudentenstellen, in Gruppenarbeiten oder auch in der Frage, wer besonders sichtbar, vernetzt oder zielstrebig wirkt. Gerade in einem ambitionierten Studienumfeld ist dieser Druck spürbar. Die entscheidende Frage ist deshalb nicht, ob Konkurrenz existiert, sondern wie man mit ihr umgeht, ohne sich im ständigen Vergleich zu verlieren.

Konkurrenz als Mittel zur Orientierung

Zunächst wird Konkurrenz oft vor allem als Belastung erlebt. Es gibt fast immer jemanden, der bessere Noten hat, mehr Praxiserfahrung mitbringt, souveräner auftritt oder schon einen klareren Plan für die Zukunft verfolgt. Ein kurzer Blick nach links und rechts reicht oft, um das Gefühl zu bekommen, in vielen Bereichen gleichzeitig aufholen zu müssen.

Gerade hier kann strategisches Denken helfen. Denn nicht jede Konkurrenzsituation verlangt, dass man in allem besser wird als andere. Viel wichtiger ist die Frage, wie sich Konkurrenz so einordnen lässt, dass sie nicht nur Druck erzeugt, sondern auch Orientierung geben kann. Auf das Studium übertragen bedeutet das, die eigenen Ziele klarer zu sehen, Prioritäten bewusster zu setzen und sich nicht ausschließlich von äußeren Maßstäben treiben zu lassen.

Strategie beginnt mit Analyse

Eine der wichtigsten Einsichten aus dem strategischen Management ist für mich, dass gute Entscheidungen eine gründliche Analyse voraussetzen. Unternehmen handeln nicht einfach spontan, sondern analysieren ihre Ausgangslage, ihr Umfeld, ihre Ressourcen und ihre Handlungsoptionen. Genau dieser Gedanke lässt sich auch auf das Studium übertragen.

Auch dort kann es hilfreich sein, nicht nur zu beobachten, was andere tun, sondern zunächst die eigene Situation besser zu verstehen. Dazu gehört, die eigenen Stärken und Schwächen ehrlich einzuschätzen, Ziele zu klären und die verfügbaren Ressourcen realistisch zu betrachten. Zeit, Energie, Aufmerksamkeit und Belastbarkeit sind schließlich ebenso begrenzt wie in jedem anderen Kontext, in dem Entscheidungen getroffen werden müssen.

Gerade diese Selbstreflexion macht im Studium einen entscheidenden Unterschied. Wer weiß, wo die eigenen Fähigkeiten liegen und welche Rahmenbedingungen die eigene Situation prägen, trifft bewusster Entscheidungen. Statt nur auf äußeren Druck zu reagieren, entsteht so ein klarerer Blick darauf, was sinnvoll, realistisch und langfristig tragfähig ist.

Den eigenen Wettbewerbsvorteil entwickeln

Wer die eigene Situation bewusst analysiert, erkennt schnell, dass es im Studium nicht darum geht, in jeder Hinsicht mit anderen mithalten zu müssen. Entscheidend ist vielmehr, die eigenen Stärken, Interessen und Rahmenbedingungen so zusammenzubringen, dass daraus ein klares persönliches Profil entsteht. Genau darin liegt der eigentliche Wettbewerbsvorteil.

Wer weiß, was die eigenen Fähigkeiten auszeichnet und in welchen Bereichen sie besonders wirksam werden, kann Entscheidungen gezielter treffen und Prioritäten bewusster setzen. Es ist nicht notwendig, in jeder Disziplin gleichzeitig zu glänzen. Wichtiger ist, die eigenen Ressourcen dort einzusetzen, wo sie den größten Nutzen entfalten und sich sinnvoll weiterentwickeln lassen.

Für Studierende bedeutet das, sich nicht von jedem Vergleich aus der Ruhe bringen zu lassen, sondern den eigenen Weg strategischer zu gestalten. Nicht der Versuch, überall besser zu sein als andere, führt langfristig weiter, sondern die Fähigkeit, ein eigenständiges Profil aufzubauen und dieses Schritt für Schritt zu stärken.

Konkurrenz braucht Grenzen

Trotzdem sollte das Studium nicht als reine Wettbewerbsarena verstanden werden. Ein strategischer Blick hilft dabei, Konkurrenz realistischer und konstruktiver einzuordnen, doch auch diese Perspektive hat Grenzen. Menschen sind keine Unternehmen, und nicht alles im Leben sollte nach Wettbewerbslogik bewertet werden. Wer sich nur noch vergleicht, verliert schnell die Freude am Lernen. Dann wird aus Entwicklung bloße Selbstoptimierung und aus Orientierung dauerhafter Druck.

Fazit

Vielleicht liegt die wichtigste Lehre aus dem strategischen Management für Studierende genau darin, sich nicht in erster Linie mit anderen zu messen, sondern die eigene Situation bewusst zu analysieren. Wer sich Zeit nimmt, die eigenen Stärken, Schwächen, Ziele und Ressourcen ehrlich zu reflektieren, schafft eine deutlich bessere Grundlage für Entscheidungen im Studium, im Privatleben und für den eigenen weiteren Weg.

Konkurrenz wird immer bestehen bleiben, doch sie muss nicht die Richtung vorgeben. Entscheidend ist, wie man sie einordnet und welche Schlüsse man für den eigenen Weg daraus zieht. Am Ende geht es nicht darum, jedem Vergleich standzuhalten, sondern darum, die eigenen Entscheidungen bewusst zu treffen. Entscheidungsträger seiner selbst ist man letztendlich selbst.

 

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