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Deutschlands Industrie im Wandel: Warum frühes Handeln entscheidend ist
Master of Mergers & Acquisitions / 6. Februar 2026
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Senior Expert, Porsche Consulting GmbH Master of Mergers & Acquisitions (LLM), Class of 2022
Laura Hermann ist seit 2022 Unternehmensberaterin bei der Porsche Consulting GmbH, einer führenden deutschen Managementberatung mit rund 900 Mitarbeitenden weltweit. Mit Hauptsitz in Stuttgart und internationalen Standorten unterstützt das Unternehmen Kunden aus unterschiedlichsten Branchen bei Strategie, Organisation und Umsetzung. Dabei verfolgt Porsche Consulting das Prinzip „Strategische Vision. Pragmatische Umsetzung."

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Die deutsche Industrie befindet sich in einer Phase tiefgreifender Veränderung. Kosten steigen, regulatorische Anforderungen nehmen zu und technologische Entwicklungen gewinnen weiter an Tempo. In meiner Arbeit als Beraterin erlebe ich täglich, wie sehr diese Faktoren Unternehmen herausfordern. Viele Führungskräfte fragen sich, wie sie ihre Organisation gleichzeitig stabilisieren und zukunftsfähig gestalten können. Dabei zeigt sich immer deutlicher, dass Restrukturierung längst keine reine Reaktion mehr ist. Vielmehr ist sie zur strategischen Notwendigkeit geworden. Sie ist zu einem zentralen Bestandteil strategischer Unternehmensführung geworden. Wer sich früh mit strukturellen Veränderungen beschäftigt, hat deutlich bessere Chancen, langfristig wettbewerbsfähig zu bleiben.

Frühe Signale erkennen und ernst nehmen

Eine wichtige Erkenntnis unserer aktuellen Studie lautet, dass Krisen selten plötzlich entstehen. Sie entwickeln sich über längere Zeit und werden durch verschiedene Frühindikatoren sichtbar. Besonders auffällig ist die Veränderung der Innovationskraft. Viele Unternehmen reduzieren ihre Entwicklungsbudgets, bevor klar ist, welche Folgen dies haben kann. Innovationseinheiten werden von zentralen Geschäftsbereichen getrennt oder verlieren an Bedeutung. In der Konsequenz fällt der technologische Anschluss schwerer. Die Mehrheit der befragten Führungskräfte sieht genau darin eines der wichtigsten frühen Krisensignale. Auch das Verhalten der Kunden gibt Hinweise auf strukturelle Herausforderungen. Reklamationen nehmen zu oder die Preissensitivität steigt. Diese Entwicklungen zeigen sich oft lange bevor Umsätze sichtbar zurückgehen. Viele Entscheider berichteten, dass diese Hinweise unterschätzt wurden, weil man davon ausging, dass Kunden ihr Verhalten wieder an frühere Muster anpassen würden. Heute verändern sich Märkte jedoch schneller, und Unternehmen müssen schneller und entschlossener reagieren.

Rechtzeitig handeln erweitert die Möglichkeiten

Unsere Analyse bestätigt, dass Unternehmen, die frühzeitig reagieren, nachhaltigere und wirkungsvollere Entscheidungen treffen können. Früh erkannte Probleme lassen sich oft mit überschaubarem Aufwand korrigieren. Klarheit über Prioritäten und ein konsequenter Fokus auf die wesentlichen Themen helfen, Handlungsspielräume zu sichern. Sobald eine Krise jedoch offensichtlich wird, verändern sich die Rahmenbedingungen. Entscheidungen müssen schneller getroffen werden und die Organisation steht stärker unter Druck. Die Anzahl möglicher Lösungen verringert sich. Viele der befragten Führungskräfte berichteten, dass eine späte Restrukturierung zwar möglich ist, jedoch häufig zu höheren Kosten und geringerem Erfolg führt.

Transparenz und Fokus in der akuten Phase

Wenn ein Unternehmen bereits in einer Restrukturierung steckt, spielen mehrere Faktoren eine besonders wichtige Rolle.

01 | Offenheit in der Kommunikation

Unsicherheit ist in Krisenzeiten eines der größten Risiken. Mitarbeitende benötigen Orientierung. Eine klare und transparente Kommunikation hilft, Vertrauen aufzubauen und die notwendige Veränderungsbereitschaft zu fördern. Dabei geht es nicht darum, jedes Detail offenzulegen. Viel wichtiger ist es, ein realistisches Bild der Lage zu vermitteln und konkrete Schritte zu erklären.

02 | Fokus auf das Kerngeschäft

In der akuten Phase müssen Maßnahmen schnell umgesetzt werden. Gleichzeitig darf die Stabilisierung des Geschäfts nicht dazu führen, dass das Kerngeschäft an Substanz verliert. Erfolgreiche Unternehmen stellen zuerst die finanzielle Stabilität sicher und richten ihre Produktstrategie anschließend gezielt aus. Kostensenkungen allein reichen nicht aus. Entscheidender ist die Ausrichtung der Leistungen am tatsächlichen Kundenbedarf.

03 | Nachhaltige Verankerung nach der Stabilisierung

Ist die erste Phase erfolgreich bewältigt, beginnt die eigentliche Transformation. Viele Unternehmen wünschen sich dann vor allem Ruhe. Doch gerade in dieser Phase entscheidet sich, ob der Wandel nachhaltig ist oder ob alte Muster zurückkehren. Die Fähigkeit, neue Routinen zu etablieren und Verbesserungen dauerhaft in Strukturen und Kultur zu verankern, ist entscheidend. Organisationen benötigen klare Zielbilder und verlässliche Prozesse. Gleichzeitig ist es wichtig, die Belegschaft einzubinden. Sichtbare Erfolge, sogenannte Leuchtturmprojekte, stärken das Vertrauen und machen Fortschritte greifbar.

Restrukturierung als Chance verstehen

Aus den Erfahrungen unserer Studie lässt sich ein zentrales Fazit ziehen. Restrukturierung darf nicht als reine Notmaßnahme betrachtet werden. Sie kann der Ausgangspunkt für langfristige Erneuerung sein. Unternehmen, die bereit sind, Entwicklungen frühzeitig zu erkennen und konsequent zu handeln, können gestärkt aus einer Krise hervorgehen. Studierende und junge Führungskräfte können aus diesen Erkenntnissen viel lernen. Die Fähigkeit, komplexe Zusammenhänge zu verstehen und Veränderungen aktiv zu gestalten, wird immer wichtiger. Die Frankfurt School bietet u.a. im Rahmen unserer Weiterbildungsmaster zahlreiche Angebote, um diese Kompetenzen aufzubauen.

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