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FinTech versus „No Tech“?
Weiterbildung / 26. Februar 2016
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Head of Competence Centre, Vermögensberatung, Wertpapieranalyse und -technik
Thomas Kohrs leitet das Competence Center Vermögensberatung, Wertpapieranalyse und -technik der Frankfurt School und ist ausgebildeter Diplom-Bankbetriebswirt. Der Schwerpunkt seiner Ausbildung liegt im Bereich Wertpapier und Vertrieb. Thomas Kohrs arbeitete als Vermögenskundenberater bei einer deutschen Großbank und anschließend als Leiter Vermögensberatung bei einer Privatbank. Seine Erfahrung im Wertpapierbereich speist sich aus mehr als 20 Jahren persönlicher Beratung unterschiedlichster Kunden mit einem breiten Spektrum von Bedürfnissen und Voraussetzungen. Thomas Kohrs verfügt seit mehr als 15 Jahren über praktische Trainererfahrung als Berater, Trainer und Dozent an der Frankfurt School.

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„Banking is necessary, banks are not” – das hat Bill Gates gesagt, und zwar bereits im Jahr 2000. Damals schon prophezeite der Microsoft-Gründer, dass das Geschäftsmodell der Banken eines Tages überholt sein werde. Auch wenn es etwas gedauert hat. So langsam aber sicher könnte es soweit sein: Schon vor drei Jahren war das Thema der FinTechs in aller Munde. Und über die Zukunft der Banken machen sich viele Menschen große Sorgen. „Zukunft der Banken?!“ titelte schon das Wirtschaftsmagazin brand eins im Jahre 2013 (Ausgaben 1, 3 und 7) und wies noch auf Filialsysteme, gute Beratung mit Honorar und gute, ehrliche Dienstleistung hin. Paypal war noch eine Tochter von ebay und es sah so aus, als ob andere Anbieter durchaus noch Alternativen entwickeln könnten. Ideen und Ansätze gab es viele, doch die Gegenwart sieht anders aus. Der Versandhändler Otto hat sein System Yapital aufgegeben. Der Kreditkartenanbieter Visa schweigt zur Zukunft seines Angebotes V.me. Und die Telekom wird ihren Bezahldienst Clickandbuy im Mai 2016 wieder einstellen. In der Stellungnahme der Presseabteilung heißt es im übertragenen Sinn und etwas lapidar, dass die Kritische Masse nicht erreicht wurde. Sind wir etwa wirklich schon zu spät gegen die Übermacht von Paypal, Apple und all den anderen? Und die Banken selbst? Haben sie dazu gelernt?

Paydirekt als Maßnahme

Hatte es vor zwei Jahren noch den Anschein, als wenn sich die Banken auf ihrem hohen „Zahlungsverkehrsross“ ausruhen würden, so sieht es zumindest auf den ersten Blick mittlerweile besser aus. Paydirekt, das Online-Bezahlverfahren der Banken und Sparkassen ist nach einigem Hin und her an den Start gegangen. Rund 1000 Banken bieten den Service an. Darunter auch die Commerzbank, die Deutsche Bank, die Postbank, die ING Diba sowie die HVB. Auch so gut wie alle Volks- und Raiffeisenbanken mischen mit. Stand Februar 2016 haben sich schon 220.000 Privatkunden für den neuen Dienst angemeldet. Immerhin!

Nur die großen Sparkassen sucht man leider in diesem Umfeld noch vergebens. Aber sie wollen ab April 2016 dabei sein, hört man. Auch wenn man die Zahlen von paydirekt mit denen von paypal vergleicht wird eines deutlich: Hier kämpft nicht David gegen Goliath. Das Delta ist viel, viel größer! Paypal hat nach eigenen Angaben 16 Millionen Nutzer allein in Deutschland, einsetzbar in 7 Millionen Online-Shops weltweit, davon über 50.000 in Deutschland und einen Umsatz im 4. Quartal 2015 von über 81 Mrd. US$.

Was also tun im Markt der Bezahlsysteme? Die Lösung kann nur auf drei Säulen basieren: Akzeptanz, Vertrauen, Sicherheit. Akzeptanz bei den Kunden und den Shops, Vertrauen und Sicherheit auf allen Seiten und ganz schnell Volumen im Umsatz, und Kunden auf der privaten und der geschäftlichen Seite gewinnen.

Die Zeit rennt davon!

Eine schnelle Umsetzung ist also gefragt. Es ist eine alte Weisheit, dass nicht die Großen die Kleinen übernehmen sondern die Schnellen die Langsamen. Gerade die Sparkassenorganisation bewegt sich wie ein Öltanker. Wenn sie Fahrt aufgenommen hat, kann sie so schnell nichts stoppen. Ein Kurswechsel ist aber auch mit Zeit verbunden. Diese Zeit haben die Anbieter vermeintlich antiquierter Bankdienstleistungen eigentlich nicht mehr. Und sie stehen sich auch noch selbst im Weg: Die Sparkassen – obwohl sie doch eigentlich im selben Boot sitzen – kritisieren das umständliche Verfahren der Anmeldung und deren Umsetzung bei Vertragspartnern. Zum Beispiel wenn es darum geht, Händler mit an Bord zu nehmen. Und da haben sie Recht! Aber die Äußerungen von Georg Fahrenschon, Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands (DSGV), auf der Bankentagung in Frankfurt waren dabei nicht besonders hilfreich. Hier wurde der neue Dienst als unsicher tituliert und eine Nutzung mehr oder weniger nur auf eigene Gefahr empfohlen (Quelle: Die Welt online vom 03. September 2015) empfohlen. So kann man Paydirekt natürlich gut implementieren….. Dazu kommt dann noch die Stellungnahme des Kartellamtes.

Kartellamt verbietet gemeinsame Konditionen für Paydirekt

Das Kartellamt hat offenbar Probleme damit, dass alle Banken mit den Händlern gemeinsame Konditionen für Paydirekt vereinbaren. Das hat dann zur Folge, dass jeder Online Händer mit jeder einzelnen Bank die Preise individuell aushandeln muss. (Quelle: FAZ online, 31. Dezember 2015). So macht man auf jeden Fall gute Geschäfte! Und die Mitbewerber amüsieren sich königlich. So könnte paydirekt, wie so viele Anbieter zuvor, schon zum Rohrkrepierer werden, bevor es richtig losgegangen ist. Paypal als übergroßer Gigant am Markt muss doch auch irgendwo seine Achillesferse haben. Nur wo?

Einigkeit macht stark

Wenn überhaupt, dann haben die Anbieter in Deutschland nur noch die Chance mit einer Stimme, mit einer klaren Struktur, mit einem einfachen Verfahren und mit einem einfachen System zu punkten: Sicher muss es sein und die Lösung ist so einfach, dass die Phrasenkasse klingelt: One face to the customer, keep it short, simple and secure! Nur so haben die Banken eine Chance. Wenn die Sparkassen sich zögerlich zeigen und doch nicht mitmachen, bleibt es in den Ansätzen stecken. Aber aus den Erfahrungen der letzten Jahre müssten sie doch eigentlich gelernt haben. Also Entweder-Oder: Über alle Widerstände hinweg das System umsetzen und für Akzeptanz und Umsätze sorgen oder den Markt einem anderen überlassen. Dann soll sich aber nachher niemand beschweren, wenn viele Banken vom Markt einfach verschwinden werden.

Und nach wie vor gilt: Der Kunde steht im Mittelpunkt! Und nicht im Weg! Er ist Dreh- und Angelpunkt allen Tuns der Banken. Man möchte es am liebsten jedem Institut in das Stammbuch schreiben: Kümmert Euch um den Kunden, um seine Wünsche, um seine Belange, um seine Bequemlichkeit zu befriedigen. „Banking is necessary, banking is human!” um etwas abgewandelt auf Bill Gates zu Beginn dieses Artikels zurück zu kommen. Das kann doch beim besten Willen nicht so schwer sein!

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