Rolf D. Häßler
Managing director of the Institute for Responsible Investments
Rolf D. Häßler is the managing director of the Institut für nachhaltige Kapitalanlagen (Institute...
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Haken dran. Nachhaltige Kapitalanlagen und ihre Performance.

August 4, 2016
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Eher skeptisch haben viele Anleger in den vergangenen Jahren auf eine wachsende Zahl von Studien und Metastudien – also Studien über Studien – reagiert, die sich mit Rendite und Risiko für nachhaltige Kapitalanlagen beschäftigen. Hier hielt sich lange Zeit das Vorurteil, dass man als Anleger auf Rendite verzichten muss, wenn man bei der Anlageentscheidung nicht nur auf die klassischen Anlagekriterien Risiko, Rendite und Verfügbarkeit achtet, sondern auch schaut, wie es um die soziale, ökologische und ethische Qualität der Anlageobjekte bzw. Emittenten steht.

Nachhaltige Kapitalanlagen – Pro und Contra

Ausgangspunkt der Vorbehalte ist die Tatsache, dass die Nutzung von nachhaltigen Anlagestrategien, wie Ausschlusskriterien oder Best-in-Class-Ansatz, regelmäßig zu einer Verkleinerung des Anlageuniversums führt. Eine solche Einschränkung muss, so gängige Portfoliotheorien, negative Auswirkungen auf die Rendite und/oder das Risiko der Kapitalanlagen haben.

Die Befürworter der nachhaltigen Kapitalanlage stellen diesem Vorbehalt qualitative und statistische Argumente entgegen. Nach ihrer Überzeugung führt die Berücksichtigung von Nachhaltigkeitskriterien dazu, dass man sich als Anleger ein besseres Bild von den Chancen und Risiken machen kann, die beispielsweise mit dem Kauf von Aktien und Anleihen verbunden sind. Unternehmen – so die Befürworter –, die besonders effizient mit Rohstoffen und Energie umgehen, Mitarbeiter und Zulieferer fair behandeln oder sich bei der Gestaltung von Produkten an den steigenden umweltbezogenen Anforderungen ihrer Kunden orientieren, werden auch wirtschaftlich erfolgreicher sein. Analoges gilt für Staaten, die die über Staatsanleihen aufgenommenen Mittel beispielsweise in Bildung und Infrastruktur investieren statt in Rüstung und Bürokratie.

Was plausibel klingt, wird durch eine Vielzahl von Analysen statistisch unterstrichen. In den vergangenen 20 Jahren wurden weltweit mehr als 2.200 Studien zu der Frage durchgeführt, ob nachhaltige Unternehmen erfolgreiche wirtschaften als ihre nicht-nachhaltig agierenden Konkurrenten bzw. ob die „nachhaltige“ Wertpapiere sich besser entwickeln als konventionelle Aktien und Anleihen. Wissenschaftler der Universität Hamburg haben Anfang des Jahres eine Analyse der verfügbaren Studien durchgeführt. Ihr Fazit: Weniger als jede zehnte Studie sieht nachhaltige Unternehmen bzw. Wertpapiere im Nachteil. Die weit überwiegende Mehrheit der Studien ermittelt einen zumindest neutralen, sehr häufig sogar positiven Einfluss der Berücksichtigung von Nachhaltigkeitskriterien auf den Unternehmens- bzw. Anlageerfolg.

Wichtig sind die sozialen Wirkungen

Angesichts dieser erdrückenden Beweislast wäre es an der Zeit, endlich einen Haken an die Frage nach der finanziellen Rendite nachhaltiger Kapitalanlagen zu machen. Die dadurch frei werdenden intellektuellen Kapazitäten könnte man gut dazu nutzen, die andere große, bislang weitgehend ungeklärte Performancefrage des nachhaltigen Investments anzugehen – die nach den sozialen und umweltbezogenen Wirkungen.

Gleichzeitig gibt es hier trotz der in Summe sehr positiven Aussagen zum Zusammenhang zwischen Nachhaltigkeitskriterien und Rendite-Risiko-Profil keinen Automatismus. Wie gut die finanzielle Performance Ihres Portfolios tatsächlich ist, bestimmt auch beim nachhaltigen Investment maßgeblich der verantwortliche Fonds- oder Portfoliomanager. Und hier gibt es wie in vielen Lebensbereichen über- und unterdurchschnittlich Erfolgreiche – der Vergleich lohnt sich.

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