Rolf D. Häßler
Managing director of the Institute for Responsible Investments
Rolf D. Häßler is the managing director of the Institut für nachhaltige Kapitalanlagen (Institute...
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Nachhaltige Kapitalanlagen für Privatanleger. Ja, aber…

November 8, 2017
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Vier von zehn Privatanlegern in Deutschland finden nachhaltige Kapitalanlagen so attraktiv, dass sie ihr Geld dort investieren würden. Für ein solches Investment haben sich bislang aber nur 4,8 Prozent der im Rahmen einer repräsentativen Umfrage befragten Privatanleger entschieden. Dies sind die Kernergebnisse einer der bisher größten Umfragen zur nachhaltigen Kapitalanlage in Deutschland, die das NKI 2017 beim Marktforschungsinstitut GfK in Auftrag gegeben hat. Befragt wurden 1.694 Finanzentscheider in Privathaushalten in Deutschland.

Gegen den Kauf nachhaltiger Geldanlagen sprechen nach Angaben der Befragten vor allem unzureichende Informationen. So empfinden 40,1 Prozent der Befragten das Informationsangebot zu nachhaltigen Anlageprodukten als unzureichend, 35,2 Prozent ist die Wirkung der Anlagen für eine nachhaltige Entwicklung unklar. Eine unzureichende Beratung durch ihre Hausbank ist für 22,7 Prozent der Befragten ein Grund, nicht nachhaltig zu investieren. 30,9 Prozent befürchten ein höheres Anlagerisiko, 22,5 Prozent eine schlechtere Rendite.

Auf die Frage nach ihren Motiven für eine nachhaltige Kapitalanlage nennen fast zwei Drittel der bereits investierten Teilnehmer (64,8 Prozent) den Beitrag dieser Anlagen zu einer nachhaltigen Entwicklung, für 58 Prozent dieser Befragten ist die Übereinstimmung der Kapitalanlage mit ihren persönlichen Werten und Zielen der ausschlaggebende Grund, ihr Geld in nachhaltige Anlageprodukte zu investieren. Den Beitrag zum Umwelt- und Klimaschutz schätzen 54,5 Prozent, etwas mehr als jeder Vierte (27,6 Prozent) verspricht sich eine bessere Rendite.

Die Einhaltung von fundamentalen Menschen- (41,5 Prozent) und Arbeitsrechten (35,5 Prozent) sowie der Schutz von Umwelt (31,1 Prozent) und Klima (31,0 Prozent) sind aus Sicht der Befragten die wichtigsten Themen, die bei der Gestaltung von nachhaltigen Anlageprodukten berücksichtigt werden sollten. 26,8 Prozent halten den Ausschluss von korrupten Unternehmen und Staaten für eine zentrale Anforderung an diese Anlagen. Damit landen interessanter Weise genau die Themen auf den vorderen Plätzen, zu deren Berücksichtigung sich auch die fast 10.000 Unternehmen verpflichtet haben, die dem UN Global Compact beigetreten sind.

Für lediglich 17,3 Prozent der Privatanleger ist der Ausschluss von Rüstungsunternehmen ein zentrales Thema, für 5,6 Prozent der Ausschluss von Unternehmen, die fossile Energien fördern oder verarbeiten. Bei diesen beiden Punkten zeigen sich deutliche Unterschiede zu den Einschätzungen und Diskussionen bei institutionellen Anlegern, bei denen der Ausschluss von Rüstungsunternehmen und zunehmend auch von Kohle- und Ölunternehmen weit verbreitet ist.

Sachanlagen stoßen bei den Privatanlegern auf besonderes Interesse. So hält gut ein Drittel aller Befragten (34,3 Prozent) Direktanlagen in erneuerbare Energien für attraktiv, 31,3 Prozent sagen dies über Direktanlagen in nachhaltig bewirtschafteten Wald und 28,1 Prozent über nachhaltige Immobilien. Eine nachhaltige Altersversorgung finden 25,1 Prozent der Befragten attraktiv, Umwelt- und Nachhaltigkeitsfonds 21,4 Prozent.

In diesem Spannungsfeld von geäußerter Attraktivität und getätigtem Investment zeigt sich ein Henne-Ei-Problem des Marktes. Die Privatanleger verweisen auf unzureichende Informationen und Beratung, die sie bisher von einer nachhaltigen Kapitalanlage abhalten; die Anbieter – Banken und Vermögensverwalter – argumentieren, dass die geringe Nachfrage keine umfangreichen Initiativen auf Produkt- und Kommunikationsseite rechtfertigt.

Der Schlüssel für die weitere Marktentwicklung liegt aber bei den Anbietern. Die Befragung zeigt das attraktive Potenzial dieses Marktsegments, das durch transparente Information und attraktive Produkte erschlossen werden kann. Dabei gilt es insbesondere auch, die positiven Wirkungen der nachhaltigen Kapitalanlage sowohl auf das Rendite-Risiko-Profil als auch auf eine nachhaltige Entwicklung herauszuarbeiten.

Während es hier bei der Frage der finanziellen Wirkungen bereits umfassende Daten gibt, mangelt es nach wie vor an belastbaren Aussagen zu den sozialen und umweltbezogenen Wirkungen. Ansätze wie die Messung des Carbon Footprints sind hier nur ein Anfang. Weitere Schritte werden folgen müssen, um auch Privatanleger zu einer nachhaltigen Kapitalanlage zu bewegen.

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