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Alles Kopfsache? Mindshift vom Krisenfokus zum VUCA-Weitblick
Executive Education / 9 May 2023
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Head of Transformation Management
Dr. Kim Dillenberger ist derzeit als Head of Transformation Management beim Centre for Performance Management & Controlling an der Frankfurt School tätig. Vor ihrer aktuellen Position war sie als Manager bei Fresenius Kabi tätig, einem führenden Hersteller von intravenösen Arzneimitteln und Infusionslösungen. Davor war sie als Doctoral Researcher am Strascheg Institute for Innovation, Transformation and Entrepreneurship tätig.

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Sind wir im Dauerkrisenmodus angekommen? So scheint es, denn die Bewältigung der teils existentiellen Herausforderungen, mit denen sich Unternehmen in den letzten Jahren konfrontiert sehen, ist zum Tagesgeschäft geworden. Man navigiert durch eine Krise und findet sich bereits in der nächsten wieder. Es bleibt kaum Zeit, Normalität einkehren zu lassen.

Mit Beginn der Covid-19 Krise verbreitete sich vor drei Jahren der Begriff des „neuen Normals“. Gemeint war, etablierte Routinen ändern sich angesichts der neuen Herausforderungen langfristig – implizit gemeint war damit auch, Krisen sind endlich, es wird wieder Normalität einkehren. Ein Trugschluss? Fakt ist, Unternehmen haben den „Krisenmodus“ aktiviert und in vielen Fällen seitdem nicht mehr deaktiviert. Es werden fortlaufend Notlösungen gefunden, Krisen-Task-Forces gebildet und so manche Pläne revidiert und immer wieder an aktuelle Gegebenheiten angepasst.

Die Frage, die sich dabei stellt, ist: was passiert mit diesen Notlösungen? Blickt man zurück, wird deutlich, manche Lösungen „schaffen es“ ins so genannte neue Normal, andere nicht. Doch genau hier, an dieser Stelle, wird in vielen Unternehmen Entwicklungspotential verspielt. Denn im Krisenmodus ist das übergeordnete Ziel, die Krise zu bewältigen – nicht die Weiterentwicklung aus der Krise heraus.

Dementsprechend werden im Krisenmodus entstandene Lösungen und neue Arbeitsweisen selten systematisch nach ihrem Entwicklungswert für die Organisation analysiert. Das beinhaltet zwei zentrale Risiken:

  • Gute Lösungen „schaffen es nicht“, sie werden nicht weiterentwickelt und verschwinden beinahe unbemerkt, obwohl sie sinnvoll für das Unternehmen sind.
  • Schlechte Lösungen „schaffen es“, sie bleiben bestehen, obwohl sie nicht zum Unternehmen passen.

Einladung zu einem Mindshift

Um eine Krise nicht nur zu bewältigen, sondern die Weiterentwicklung aus der Krise heraus zu ermöglichen, ist ein grundsätzliches Umdenken im Umgang mit Krisen nötig. Ich lade deshalb zu einem Mindshift ein: vom Krisenfokus zum VUCA-Weitblick. Was heißt das?

  • Heutzutage sind Krisen zum festen Bestandteil der Arbeitswelt geworden.
  • Es geht also nicht (mehr) darum, nach einer Krise zum „normalen“ Arbeitsalltag überzugehen, sondern die Bewältigung von Krisen ist Teil des „normalen“ Arbeitsalltags.
  • Entsprechend braucht es nicht nur den bekannten Krisenmodus, es braucht vor allem einen neuen dynamischen Arbeitsmodus.
  • Damit lässt sich der Blick von einzelnen Krisen lösen und das Big Picture der sich (neu) entwickelnden Routinen im Unternehmen mit Weitblick betrachten.
  • Die Learnings, die sich aus jeder dynamischen Phase ziehen lassen, können bewertet und so in die flexible Weiterentwicklung des Unternehmens übergehen.
  • Damit wird aus der Dynamikbekämpfung (Krisenbewältigung mit anschließender Rückkehr zur Normalität) eine Dynamikkompetenz (Weiterentwicklung unter dynamischen Bedingungen als neues Normal).
  • Eine solche Dynamikkompetenz verleiht einem Unternehmen Krisenresilienz auf der einen Seite und Gestaltungsoptionen im VUCA-Kontext auf der anderen Seite.
  • So entsteht letztendlich aus der Krise heraus Entwicklungspotenzial für das Unternehmen, das dank VUCA-Weitblick gehoben werden kann.

Transformation Management in der Praxis

Mit diesem Mindshift lassen sich sämtliche Krisenthematiken neu denken und in einen größeren Kontext setzen. Bei aller Plausibilität der aufgezeigten Überlegungen taucht dann die Frage auf, welche Relevanz dieser Mindshift in der Unternehmenspraxis schon hat. Hierzu hat das Centre for Performance Management & Controlling eine Studie mit dem Ziel aufgelegt, ein konkretes Verständnis dafür zu entwickeln, wie Transformationen in Unternehmen aktuell gesteuert werden und welchen Herausforderungen sich Unternehmen dabei gegenübersehen. Die Studie wird gemeinsam mit der Struktur Management Partner (SMP) GmbH durchgeführt und steht nach der Auswertung der Befragungen und abschließenden Experteninterviews kurz vor der Publikation.

Wie man Krisen frühzeitig erkennt und Unternehmen erfolgreich durch Krisen steuert, zeigt die Frankfurt School in dem Zertifikatsstudiengang „Restrukturierung & Turnaround Management“ auf. Hier werden strategische, betriebswirtschaftliche und juristische Kenntnisse und Tools vermittelt. Die Entwicklung von Dynamikkompetenz ergänzt diese wirtschaftlichen Aspekte um eine kulturelle Dimension. Diese ist schließlich von zentraler Relevanz für den unternehmerischen Erfolg, denn im Fazit gilt:

Es gibt kein zurück, es geht nur nach vorn – das alte Normal ist alt, das neue Normal formt sich fortlaufend. Heutzutage braucht es also den VUCA-Weitblick, der zur Weiterentwicklung aus der Krise heraus befähigt.

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