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Keine Moral in Sicht? Das Modell Bank nach der Finanzmarktkrise
Executive Education / 25 February, 2016
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Head of Competence Centre for Banking Expertise & Payment Methods
Meine Schwerpunkte liegen darin, bankfachliche Themen für unterschiedliche Zielgruppen praxisnah zu konzipieren und in adäquate Lernformen und Trainingseinheiten umzusetzen, wie z. B. Zertifikatsstudiengänge, Seminare oder Blended Learning-Konzepte

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Der Ruf nach Ethik und Moral in der Bankenbranche war kurz nach der Finanzmarktkrise sehr laut. Betrachtet man die Entwicklungen nach 2008, wirkt die Bilanz ernüchternd. Annette Blank, Leiterin des Competence Centers Bankfachwissen und Zahlungsverkehr, bat Herrn Prof. Dr. Klaus Hegemann von der Hochschule Rhein-Waal sowie Dozent der Ethikveranstaltungen im Rahmen der Lehrerseminare an der FS, um eine Einschätzung zur Situation.

Der geforderte Kulturwandel lässt auf sich warten

Durch die Finanzmarktkrise wurde ein massiver Vertrauensverlust sichtbar, nicht zuletzt durch den negativen Höhepunkt der Lehman-Pleite. Anleger erlebten hier wie im Rahmen der New Economy-Krise, dass ihre Anlagen oft nicht auf nachhaltigen Strukturen gebaut worden waren, sondern hoch komplexe Wetten darstellten. Bis zur Krise gab es vor allem bei schwierigen Zertifikaten und riskanten unternehmerischen Beteiligungen nur einen sicheren Sieger: die Bank, die an hoher Komplexität durch engagierte Gebühren verdiente.

Wer aber unter den wohlmeinenden, ihren Beruf liebenden Bankern den vorangehenden einleitenden Absatz für pauschalierend und unangemessen hält, ist hiermit aufgefordert, seine Sicht darzulegen. Es ist mehr als wünschenswert, nämlich existentiell notwendig, dass ein anderes Bild gezeichnet wird als das, das in der Öffentlichkeit, also beim Kunden, dominiert: das Bild vom Bankmitarbeiter, der gewöhnlich nicht die Wahrheit sagt. Laut einer Allensbach-Umfrage glauben 98 Prozent der Kunden ihrem Berater nicht.

Ein Negativimage hat sich unumstößlich festgesetzt

Dies wird genau dann nachvollziehbar, wenn Investmentbanker, (so geschehen gemäß Aussage eines Mitarbeiters von Goldman Sachs) ihre unwissenden Kunden intern als „Vollidioten“ kategorisieren und auch milliardenschwere Strafzahlungen nicht von weiteren Betrügereien abhalten (s. Anm.1). Vorstände werden von Gerichten ausgelastet, während sich der Unternehmenswert des eigenen Hauses auflöst. Die Problematik in der Medienlandschaft zu verankern, hilft auch nicht weiter. Schließlich teilen ca. ein Drittel einer an der Tenbrunsel/Thomas-Studie (s. Anm. 2) befragten Bankmitarbeiter freimütig mit, dass der eigene Vorteil es ohne weiteres rechtfertigt, die Kundeninteressen hinten an zu stellen.

Wie können also Wege und Lösungsansätze aussehen?

Zunächst: Es ist eine durchaus schon gehörte Aussage, es sei doch normal, den eigenen Vorteil zu suchen. Wer Moral als gute Sitte versteht, hat jetzt erneut zu widersprechen, denn die übermäßige Sicherung eigenen Vorteils zulasten eines anderen – der Vertrauen zur Verfügung stellt bzw. stellen muss, da er weniger gut informiert ist – ist keine maßvolle Handlung und moralisch nicht zu respektieren. Genau hier muss der Diskurs engagiert weitergeführt werden, denn die Ressource Vertrauen ist wesentlicher Bestandteil des Geschäftsmodells, wie auch die Reaktion der Kunden zeigt. Statt der Kooperation mit der/m Berater/in, schwindet der Anteil an aktiver Wertpapier-Beratung – Wachstum verzeichnen beratungsfreie Produkte und das Robo-Banking.

Glaubhafte und authentische Ethik-Trainings

Die sogenannte Binnen-Moral in der Finanzindustrie mit dem Ideal des profitmaximierenden ökonomischen Individuums ist zu durchbrechen, und zwar von der Spitze weg. Statt immer stärker ausufernde Compliance-Modelle zu entwickeln, wären vertrauensbildende Maßnahmen wie z. B. glaubhafte und authentische Ethik-Trainings zur kritischen Reflektion des eigenen Verhaltens zu entwickeln. Die Effizienzgläubigkeit – etwa durch mehr Digitalisierung – wird Probleme nicht lösen, sondern hat sie teilweise erst geschaffen, wie etwa in der Finanzmarktkrise offenbar wird. Effizienz ohne moralischen Kompass gelingt Fin-Techs, die Stärke des Geschäftsmodells Bank jedoch muss die Berücksichtigung der guten Sitten als fundamental zurückgewinnen.

Dienächsten Lehrerseminare finden vom 30. März – 01. April 2016 auf dem FS-Campus statt.
Anmerkungen
1)      Leserbrief des ehemaligen GS-Mitarbeiters Greg Smith, NYT v. 14.03.2012
2)      Tenbrunsel, Ann/ Thomas, Jordan: The Street, The Bull and The Crisis. A survey of the US & UK Financial Services Industry, University of Notre Dame, 2015.