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Remain in Nicaragua: Wie funktioniert Corona-Home-Office in einem Entwicklungsland?
Professional Education / 13 July, 2020
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Ina Bovenkerk ist als Dozentin an der Frankfurt School im Bereich Aus- und Weiterbildung tätig. Neben der Durchführung und Konzeption von Trainings zu klassischen Bankthemen liegen Ihre Themenschwerpunkte u. A. in den Bereichen Entrepreneurship & StartUp sowie Kommunikation.

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In Städten wie Managua oder Granada kauft man einen Laptop, sucht sich ein Hotelzimmer mit gutem W-Lan und los geht’s… Wie funktioniert das, wenn weltweit eine Pandemie ausgebrochen ist und alle umliegenden Grenzen dicht sind? Und was tun, wenn man sich als „Coworking-Space“ die menschenleere Provinz Nicaraguas ausgesucht hat, um dort freiwillig in Selbstquarantäne zu gehen?

No way out

Nachdem der internationale Flugverkehr vollständig eingestellt, mein Rückflug gecancelt wurde und alle Grenzen geschlossen sind, gibt es für mich keine Möglichkeit mehr, das Land zu verlassen. Ich werde mich darauf einstellen, die nächsten Wochen hier zu bleiben und abzuwarten bis es eine Möglichkeit gibt, zurück zu fliegen. Bis dahin suche ich mir eine passende Unterkunft.

Da der Tourismus vollständig zum Erliegen gekommen ist, haben die meisten Hotels und Restaurants bereits geschlossen. Das spielt für mich keine Rolle, da es mein Ziel ist, mich möglichst zügig und autark in Selbstquarantäne zu begeben, ohne anderen Menschen zu nahe zu kommen. Auch die Notwendigkeit größere Städte anfahren zu müssen, will ich vermeiden. Die Menschen in Nicaragua gehen sehr unterschiedlich mit der Pandemie um. Mitarbeiter von Apotheken und Lebensmittelgeschäften tragen mittlerweile einen Mundschutz. Bei Supermärkten wird Fieber gemessen und der Einkaufswagen desinfiziert.  Andere wiederum sind einfach nicht informiert oder ignorieren die Ernsthaftigkeit der Lage. Die Inhaber von Air-BnBs nehmen nur noch Gestrandete auf, die sich in den letzten Wochen nicht in größeren Ballungsgebieten aufgehalten haben.

Das Paradies in der Pandemie

Mit etwas Glück werde ich auf meiner Suche fündig. In einer verschlafenen Siedlung an der pazifischen Küste haben Shay und seine Familie eine Oase geschaffen, die an den Ansätzen der Permakultur orientiert ist und sich in vielen Bereichen selbst versorgt. Der Strom wird über Solarzellen erzeugt, das Wasser selbst gefiltert und im Garten hängen die Bäume voll mit Früchten.

Im Haus eingezogen, beginne ich damit mir alles zu organisieren, um in ein paar Tagen arbeitsfähig zu sein und mein Home-Office einzurichten. Die Organisation der wichtigsten “Werkzeuge” hierfür – Internet, Laptop und ein ruhiger Arbeitsplatz – stellen mich dabei vor die ein oder andere Herausforderung.

Home-Office neben der Dusche

  1. Internet: unsere Nachbarn haben sich vor ein paar Tagen für ihre eigene Internetverbindung eine Antenne auf das Dach installieren lassen. Die Verbindung kann ich ebenfalls nutzen. Das Internet ist aber schnell überlastet oder der Strom fällt ganz aus, so dass ich hier einen Plan B entwickeln muss. Mein Joker ist das W-Lan eines Hotels nebenan, das zwar geschlossen ist, aber seinen Router mit High-Speed-Internet weiterhin anhat, inklusive dem Strom-Aggregator. Um das stärkste Signal zu erhalten, ziehe ich samt Tisch und Stuhl an dem Ort ein, wo der Empfang am besten ist: das Badezimmer.
  2. Laptop: In den ländlichen Gegenden Nicaraguas gibt es weder Läden, die mit Laptops handeln, noch kann man sich ein Paket zusenden lassen. Hier gibt es einfach keine Post. Wenn etwas von einem Ort zum nächsten transportiert werden soll, nutzt man den Chicken-Bus als DHL-Boten. Für wertvolle Fracht ist mir diese Alternative zu unsicher. Bei einem Spaziergang am Strand treffe ich einen Fotografen, der mir für 120 $ seinen alten Laptop überlässt.
  3. Coworking-Space: Auch hier in Nicaragua sind die Schulen geschlossen und die Kinder zu Hause. Das betrifft ebenso unsere Gastgeber, so dass die ruhigen Plätze in unserer Community zu einer Rarität werden. Es wird Zeit, mir einen ruhigen Arbeitsplatz zu suchen und ich habe Glück: ich organisiere mir den Kontakt der Managerin meines Nachbarhotels und überzeuge sie von dem Konzept eines Coworking-Space. Jetzt kann ich ein Zimmer, in dem geschlossenen Hotel, als Arbeitsplatz nutzen.

Mittlerweile ist auch in meinem Home-Office der Arbeitsalltag eingekehrt. Den alten Laptop habe ich durch ein neuwertigeres Modell ersetzen können und meine Technik hat beim ersten Intro-Online-Seminar wunderbar funktioniert. An der Frankfurt School haben alle angepackt – egal wo sie in der Welt verstreut waren – und konnte so das Angebot kurzfristig auf Online umstellen.

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