Dr. Thilo Nolte
Dozent, Master in Mergers & Acquisitions Class of 2017
Nach dem Studium der Betriebswirtschaftslehre in Köln und Los Angeles sowie Promotion zur Internati...
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Umfangreiche Neuerungen in der Internationalen Rechnungslegung (IFRS)

November 20, 2018
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Kapitalmarktorientierte Unternehmen in Deutschland müssen ihre Konzernabschlüsse nach den Vorschriften der International Financial Reporting Standards (IFRS) aufstellen. Sowohl die Abschlussersteller als auch der Adressatenkreis der Konzernabschlüsse stehen dabei aktuell vor neuen Herausforderungen, um die Transaktionen eines Unternehmens einerseits nach den einschlägigen Vorschriften abbilden zu können. Andererseits müssen die Abschlussadressaten „Grammatik und Vokabeln“ kennen, um Geschäftsberichte der Internationalen Rechnungslegung zu verstehen.

Die Änderungen der IFRS betreffen alle Branchen

In den letzten Jahren hat die Internationale Rechnungslegung nach IFRS eine Vielzahl an grundlegenden fachlichen Änderungen erlebt. Dadurch hat sie sich inhaltlich wieder weiter vom Handelsgesetzbuch (HGB) entfernt. Die Neuerungen betreffen grundlegende Sachverhalte, Geschäftsvorfälle und Transaktionen in Unternehmen aller Branchen.

So sind in den letzten Jahren beispielsweise die Tatbestandsvoraussetzungen, wann ein Mutterunternehmen ein Tochterunternehmen nach IFRS 10 kontrolliert, an die wirtschaftliche Realität angepasst worden. Formale Voraussetzungen wie eine Stimmrechtsmehrheit sind nicht mehr ausreichend für eine Beherrschung. Die Kriterien gehen vielmehr tief in die Unternehmensverfassungen, Entscheidungsrechte und -strukturen ein. So wird gewürdigt, wer wie über die für den wirtschaftlichen Erfolg relevanten Prozesse eines Unternehmens bestimmt.

Weitreichende Auswirkungen durch komplexe Realisationskriterien

Nach IFRS 15 sind nicht mehr Verträge als Ganzes Gegenstand der Umsatzrealisation, sondern die einzelnen vertraglichen Leistungsverpflichtungen. Es ist nicht übertrieben, die Realisationskriterien selbst als komplex zu bezeichnen. Schließlich sind in der Praxis fast überall auftretende „Multikomponentenverträge“ nicht minder komplex. Dies gilt beispielsweise für Mobilfunkverträge genauso wie für verschiedene Online-Zugänge oder facettenreiche Dienstleistungsverträge. Ein komplexerer und intensiverer Waren- und Dienstleistungsaustausch in der Realität kann nur durch einen komplexen Kriterienkatalog der Umsatzrealisierung abgebildet werden. Hier hält die Internationale Rechnungslegung Schritt.

Durch IFRS 9 werden Finanzinstrumente nunmehr neu kategorisiert. Diese Kategorisierung bestimmt über den bilanziellen Ausweis der Finanzinstrumente nach verschiedenen vertraglichen Eigenschaften und innerhalb unterschiedlicher Geschäftsmodelle und ihre Bewertung. Die mögliche Bewertung erstreckt sich von fortgeführten Anschaffungskosten bis zur Fair Value Bilanzierung. Die Neuerungen gelten nicht nur für Banken, sondern für alle Unternehmen.

Nicht zuletzt ist fast jedes Unternehmen als Leasingnehmer von den Neuerungen des IFRS 16 betroffen. Durch die neuen Vorschriften werden sich viele Bilanzrelationen und Erfolgsberechnungen bei Leasingnehmern ändern.

Vorteile durch Zertifizierungen

Ob Abschlussersteller oder Analysten: Zumindest eine Auffrischung der Kenntnisse in der Internationalen Rechnungslegung ist für fast jeden Anwender zwingend notwendig. Warum sollten sich Mitarbeiter der Rechnungslegungsabteilungen, Analysten oder Finanzierungsberater ihre Kenntnisse der wichtigsten IFRS nicht direkt zertifizieren lassen?

Hierzu bietet der International Certified Accountant (ICA) der Frankfurt School eine gute Gelegenheit. Die Grundlagen der IFRS und wichtiges Praxiswissen werden kompakt und zielgruppengerecht vermittelt, abgeprüft und bescheinigt.

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