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Zentralisierung im Zahlungsverkehr 2.0
Executive Education / 24 March, 2015
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Head of Competence Centre for Banking Expertise & Payment Methods
Meine Schwerpunkte liegen darin, bankfachliche Themen für unterschiedliche Zielgruppen praxisnah zu konzipieren und in adäquate Lernformen und Trainingseinheiten umzusetzen, wie z. B. Zertifikatsstudiengänge, Seminare oder Blended Learning-Konzepte

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Im Rahmen der Einführung von SEPA haben Unternehmen das Potential erkannt, eine weitere Zentralisierung ihres Zahlungsverkehrs in EUR zu erreichen, indem sie für alle eingehenden und ausgehenden Zahlungen aller Gruppenunternehmen nur noch ein einziges EUR Konto nutzen.

Ziel ist es, eine noch bessere Kontrolle über die eingehenden und ausgehenden Zahlungsströme zu erhalten aber auch, die Konten in den EUR Ländern zu reduzieren und damit die Kosten (und auch Risiken) zu minimieren. „Traditionelle“ Pooling Lösungen würden bei einem Konto für alle EUR Transaktionen letztendlich ebenfalls überflüssig.

Die Lösung hört sich einfach an, ist aber recht komplex und wohl vor allem von Interesse für Unternehmen, die in der Zentralisierung des Zahlungsverkehrs zumindest auf dem Wege zu einer Payment Factory besser noch zu einem Shared Service Centre sind. Somit sollte dieser Schritt zu einem einzigen Konto in EUR nur ein weiterer aber vielleicht nicht der erste Schritt in einem Zentralisierungsprojekt des Zahlungsverkehrs sein. Es bedarf einer umfangreichen IT- und Personalinfrastruktur, um mit einem einzigen Konto in EUR tatsächlich einen Mehrwert für das Unternehmen zu schaffen.

Rechtliche und steuerliche Aspekte sind ebenfalls zu bedenken (auf die wir hier nicht eingehen).
Bei der Einführung eines einzigen Kontos – für die ganz Ehrgeizigen sogar jeweils eines für die wesentlichen Währungen – ist das zahlungstechnische Hauptproblem die operative Abwicklung (Payments on behalf of – POBO, Collections on behalf of – COBO) und die entsprechende Zuordnung der eingehenden und ausgehenden Zahlungen zu den jeweiligen operativen Einheiten bzw. Tochtergesellschaften.

Hier setzt nun das Konzept der virtuellen Konten ein. Dabei werden vor allem zwei Varianten diskutiert (und manchmal auch verwechselt…).

Die „Bankenlösung“

Bei dieser Lösung nutzt ein Unternehmen ein Bankkonto mit mehreren Unterkonten für die Gruppenunternehmen. Dabei hat jede Tochter bzw. Unternehmenseinheit ein Unterkonto zum Hauptkonto des Shared Service Centres mit jeweils einer eigenen IBAN. Die IBAN kann durchaus auch eine lokale Komponente pro Land haben, d.h. für die deutsche Tochter beginnt sie mit DE, für die französische mit FR usw. Das hat den Vorteil, dass der Zahler das „Gefühl“ hat, auf ein Konto im eigenen Land zu zahlen bzw. davon bezahlt zu werden. Vor allem aber dient die IBAN als eine „Identifikationsnummer“ für die interne buchhalterische Zuordnung der Zahlungen.

Die „Unternehmenslösung“

Der ultimative Schritt ist allerdings, tatsächlich nur ein Bankkonto pro Währung bei einer Bank zu halten und die eingehenden und ausgehenden Zahlungen über unternehmensinterne Konten abzuwickeln. Dies bedarf dann einer IT und ERP Infrastruktur, die in der Lage ist, Zahlungen, die auf dem Bankkonto gebucht sind, mit Hilfe einer entsprechenden intern generierten Referenz der jeweiligen Gesellschaft zuzuordnen. Zahlungen werden als „POBO“ bzw. „COBO“ mit dieser Referenz versehen. Die entscheidenden Vorteile bei dieser Lösung sind die weitere Reduzierung der Bankkonten, noch größere Unabhängigkeit von Banken, eine Reduzierung der Bankkosten aber vor allem eine komplett unternehmensintern kontrollierte Infrastruktur für den Zahlungsverkehr. Dies ist auch im Zusammenhang von steigenden Anforderungen an die Compliance und die Sicherheit von Zahlungen ein entscheidender Vorteil der „Unternehmenslösung“.

Mehr zu dem Thema und weitere praxisnahe Aspekte des Zahlungsverkehrs bietet Ihnen das Seminar „Internationaler Zahlungsverkehr im Industrieunternehmen – eine Übersicht